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Zu sehen ist ein Einkaufswagen mit verschiedenen Lebensmitteln.

Ernährungsmythen – von Irrtümern und Volksweisheiten

"Käse schließt den Magen", "Frisches Brot verursacht Bauchschmerzen", "Kaffee ist ein Flüssigkeitsräuber", "Schnaps fördert die Verdauung": Manche Ratschläge rund um unsere Ernährung sind keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, sondern alte Volksweisheiten. Was früher sinnvoll war, ist jedoch heute oft überholt oder ein Mythos. Wir haben einige dieser Richtlinien unter die Lupe genommen und gefragt, ob es sich um nützliche Ernährungstipps oder um Ernährungsmythen handelt.

Gesundheit

Frisches Brot verursacht Bauchschmerzen. Diese weit verbreitete Annahme trifft allenfalls auf Brotteig zu, dessen Mikroorganismen im Magen weitergären würden. Beim Backen werden diese aber abgetötet und man kann auch ofenwarmes Brot unbeschadet genießen.

Dessen ungeachtet gab es Anfang des 20. Jahrhundert ein Gesetz, dass Brot erst einen Tag nach dem Backen verkauft werden darf, erklärt Ernährungswissenschaftlerin Eva Unterberger: "es wird gemutmaßt, dass das daher rührt, dass altes Brot länger gekaut werden muss und dadurch nicht so viel davon gegessen wird." Ein Trick also, damit die damals bemessene Brotration länger reicht.

Mit Wasser ist gut Kirschenessen

Der Volksmund warnt auch gerne davor Wasser zu trinken, nachdem Steinobst, wie etwa Kirschen gegessen wurde. Die Folge wären Magen-Darmprobleme. Der Grund für diesen Mythos ist, dass in früheren Zeiten meist Brunnenwasser getrunken wurde: "Dann ist oft Bauchweh aufgetreten, wenn man zum Beispiel vorher Obst gegessen hat. Das ist aber eher vom Wasser gekommen, das nicht alle Hygienerichtlinien erfüllt hat", so Eva Unterberger. Trotzdem halten heute noch viele Menschen daran fest, dass mit Wasser nicht gut Kirschenessen ist.

Warum Honig gesünder als Zucker ist

Dass Honig gesünder ist als Zucker stimmt insofern, weil er eine höhere Süßkraft hat und man so Kalorien spart. Die ihm nachgesagte überaus hohe Vitamin- und Mineralstoffbilanz ist hingegen ein Irrtum: "Ein Esslöffel Honig enthält zum Beispiel 0,1 Milligramm Vitamin C. Also mit zehn Kilo Honig könnte man die empfohlene Tagesmenge an Vitamin C erreichen", informiert die Ernährungsexpertin.

Hingegen sind Süßstoffe besser als ihr Ruf. Obwohl immer wieder vermutet, regen sie nicht den Appetit an und machen auch nicht hungrig.

Schnaps behindert die Verdauung

Die Behauptung, dass Kaffee harntreibend wirkt ist zwar richtig, allerdings: Ist der Körper an mäßigen Koffeinkonsum gewöhnt, kann er den Flüssigkeitsverlust ausgleichen. Nach dem Essen getrunken, fördert Kaffee als ein so genannter Säurelocker die Verdauung, rät Eva Unterberger: "Im Gegensatz zum Schnaps, weil Hochprozentiges ist nämlich kein Säurelocker und fördert die Magenentleerungsrate nicht."

In größeren Mengen behindert Schnaps sogar die Verdauung, da er jene Nerven blockiert, die dafür sorgen, dass die Speisen vom Magen in den Darm gelangen. Ähnlich wie der Käse, der den Magen schließt.

Käse verschließt den Magen

Weil Käse sehr fett und kalorienreich ist, verlangsamt er die Magenentleerungsrate und verschließt den Magen sozusagen in Richtung Dünndarm. "Dadurch verlängert Käse das Sättigungsgefühl, aber auch das Völlegefühl", klärt die Ernährungswissenschaftlerin auf.

Dennoch empfiehlt sie, Käse einem süßen Dessert als Nachtisch vorzuziehen. Einerseits um Zucker zu vermeiden, andererseits wegen den im Käse enthaltenen Mineralstoffen, die den Zahnschmelz härten und vor Karies schützen.

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29.09.2012