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vier Leute schauen auf einen Flachbildfernseher

Internet und Fernsehen in friedlicher Koexistenz

Während Internetvideos vor einigen Jahren noch verruckelte Bilder in schlechter Auflösung bedeuteten, kommen mittlerweile hochauflösende Bilder über die heimische Breitbandverbindung. Dennoch kann Internet das klassische Fernsehen nicht ersetzen - beide Medien ergänzen sich aber, wie Internetvideoexperte Bertram Gugel am Donnerstag im Rahmen des Internet Summit Austria erklärte.

TV-Zukunft

Neue TV-Geräte verfügen immer öfter über eine Internetanbindung und werden damit zu sogenannten Smart-TVs. Laut dem Elektronikhersteller Samsung sind heute bereits die Hälfte aller verkauften Geräte derart ausgestattet. "Fernseher machen eine ähnliche Entwicklung durch wie einst die Handys", meint Bertram Gugel. Bei den Mobiltelefonen seien nach Telefonie und SMS schrittweise E-Mail, Video und weitere Services hinzugekommen. Die "Killerapplikation" für Smart-TVs sei aber bisher noch nicht gefunden worden.

TV profitiert von Interaktivität im Netz

Der eindeutige Mehrwert des Internets sei laut Gugel seine Interaktivität, die dem Fernsehen aber auch helfen könne. So diskutieren etwa über den Kurznachrichtendienst Twitter in den USA teilweise Millionen über Live-Events im Fernsehen. Wer mitreden will, muss den Fernseher einschalten. Die Interaktivität werde aber auch in Zukunft extern, also über Handy oder PC stattfinden, weil die Eingabe auf dem TV bislang viel zu kompliziert sei.

Bertram Gugel schreibt seit 2005 in seinem Blog "Digitaler Film" über die Konvergenz von Fernsehen und Internet.

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Zu viel Angebot im Netz

Was dem Internet hingegen fehle, sei die Programmgestaltung. "Schließlich muss ich mich aktiv für etwas entscheiden, dass ich etwa über Google suche. Den Fernseher kann man einfach einschalten und bekommt verschiedenste Formen der Unterhaltung angeboten". Das Fernsehen habe dem Internet zudem das Soziale Geflecht drumherum voraus: Zum einen sei damit das gemeinsame Anschauen gemeint, zum anderen das Diskutieren über einzelne Inhalte am nächsten Tag.

Was in Europa zum Unterschied der USA aber noch fehle, seien verlässliche Online-Angebote, denen die Konsumenten vertrauen. In den USA zählt etwa der Online-Videoverleih Netflix mittlerweile 25,4 Mio. Abonnenten und damit mehr als die meisten Pay-TV-Sender. In Europa sei es zwar prinzipiell nicht schwierig an die meisten Inhalte heranzukommen - auf legalem Wege aber schon.

Traditionelle und neue Inhalte

"Fernsehen wird einfach zu einem Bildschirm und ich entscheide was drauf läuft", so die Prognose Gugels. Die Inhalte sollen dabei auch künftig sowohl von traditionellen wie auch neuen Anbietern kommen. Google investiere derzeit kolportierte 600 Mio. Dollar in die Produktion von Inhalten für YouTube. Traditionelle Rundfunkstationen würden dadurch aber nicht obsolet.

"TV-Stationen haben eine Kompetenz, die sich wunderbar ins Internet verlagern lässt. Jeder, der Inhalte hat, ist im Moment gut aufgestellt, eventuell muss man diese aber an neue Gegebenheiten anpassen", so der Experte. Auch der vielgerühmt user-generated Content könne langfristig keine professionell hergestellten Inhalte ersetzen. "Über kurz oder lang setzt sich Qualität bei der Unterhaltung durch".

Aus für die DVD?

Bedeutend kritischer seien aktuelle Entwicklungen allerdings für die Filmbranche. "Die DVD wird es nicht mehr lange geben", so der Online-Experte, zu viele Endgeräte kämen bereits ohne entsprechendes Laufwerk aus. "Die Cashcow für die Filmindustrie wird damit wegbrechen und entsprechende Video-on-Demand-Modelle gibt es noch nicht."

Nayla Haddad, ORF.at

22.09.2011