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Mobilfunker Orange verschwindet im Herbst

Spätestens Anfang Oktober verschwindet der Mobilfunker Orange endgültig vom österreichischen Markt: Dann soll die Markenzusammenführung mit dem neuen Eigentümer "3" abgeschlossen sein. Derzeit werden die beiden Netze zusammengeschaltet, wodurch sich die Netzabdeckung erhöhen soll. Die Tarife sollen weiter bestehen bleiben.

Mobilfunk

In den nächsten Tagen erfolgt die rechtliche Verschmelzung der beiden Mobilfunkunternehmen, ab dann soll die vollständige Zusammenführung von "3" und Orange relativ flott geschehen, sagte "3"-Chef Jan Trionow am Dienstag vor Journalisten. Für die Kunden sollen sich dabei laut Trionow nur Vorteile ergeben, vor allem durch die Fusion der beiden Netze, wodurch die Netzabdeckung erhöht werden soll.

Netzfusion bereits im Laufen

Bereits im Laufen ist die Verschmelzung der GSM-Netze (2G), die Ende Juli abgeschlossen sein soll. Dadurch soll eine bessere Versorgung in der Fläche sowie in Gebäuden ermöglicht werden. Dabei werden die bisherigen Orange-Kunden auch vom National-Roaming-Vertrag von "3" mit T-Mobile profitieren, bei dem sie automatisch das Netz von T-Mobile nutzen. Diese Kooperation wird auch nach dem vollständigen Zusammenschluss weiterlaufen, da die Verträge für einen längeren Zeitraum abgeschlossen wurden. Das auslaufende Roaming mit A1 gibt es nur noch punktuell.

Von August bis Oktober werden dann die 3G-Netze, über die derzeit die meisten Datenverbindungen auf Smartphones und Notebooks laufen, zusammengeführt. Die aktuelle 3G-Versorgung von 65 Prozent soll sich für bisherige Orange-Kunden auf "landesweit" erhöhen, so der "3"-Chef. In Summe soll das gemeinsame Unternehmen 6.000 Mobilfunkstandorte haben, dazu werden 2.600 der bestehenden Standorte abgegeben oder überhaupt abgebaut. Ob die neu dazugekommenen Masten, wie einst das gesamte "3"-Netz, auch an die China Development Bank verkauft werden, werde noch verhandelt, so Trionow.

Umbau der Technik bis 2015

Zusätzlich sollen alle Standorte bis Anfang 2015 um- und aufgerüstet werden, damit sie auch für das neue LTE-Netz bereit sind. Dabei wird auch die zum Teil veraltete Technik der Funkmasten auf einen einheitlichen Hersteller (ZTE) umgestellt. Damit die Kunden möglichst wenig davon mitbekommen, sollen die Umstellungen jeweils in der Nacht geschehen. Die Kosten für den Aufbau des LTE-Netzes sollen auch durch die in den nächsten Jahren geplanten Einsparungen finanziert werden.

Parallel zur Fusion der 3G-Netze soll im dritten Quartal die Markenzusammenführung erfolgen. Das gemeinsame Unternehmen wird dann nur noch unter der Marke "3" auftreten, die Marke Orange wird vom Mutterkonzern France Telecom quasi eingezogen. Zudem werden die derzeit 140 Shops auf rund 90 reduziert, damit habe man so viele wie A1 und T-Mobile, sagte Trionow.

"3": Keine Änderungen für Bestandskunden

Für Bestandskunden soll sich abseits davon nichts ändern, verspricht "3". Gesperrte Handys sollen in beiden Netzen weiterfunken können, die laufenden Verträge bleiben bestehen, und auch an den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) soll nichts zum Nachteil der Kunden geändert werden. Sind AGB-Änderungen nicht ausschließlich begünstigend, haben betroffene Kunden ein Sonderkündigungsrecht. Das Sonderkündigungsrecht gilt laut der Regulierungsbehörde RTR auch bei Änderungen im Leistungsumfang, wenn etwa Services einstellt werden.

Kündigungen gibt es dafür bei "3" und Orange, einerseits durch die Zusammenlegung der Shops, andererseits durch die Callcenterumstellung. 97, vor allem Shopmitarbeiter, wurden letzte Woche beim AMS angemeldet, die 70 betroffenen Callcentermitarbeiter gehen Anfang 2014. Weitere Kündigungen sind möglich. Nicht zuletzt durch den Mitarbeiterabbau und weitere Einsparungen wird der Netzausbau finanziert.

Keine Angaben zur künftigen Preisstrategie

Zur künftigen Preisstrategie von "3" wollte sich Trionow auf Nachfrage nicht äußern, also, ob der Anbieter so wie die Mitbewerber ebenfalls seine Preise anheben wird. Es sei aber logisch, dass in einem Wachstumsmarkt irgendwann auch die Umsätze wieder steigen, sagte der "3"-Chef. Damit würde schließlich der Ausbau der Netze finanziert. "Das Freiheit des Internets heißt auch, gutes Internet zu haben" so Trionow, der "nichts Schlimmes" dabei findet, wenn es qualitative und damit auch preisliche Unterschiede bei den Services gibt. Klar sei aber, dass über Netzneutralität und ihre Bedeutung diskutiert werden müsse.

Nadja Igler, ORF.at

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25.06.2013