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jemand hält einen Smart Meter - intelligenten Stromzähler - in Händen

Verordnung für "intelligente" Stromzähler erlassen

Bis 2019 sollen mindestens 95 Prozent der heimischen Haushalte "intelligente" Stromzähler erhalten, sieht die nun erlassene Smart-Meter-Verordnung vor. Während Politik und Wirtschaft mögliche Einsparungen nicht nur bei den Konsumenten hervorstreichen, fordert unter anderem die Arbeiterkammer mehr Datenschutz.

Smart Meter

Die von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) erlassene Verordnung sieht ab 2015 einen Stufenausbauplan vor, der den Netzbetreibern "eine angemessene und realistische Vorlaufzeit für die Umsetzung der Einführung intelligenter Messgeräte" geben soll, so der Minister in einer Aussendung. 2015 sollen zehn Prozent der Stromzähler umgestellt sein, Ende 2017 mindestens 70 Prozent. Bisher sind in Österreich knapp 200.000 von insgesamt rund 5,7 Millionen Zählern auf Smart Meter umgerüstet.

Ministerium verspricht Kostenersparnis

Laut Ministerium ermöglichen die neuen Zähler mehr Transparenz beim Verbrauch und Kostenbewusstsein, würden den Konsumenten das Stromsparen erleichtern und damit den Wettbewerb ankurbeln. Der Austausch solle grundsätzlich über das Messentgelt abgedeckt werden, die Mehrkosten für die Beschaffung eines Smart Meter gegenüber einem herkömmlichen Zähler belaufen sich laut Angaben einmalig auf rund 40 Euro. Auf eine Nutzungsdauer von 15 Jahren berechnet entspreche dies im Monat etwa 20 Cent.

Mitterlehner verwies auf eine Studie von PriceWaterhouseCoopers (PwC), die in einem Modellzeitraum von 15 Jahren einen Nettokostenvorteil für die Endverbraucher von über einer Milliarde Euro durch Smart Meter errechnete. Demnach kann der Verbrauch über alle Kundengruppen um rund 3,5 Prozent pro Jahr reduziert werden. Der "volkswirtschaftliche Gesamtnutzen" belaufe sich auf 3,6 Milliarden Euro, wobei die Aufwendungen rund 400 Millionen Euro betragen sollen.

Industrie reagiert erfreut

Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) freute sich in einer Aussendung über die Einführung der neuen Messgeräte. Sie könnten dabei helfen, "den stark steigenden Anteil der erneuerbaren Energien in das Stromnetz möglichst effizient zu integrieren". Auch der E-Wirtschaftsverband Oesterreichs Energie, die Regulierungsbehörde E-Control, die Energie AG Oberösterreich sowie die Industriellenvereinigung begrüßten die Verordnung.

Eigene Verordnung für Daten

Die E-Control hat arbeitet laut eigenen Angaben an der nächsten Verordnung, in der unter anderem Datenformat, Detaillierungsgrad sowie die Form der Bereitstellung der Verbrauchsinformationen definiert werden sollen.

Die Industrie erhofft sich ebenfalls Einsparungen durch Smart Meter, etwa bei Ablesungen. Laut Industriellenvereinigung (IV) ermöglichen Smart Meter durch eine zeitnahe und bessere Datengrundlage zudem eine bessere Lastensteuerung. Für den Stromregulator sind die Endkunden die "größten Nutznießer von Smart Metering".

Proteste von AK, Ärzten und Mietervereinigung

Die Mietervereinigung hat dagegen eine Unterschriftensammlung gegen die neuen Stromzähler gestartet und begründet ihre Opposition mit den Zusatzkosten und ungelösten Datenschutz-Problemen, die Ärztekammer warnte vor möglichen gesundheitlichen Problemen durch Elektrosmog. Auch IV und der E-Wirtschaftsverband sehen bei Datenschutz wie auch Datensicherheit noch zu lösende Fragen.

Die Arbeiterkammer (AK) sprach in einer Aussendung von einem "Zwangsumtausch" und erklärte, der Datenschutz sei nicht sichergestellt. Die AK nehme die Regulierungsbehörde E-Control beim Wort, die versprochen habe, dass es zu keinen Mehrkosten für die Haushalte kommen werde. Das Ministerium schieße zudem über die EU-Vorgaben hinaus, die bis 2020 80 Prozent der neuen Stromzähler vorsieht.

Ministerium will Datenschutz verbessern

Das Ministerium schreibt in seiner Aussendung, dass flankierende gesetzliche Regelungen den Datenschutz weiter verbessern sollen. So sei etwa geplant, dass der Netzbetreiber etwa für die Überwachung der Leitungen nur anonymisierte aggregierte Verbrauchsdaten auslesen darf. Zudem soll die Übermittlung von Kundenverbrauchsdaten auf freiwilliger Basis erfolgen. Wenn der Kunde einer Datenweitergabe zustimmt, muss ihn der Stromversorger künftig informieren, wer welche Daten zu welchem Zweck erhält. Bei Verstößen gegen die genannten Bestimmungen sind Sanktionen in Höhe von bis zu 100.000 Euro vorgesehen.

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24.04.2012