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Gerodeter Regenwald aus der Luft aufgenommen

Palmöl: Klimakiller ohne Alternative?

Wenn in den Zutatenlisten sich der Posten "pflanzliches Fett" oder "pflanzliches Öl" findet, dann steckt dahinter in den meisten Fällen Palmöl. Dieses Öl aus den Tropen enthält kein Cholesterin, ist bei Raumtemperatur streichfähig und unschlagbar billig – und wird auf gerodeten Regenwaldflächen produziert. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace sehen in der Palmölproduktion inzwischen eine der größten Gefahren für Klima und tropischen Urwald.

Es steckt in Chips, in Aufstrichen, Fertiggerichten, in Eis und in Schokolade und Keksen: "Pflanzliches Fett", oder "pflanzliches Öl". So steht es in den Zutatenlisten. "Pflanzlich" klingt unverdächtig, ein bisschen nach Natur, ein wenig nach gesund, vielleicht eine Spur nach grün.
Die Realität sieht ganz anders aus, sagt Greenpeacesprecherin Claudia Sprinz. Hinter den pflanzlichen Fetten aus der Zutatenliste stecke in den meisten Fällen Palmöl, gewonnen aus der Frucht der tropischen Ölpalme. Vor ihr liegen Bilder aus dem indonesischen Regenwald. Oder eher: Bilder vom ehemaligen Regenwald: "Man sieht hier eine zerstörte Landschaft, man sieht Wasserlacken, Holzschnitzel, die herumliegen, und ein Gebiet, wo kein Orang-Utan mehr leben kann, weil es keinen einzigen Baum mehr gibt."

Abholzen für Ölplantagen

Indonesien und Malaysia produzieren gemeinsam rund 85 Prozent des weltweit hergestellten Palmöls; und in beiden Ländern wird tropischer Regenwald so schnell abgeholzt, wie in kaum einer anderen Region. Die Nachfrage nach Palmöl steigt seit Jahren. Ölpalmplantagen wachsen auf ehemaligem Urwaldboden in Monokultur, mit allen damit verbundenen Problemen: Starker Pestizideinsatz, Wasserverschmutzung, Artensterben. Und: "Durch die Regenwaldzerstörung verlieren nicht nur die verschiedenen Arten ihren Lebensraum, sondern es werden auch Unmengen an CO2 freigesetzt, weil gerade ein besonders artenreicher Regenwald CO2 gut speichern kann."

Indonesien gehört zu den stärksten CO2-Emitteten der Welt, hauptsächlich wegen Regenwaldrodungen. Besonders problematisch ist das Abholzen von Sumpfwäldern, sagt Greenpeace-Sprecherin Claudia Sprinz. Die brachliegenden ehemaligen Sümpfe geben gespeichertes CO2 wieder frei, und das über Jahre. "Das sind einfach verheerende Auswirkungen, die niemand haben möchte, der in einen Schokoriegel beißen, oder seine Wäsche waschen will."

Neue Kennzeichnungsvorschrift

Richtig: Wäsche waschen. Palmöl wird längst nicht nur in Lebensmitteln eingesetzt, sondern auch in der Produktion von Kosmetikprodukten, Waschmitteln, und sogenanntem Bio-Sprit. Auf solchen "Non-Food-Produkten", wie der Handel alles nicht Essbare nennt, sucht man Hinweise auf die verwendeten Rohstoffe meisten vergeblich.
Bei Lebensmitteln dagegen ändert sich die Verordnungsvorschrift ab kommendem Jahr. Der Posten "pflanzliches Fett" alleine reicht dann nicht mehr, die verwendeten Öle müssen genau genannt werden.
In der Nahrungsmittelindustrie ist man sich der Problematik grundsätzlich bewusst. Ein guter Teil der Branche hat sich dem "Round Table on Sustainable Palmoil", dem runden Tisch für nachhaltiges Palmöl angeschlossen. Diese Organisation, 2004 vom WWF initiiert, versucht, nachhaltige Produktionsmethoden zu fördern.

Keine Alternative?

Allerdings mit äußerst eingeschränktem Erfolg, sagt Greenpeacesprecherin Claudia Sprinz, und spricht von Grünfärberei. "Weil es zurzeit keine Zertifizierungen gibt, die die Herkunft von Palmöl nachweisen können. Es gab zahlreiche Berichte und Dokumentationen, die nachgewiesen haben, dass das nicht nachhaltig produzierte Palmöl und das vermeintlich nachhaltig produzierte Palmöl zusammengepanscht werden. Das heißt, das Hauptproblem ist, dass es derzeit kein nachhaltig produziertes Palmöl gibt." Selbst bei Bio-Palmöl sei eine nachhaltige Produktion nicht in jedem Fall garantiert.

Gibt es keine Alternative zum Palmöl? Doch, sagt Claudia Sprinz, Palmöl könne in den meisten Fällen durch regional erzeugte Fette ersetzt werden. Dafür gibt es Beispiele, zuletzt stellte ein großer österreichischer Knabberzeughersteller seine Produktion von Palm- auf Sonnenblumenöl um. So ein Umstieg ist nicht ohne weiteres möglich, sagen dagegen einige der österreichischen Nahrungsmittelproduzenten, die am runden Tisch für nachhaltiges Palmöl vertreten sind. Durch den Einsatz von Palmöl könne auf gehärtete Fette, und damit auf Transfette, verzichtet werden; und der hohe Schmelzpunkt mache es außerdem leicht zu verarbeiten. Regional produzierte Fette könnten da nicht mithalten.

13.07.2013