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Kein optimaler Schutz für User

Das Internet hat viele neue Möglichkeiten eröffnet. Leider nicht nur für normale Nutzer, sondern auch für Betrüger, die durch die Anonymität des weltweiten Netzes geschützt, Jagd auf Opfer machen, die sich noch nicht so gut in diesem Medium zurecht finden. Auf wenig versierte User nehmen auch Schutzmechanismen zu wenig Rücksicht

Internet-Betrug

Wolfgang E. bot sein Kameraobjektiv über die Internetplattform eBay im EU-Raum zum Verkauf an und war froh, bald einen Interessenten gefunden zu haben, der bereit war, 880 Euro für das Objektiv zu bezahlen. Obwohl Herr E. zum ersten Mal etwas über das Internet verkaufte, fühlte er sich sicher, weil die Transaktion über Paypal abgewickelt werden sollte. Der Käufer habe sich aus Litauen gemeldet und er habe sich gedacht, na gut, ich schau mir das einmal an. Der Kauf werde ja über eine sichere Plattform abgewickelt und die Transaktion über ein sicheres Konto auf Paypal. Da gebe es einen Verkäuferschutz und einen einen Käuferschutz, was sehr groß angepriesen werde.

Geld verschwunden

Binnen zwölf Stunden langte die Kaufsumme – eine Überweisung aus Großbritannien – auf dem Paypal-Konto von Herrn E. ein und so gab er, nachdem er drei Tage zugewartet hatte, den Auftrag, die Kaufsumme auf sein Privatkonto zu überweisen und brachte das Objektiv zur Post: Eine Adresse sei nur auf Ebay einsehbar gewesen. Und nachdem das die einzige, ihm bekannte Adresse war, habe er das Objektiv an diese Adresse geschickt, sagt Herr E.

Als er dann am nächsten Tag sein Bankkonto kontrollierte, erlebte er eine böse Überraschung. Die 880 Euro waren nicht überwiesen worden und die Summe war auch von seinem Paypal-Konto abgezogen worden. Wie sich später herausstellte, hatte der Betrüger ein Konto in Großbritannien gehackt und von dort die Überweisung an Herrn E. vorgenommen. Nachdem der Kontobesitzer beweisen konnte, dass er mit der Transaktion nichts zu tun hatte, wurde das Geld an ihn rücküberwiesen.

Kein Verkäuferschutz

Der Verkäuferschutz von Paypal bot in diesem Fall auch keinen Schutz. In der Stellungnahme an Herrn E. hieß es dazu:
"Leider ist diese Zahlung nicht durch den Paypal-Verkäuferschutz abgesichert, da die Ware nicht an eine, in den Transaktionsdetails angegebene Adresse versandt wurde. In diesem Fall wurde Ihnen keine Adresse angegeben, die Transaktion war daher als nicht für unseren Verkäuferschutz qualifiziert gekennzeichnet."

Und Paypal verwies auf den Paragraph 11 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen, wo es u.a. heißt, Verkäuferschutz werde dann gewährt, wenn der Artikel an die in den "Transaktionsdetails" angegebene Empfängeradresse geschickt werde und im Paypal-Konto angezeigt werde, dass für den Geschäftsvorgang der Verkäuferschutz verfügbar sei.

Keine Warnung

Herr E. hat zwar Anzeige erstattet, aber so gut wie keine Aussicht, sein teures Objektiv wieder zu sehen. Er kritisiert, dass Paypal-Kunden nicht deutlicher gewarnt werden. Man müsste reinschreiben: "Achtung, wenn hier keine Adresse angegeben ist, diesen Artikel unbedingt nicht verschicken!" Dann wäre das für ihn klar gewesen und er hätte das Objektiv nie verschickt.

Besserer Schutz

Help-Rechtskonsulent Sebastian Schumacher hat in diesem Fall leider auch keine gute Nachricht für den Konsumenten. Bei den vielen Möglichkeiten, die das Internet bietet, können ehrliche User aber sicher besser vor raffinierten Betrügern geschützt werden, als es jetzt der Fall ist.

09.10.2010