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Maier: Identitätsdiebstähle wachsen drastisch

Die Internetkriminalität hat 2009 international und auch in Österreich zugenommen. Die zunehmende Spezialisierung von Internetkriminellen auf Identitätsraub, wo sich Fremde einer falschen Identität bedienen, verursache jedes Jahr Schäden in Millionenhöhe. "In Österreich ist das der am stärksten wachsende Kriminalitätszweig", so SPÖ-Abgeordneter Johann Maier.

TATORT INTERNET

Immer mehr Straftaten werden im und mit dem Internet begangen, "das Internet ist Tatmittel und Tatort zugleich", betonte Maier bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien. Mit dem World Wide Web haben sich neue Kriminalitätsformen herausgebildet, eine besondere Herausforderung bestehe in der Bekämpfung von Identitätsdiebstahl und –missbrauch. "Hier brauchen wir dringend gesetzliche Regelungen", fordert der SPÖ-Konsumentenschutzsprecher und Vorsitzende des parlamentarischen Konsumentenschutzausschusses Maier.

Aus der Sicht des Bundesministeriums für Inneres (BMI) hätten die Betrügereien unter Nutzung des Internets im Jahr 2009 zugenommen, betont Maier. Laut Bundeskriminalamt (BKA) sei 2009 die Zahl der zur Kenntnis gebrachten Fälle und Verdachtsfälle auf mehr als 9.000 gestiegen. Damit habe sich die Zahl gegenüber dem Jahr 2008 verdreifacht.

"Die Zahlen sind Schätzungen des Ministeriums", so Maier gegenüber ORF.at, denn das Problem sei, dass in Österreich nur konkret "Computerkriminalität" als Straftatbestand bekannt ist, nicht jedoch die "Internetkriminalität". Die Behörden würden also in ihren Kriminalitätsstatistiken nur "klassische Kriminalität am Computer" klar ausweisen. "Delikte mit Internetbezug werden in Österreich hingegen nicht erfasst", so Maier.

Steigende Zahlen in Österreich

Steigende Zahlen zu Internetbetrügereien würden auch die Konsumentenberatungseinrichtungen verzeichnen. Im Jahr 2009 wurden in den Arbeiterkammern (AK) und beim Verein für Konsumenteninformation (VKI) insgesamt 107.977 Beratungen zu Beschwerden über Telekommunikation, Internetgeschäften und Internetabzocke durchgeführt. Knapp die Hälfte, 52.437 Fälle, hätten allein die Internetabzocke betroffen. Im ersten Halbjahr 2010 seien bereits insgesamt 57.713 Beschwerden und Anfragen bei AK und VKI eingelangt, bei 31.582 davon, sei es um die Internetabzocke gegangen.

Die Zahlen des Internetombudsmann zeigten ein noch drastischeres Bild. Etwa drei Viertel der 10.000 Beschwerden im Jahr 2009 seien Betrugsfälle gewesen. Im ersten Quartal 2010 habe es mit rund 3.650 Beschwerden 32 Prozent mehr Anfragen als im Vergleichszeitraum 2009 gegeben. Gehäufte Konsumentenbeschwerden zu Internetbetrügereien gebe es laut Maier auch im Europäischen Verbraucherzentrum in Wien.

Bericht zu Internet-Betrügereien gefordert

Maier fordert eine umfassende Datenerhebung zur IT-Kriminalität in Österreich, "Es gibt keine umfassende Berichtslegung zu Betrugsfällen im Internet." Das deutsche Bundeskriminalamt veröffentliche etwa jährlich einen Cybercrime-Bericht, in dem die Problemfelder dargelegt würden. Auch in der Schweiz gebe es einen ähnlichen Bericht, In Österreich hingegen nicht.

Österreich "benötigt ein nationales Internetkompetenzzentrum im Bundeskriminalamt", fordert Maier, außerdem solle eine zentrale Meldestelle für alle Formen der Internetkriminalität geschaffen werden. Daneben sei auch die Schaffung eines europäischen Zentrums für Internetkriminalität, das Ermittlungen zentral durchführe sinnvoll.

Appell an User

Gleichzeitig seien aber auch die User gefordert. Man müsse an die persönliche Verantwortung appellieren. "Wir brauchen eine IT-Informationspaket für User", sagte Maier und zitierte eine Untersuchung des IT-Sicherheitsunternehmens BitDefender, die zeigte, dass 75 Prozent der Nutzer sozialer Netzwerke für ihren Account das gleiche Passwort verwenden, wie für ihre E-Mail-Adresse.

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15.10.2010