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Hochbeete richtig anlegen

Für die erfolgreiche Gemüseernte trotz kleiner verfügbarer Anbaufläche gibt es eine praktische Lösung: das Hochbeet. Ob Minigarten, Terrasse oder Balkon, die Holzkiste lässt sich nahezu überall aufstellen und sorgt bei fachgerechtem Umgang für frisches Gemüse aus eigenem Anbau. Außerdem schont die Arbeit am Hochbeet im Vergleich zum Bücken im Garten den Rücken.

Garten

Der Ertrag eines Hochbeets ist zu 100 Prozent Bio: Das Düngen erspart man sich durch den hohen Nährstoffgehalt, den das verrottende Material im Inneren bietet. Nur einer von vielen Vorteilen des Hochbeets, sagt die Biologin Sophie Jäger-Katzmann von der Umweltberatung: "Ein Hochbeet ermöglicht ein Arbeiten in größerer Höhe, das ist rückenschonender als das gebückte Jäten und Ernten. Und man hat durch den Schichtaufbau des Hochbeets auch den Vorteil, dass die Erde drinnen wärmer wird. Dadurch kann man früher ernten als im normalen Gemüsebeet."

Naturbelassenes Material verwenden

Einzige Hürde vor dem Genuss des eigenen Gemüses ist der Bau eines solchen Beets. Fertige Bausätze aus Lärchenholz sind ab etwa 200 Euro im Handel erhältlich, so Jäger-Katzmann. "Man kann es aber auch ziemlich einfach selbst bauen aus unbehandelten Hölzern, da ist darauf zu achten, dass diese nicht lackiert oder imprägniert sind wegen der Schadstoffe, oder aus Natursteinen oder Metall. Bei der Größe des Hochbeets ist es wichtig, dass man von allen Seiten gut arbeiten kann, dass es eine gewisse Tiefe von ungefähr 1,20 m nicht überschreitet, damit man überall gut hinkommt. Dann die Höhe des Beetes: Ungefähr 70 cm bis ein Meter je nach Größe des Gärtners oder der Gärtnerin, und - ja die Ausrichtung, so dass volle Sonne auf dem ganzen Beet gewährleistet wird."

Balkon: Statik prüfen

Ein Hochbeet ist nicht nur für Gartenbesitzer geeignet, sagt die Gartenfachfrau: "Wenn man über Balkon oder Terrasse verfügt, kann man auch dort ein Hochbeet bauen, wobei da besonders auf die Statik zu achten ist, weil das Ganze ziemlich schwer wird, vor allem wenn es gegossen wird oder nach starkem Regen. Da ist es wichtig, dass das Wasser gut abfließen kann, und dass man sich vorher bei der Hausverwaltung oder beim Vermieter erkundigt, wie die Tragkraft von Balkon oder Terrasse aussieht." Auf dem Balkon oder der Terrasse braucht ein Hochbeet auch Drainagelöcher, damit überschüssiges Wasser abfließen kann.

Schichtweise auffüllen

Womit füllt man nun das fertige Hochbeet auf? Sophie Jäger-Katzmann: "Es geht von unten nach oben von ganz grobem Material bis zum ganz feinen Material. Zuunterst hat man eine Schicht aus Stämmen und Zweigen und grobem Häckselgut. Wenn man es im Garten baut und vorher die Grasnarbe abgestochen hat, dreht man diese Grassoden um mit der Grasseite nach unten. Dann eine Schicht aus verrottetem oder angerottetem Laub und Stallmist, wenn man den bekommt, dort entsteht dann diese Rotte und die Wärme. Darauf kommt eine Schicht Grobkompost, das ist Kompost, der noch nicht vollständig zersetzt ist, und ganz zuoberst eine Schicht Feinkompost." Und mit Wühlmausgittern und Schneckenzäunen lassen sich die Pflanzen leicht vor Schädlingen schützen.

Fruchtfolge beachten

Beim Einsetzen des Gemüses sollte man eine bestimmte Reihenfolge einhalten, rät die Biologin: "Durch das hohe Nährstoffangebot und die große Wärmeentwicklung ist darauf zu achten, dass man gerade am Anfang die Starkzehrer anbaut in den ersten ein, zwei Jahren, wie Paradeiser, Paprika, Auberginen oder Kürbisse. Dann kommen Mittelzehrer im dritten Jahr ungefähr, wie Karotten, Fenchel oder Salate. Und am Schluss dann die Schwachzehrer wie Kräuter, Vogerlsalat oder Bohnen und Erbsen. Nach ungefähr fünf bis acht Jahren ist das System erschöpft mit dieser Wärmeentwicklung oder Fußbodenheizung, die sich da für die Pflanzen ergibt - dann müsste es neu befüllt werden. Da räumt man das ganze Beet aus, kann die Erde im Garten normal weiterverwenden oder in Blumentrögen, und baut wieder die verschiedenen Schichten auf."

Frühling oder Herbst

Und wann ist der beste Zeitpunkt, um ein Hochbeet anzulegen? "Immer dann, wenn viel Gartenabfälle anfallen, also entweder im Herbst oder auch jetzt im zeitigen Frühjahr, wenn man das Laub unter den Sträuchern hervorkehrt und Sträucher, die man geschnitten hat, zu häckseln beginnt. Das kann man dann alles statt auf den Komposthaufen zu geben ins Hochbeet einbauen und nutzen."

Auch für ungeeignete Böden

Nicht nur bei wenig Platz und zur Rückenschonung ist das Hochbeet eine sinnvolle Alternative zum Garten, sagt Sophie Jäger-Katzmann: "Auch auf stark verdichteten oder kontaminierten Böden ist es so möglich zu gärtnern, da gibt‘s zum Beispiel in Berlin am ehemaligen Flughafengelände Tempelhof ein großes Gemeinschafts-gartenprojekt. Dort bauen alle ihre Hochbeete, weil die Böden kontaminiert sind und man nicht normal anbauen kann."

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30.03.2013