Standort: help.ORF.at / Meldung: "Bekleidung: Luxuslabels nicht fairer als Billigmarken"

Vietnamesische Näherinnen in einer Textilfabrik

Bekleidung: Luxuslabels nicht fairer als Billigmarken

Dass Billigmarken, die ihre Kleidungsstücke um ein paar Euro verschleudern, bei der Produktion oft weder auf Klima- und Umweltschutz noch auf faire Arbeitsbedingungen achten, ist bekannt. Teure Luxus- und Premiummarken sind in dieser Hinsicht um nichts besser – behauptet die deutsch-niederländische Verbraucherorganisation Rank a Brand. Sie überprüft, ob und wie Unternehmen ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung nachkommen. Im jüngsten Bericht von Rank a Brand ist so ziemlich alles, was in der Modebranche Rang und Namen hat, als "nicht empfehlenswert" eingestuft.

Nachhaltigkeit

Die Verbraucherorganisation Rank a Brand ist ein gemeinnütziger Verein, der auf seiner Internet-Plattform Konsumenten darüber informiert, wie nachhaltig und transparent bekannte Marken verschiedenster Branchen produziert werden – vom Handy bis zum Bier, von Billigtextilien bis zu Mode-Luxuslabels.

Einstufungskriterien

Dabei geht Rank a Brand folgendermaßen vor: Zuerst wird mit Hilfe von Forschungsergebnissen, Experteneinschätzungen und „Best Practice“-Anforderungen ein branchenspezifischer Fragenkatalog erstellt. Dann versuchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Fragen anhand verfügbarer Informationen zu beantworten. Die Informationen werden den Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichten der Hersteller sowie Angaben auf ihren Homepages entnommen. Und Informationen finden sich auch in Berichten von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen und in Fachpublikationen, erläutert Mario Dziamski von Rank a Brand.

Zum Thema Klimaschutz , beispielsweise, wolle man schlicht die Veröffentlichung einer Klimabilanz sehen und darüber hinaus auch das Aufzeigen erreichter Emissionsreduktionen. Solche Klimabilanzen werden durch die Unternehmen selbst veröffentlicht, und zwar in Form von Klimabilanzen im Nachhaltigkeitsbericht, so Dziamski.

Kategorien von A bis E

Dabei zeige sich auch gleich, wie es Unternehmen mit der Transparenz halten. Werden keine Daten veröffentlicht, gibt es keine Punkte. Je nach Ergebnis werden die Produzenten dann in fünf Kategorien von A bis E eingestuft. Ein A gibt es für Hersteller, die mindestens 75 Prozent des Fragenkatalogs positiv beantworten können, ein E für Firmen, die unter 15 Prozent bleiben. Ausgerechnet bei den Luxus- und Premium-Modemarken finden sich massenhaft Einstufungen in der schlechtesten, der E-Kategorie. So gut wie alle großen Namen der Luxusmarken Europas, von Italien bis Frankreich, von Deutschland bis Großbritannien sind vertreten. Eine der ganz wenigen Ausnahmen: die Designerin Stella McCartney.

Firmen halten sich bedeckt

Die schlecht bewerteten Unternehmen werden zur Stellungnahme eingeladen, die Reaktionen hielten sich jedoch in Grenzen, sagt Dziamski. Daher liege für ihn die Vermutung nahe, dass sich die Unternehmen dieser Branche schlicht deswegen bedeckt halten, weil das in einem sehr starken Widerspruch zum Image der jeweiligen Marke stehe. Luxusmarken stehen für hochwertige und exklusive Produkte. Und das sei dann doch ein sehr starker Kontrast, dass sie mitunter sehr billig produzieren. Obwohl schlechte Einstufungen nicht gut fürs Image sind, ist Rank a Brand in seiner vierjährigen Tätigkeit noch nie geklagt worden. Mario Dziamski führt das auf die völlig transparente Arbeitsweise seiner Organisation zurück. Die Einstufung sei – von den Fragen bis zu den Ergebnissen - völlig offen und nachvollziehbar.

Schlechte Note für Hugo Boss

Die Modemarke Hugo Boss kommt bei Rank a Brand besonders schlecht weg: "Hugo Boss ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass sich Unternehmen aus dieser Branche sehr, sehr intransparent verhalten, auch uns gegenüber, und bis dato auch noch nicht auf unsere Arbeit reagiert haben", sagt Mario Dziamski. Und es ließe sich auch kein Interesse vermuten, das in naher Zukunft zu ändern. Hugo Boss erhalte in erster Linie deswegen eine schlechte Bewertung von Rank a Brand, weil sich das Unternehmen intransparent verhalte. Das beziehe sich sowohl auf den Klimaschutz und Umweltschutz als auch auf die Arbeitsbedingungen.

Hugo Boss: Neuer Bericht

Wir haben Hugo Boss und noch zwei weitere bekannte Marken, und zwar Max Mara und Bogner stellvertretend für die vielen anderen Modelabels zur Stellungnahme zu den schlechten Ergebnissen im Branchenranking eingeladen. Nur Hugo Boss hat geantwortet. Rank a Brand habe sich in seinem Report auf frühere Informationen auf den Hugo Boss-Internetseiten bezogen, heißt es in der E-Mail. Anfang Mai sei ein umfangreicher Nachhaltigkeitsbericht auf der Internetseite veröffentlicht worden. Man arbeite mit ausgewählten Partnern zusammen und achte darauf, dass Mindestlöhne gezahlt und Sicherheits- und Sozialstandards eingehalten werden. Man darf also gespannt sein, wie Hugo Boss im nächsten Ranking von Rank a Brand abschneidet.

Börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sollen übrigens ab 2017 EU-weit zur Berichterstattung über ihre Nachhaltigkeitsleistungen verpflichtet werden.

Unfaire Arbeitsbedingungen für Textilarbeiterinnen auch in Europa

Fair Wear Foundation überprüft Textilfabriken

Bangladesch: Textillöhne sollen angehoben werden

Greenpeace: Giftige Chemikalien auch in Markenkleidung

H&M-Chef will branchenweites Fair-Trade-Label für Kleidung

19.07.2014