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Radieschenbrot

Gesunde Ernährung schont das Klima

Eine nachhaltige Ernährung hat enormes CO2-Einsparpotenzial. Allerdings heißt "nachhaltig" nicht einfach "bio". Faktoren wie die Lagerung und Zubereitung der Lebensmittel, und die Entsorgung der Reste haben großen Einfluss auf die Klimabilanz. Auch heißt "nachhaltig" nicht einfach "pflanzlich". Bei der Auswahl von Obst und Gemüse gibt es ebenfalls einiges im Interesse der Umwelt zu beachten. Macht man alles richtig, kann beim Essen rund die Hälfte der Treibhausgase eingespart werden.

Treibhausgase

Neben der Wahl des Verkehrsmittels ist unser Essen jener Bereich des Alltags, in dem jeder Verbraucher mit wenigen Veränderungen die Treibhausgasemissionen des Haushalts verringern kann. Das ist ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz, sagt Haushalts- und Ernährungswissenschaftlerin Erika Claupein vom Max-Rubner-Institut in Karlsruhe, ein staatliches Forschungsinstitut auf dem Gebiet der Ernährung: " Wir haben festgestellt, dass bei dem Vergleich der üblichen Ernährung mit der Ovo-lacto-vegetabilen Vollwert-Ernährung 52 Prozent der Treibhausgase eingespart werden können."

Weniger Fleisch, dafür bessere Qualität

Ovo-lacto-vegetabil heißt, völlig auf Fleisch zu verzichten. So weit muss man allerdings nicht gehen, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, dafür genügt schon eine Änderung des Fleischkonsums, sagt Erika Claupein. Erstens weniger davon, und zweitens bewusst ausgesucht: Rindfleisch, beispielweise, muss kein Klimakiller sein. "Wenn die Rinder auf der Weide gehalten werden, wenn sie mit Raufutter gefüttert, und so weiter, dann macht es sogar Sinn. Fleisch ist ja an sich ein wertvolles Lebensmittel, und Milch und Eier sind wertvolle Lebensmittel. Das Problem ist, dass unser Hunger danach zu groß ist."

Klimakiller Massentierhaltung

Die große Nachfrage kann nur mit Massentierhaltung befriedigt werden, die äußerst energieintensiv, und damit klimaschädlich ist. Das beginnt beim Futter der Tiere, das meistens aus Soja besteht, das auf ehemaligen Regenwaldboden angebaut wird, und hört beim europaweiten Transport auf der Straße auf. Weniger, dafür besseres Fleisch und mehr pflanzliche Kost sollte also die Devise lauten.

Pflanzlich ist allerdings nicht gleich pflanzlich: So können verarbeitete Produkte, etwa aus Erdäpfeln, durch die vielen Bearbeitungsschritte eine ähnlich schlechte Klimabilanz aufweisen, wie ein Schweinsschnitzel, sagt Ernährungswissenschaftlerin Claupein. Da nützt es dann auch wenig, wenn auf solchen Produkten das Bio-Siegel zu finden ist. Meidet man Verarbeitetes, dann hat Bio allerdings im Vergleich zu konventionellen Produkten die Nase vorne: "Insgesamt kann man sagen, im Durchschnitt kann man mit Bio ein Viertel aller Treibhausgasemissionen einsparen", so die Ernährungswissenschaftlerin.

Gesünder, ökologischer, billiger

Solange man zu regionalen und saisonalen Produkten greift. Ein Beispiel: Wer im Winter Paradeiser kauft, bekommt Produkte aus dem Gewächshaus oder von weit her mit einer bis zu hundertfach schlechteren Klimabilanz als saisonale Freilandtomaten.
Wer seine Ernährung umstellt, gewinnt dreifach, resümiert Erika Claupein: "Die Empfehlungen für eine klimafreundliche Ernährung decken sich vollständig mit den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung. "Wir haben auch Studien gemacht, die klar feststellen, dass diese Ernährung dann auch noch kostengünstiger ist." Und das hauptsächlich durch den geringeren Konsum von Fleisch.

08.10.2011