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Schwer durchschaubare Onlinebestellung bei Druckereiprodukten

Ob Visitenkarten, Fotobücher oder ein persönliches Briefpapier – beim Kauf von Druckerzeugnissen kommen immer öfter Onlinedruckereien zum Zug. In erster Linie wohl, weil sie preisgünstig sind oder zumindest das Image haben, preisgünstig zu sein. Einen Preis beurteilen oder vergleichen kann man aber nur, wenn man genau weiß, welche Qualität man dafür bekommt. Und da fehlt es bei Onlinedruckereien mitunter an der nötigen Transparenz.

Irrtumsanfechtung

Fehlende Angaben

Als Obmann einer privaten Turnergruppe wollte Walter Enzinger aus Niederösterreich für seine Mitturner ein Fotobuch zur Erinnerung zusammenstellen. Seine Wahl fiel auf die Internetdruckerei print24, die auf ihrer Homepage verschiedenste Druckerzeugnisse mit dem Slogan "günstig, schnell und hochwertig" anpreist. Seine Bestellung - 50 Broschüren mit 112 Seiten Umfang - sollte bei print24 1.999,90 Euro kosten. War das tatsächlich so günstig?

Herr Enzinger holte noch ein anderes Angebot ein. Und da habe es sich herausgestellt, dass eine andere Druckerei im Digitaldruck mehr als die Hälfte billiger war, erzählt er. Daraufhin habe er bei print24 nachgefragt, ob das Angebot für Digitaldruck oder Offsetdruck gelte. Die Mitarbeiter hätten ihm das aber nicht sagen können oder nicht sagen wollen. Sie seien sehr unfreundlich gewesen.

Keine Auskunft

Für einen Preisvergleich fehlte ihm also die wesentlichste Information, nämlich ob sein Fotobuch im Offset- oder Digitaldruck produziert werden würde. Wegen der besseren Qualität ist der Offsetdruck deutlich teurer als der Digitaldruck. Rund 2.000 Euro für die Fotobücher im Digitaldruck sind viel, eine Kremser Druckerei hätte Herrn Enzinger zufolge weniger als 1.000 Euro dafür verlangt. Für die Fotobücher im Offsetdruck sind 2.000 Euro hingegen günstig, die Kremser Firma wollte dafür 3.000 Euro. Doch weder im Onlinebestellformular noch auf telefonische Anfrage bekam Herr Enzinger die gewünschte Auskunft. Und daher vermutet er, dass sein Auftrag im Digitaldruck, der billigeren Variante gedruckt werden sollte. Weil sonst hätte man ihm ja sagen können, dass es sich um Digitaldruck handelt. Das habe man nicht gewollt, weil man gewusst habe, dass man zu teuer sei, meint er.

Keine Stellungnahme

Uns erging es bei unseren Nachforschungen nicht besser. Auf unsere erste Bitte um Stellungnahme zur Beschwerde des Konsumenten kam zwar die rasche Antwort von print24, dass unser Schreiben an das Management weitergeleitet worden sei. Es werde dazu in Kürze eine Rückmeldung geben. Drei Wochen später war noch immer keine Antwort bei uns eingetroffen. Auf unsere nochmalige Nachfrage gab es keine Reaktion.

Wenn man sich im Internet die Angebote anderer Onlinedruckereien anschaut, steht beim jeweiligen Produkt klar und deutlich Offset- oder Digitaldruck. Branchenkennern zufolge bleiben manche Druckereien bewusst vage, um je nach Auflage des Auftrages und Auslastung der Maschinen die eine oder andere Druckart frei wählen zu können.

Irrtumsanfechtung

Wovon soll nun ein Kunde wie Herr Enzinger ausgehen? Help-Jurist Sebastian Schumacher meint: "Wenn man sich die Webseite genauer ansieht, entsteht der Eindruck, dass man für seinen Druckauftrag einen Offsetdruck erhält. Zum Beispiel wird bei den häufig gestellten Fragen die Antwort gegeben, dass der Druck auf Bogenoffsetdruckmaschinen erfolgt. Hier kann es also keinen Zweifel mehr darüber geben, dass ein echter Offsetdruck geliefert wird." Wenn sich aber herausstellt, dass doch nur ein Digitaldruck geliefert wurde, was ein Fachmann leicht feststellen könne: "Dann..." - so der help Jurist - "...hätte ein Konsument das Recht auf Irrtumsanfechtung. Das hätte zwei Auswirkungen: Wenn er den Druck weiter behalten will, und dies auch für ihn vertretbar ist, dann würde das zu einer Preisminderung führen. Wenn aber die Offsetqualität gewünscht wurde und für den Konsumenten auch wichtig war, zum Beispiel beim Fotodruck, dann würde dies zu einer Rückabwicklung des Vertrages führen. Dann braucht ein Konsument eine Preisminderung nicht zu akzeptieren."

Die meisten Konsumenten kennen sich im Druckmetier nicht so genau aus. Umso mehr sind sie daher auf klare und eindeutige Angaben und Auskünfte angewiesen. Walter Enzinger hat seine Fotobücher jetzt von einer Druckerei drucken lassen, die ihm ganz genau erklärt hat, was er für sein Geld bekommt.

03.05.2014