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Smartphone in einer Hand

Funktioniert die Warnung vor Datenüberschreitung?

Mobile Datendienste können ganz schön ins Geld gehen. Mobilfunkrechnungen von mehreren hundert Euro waren keine Seltenheit. Vor allem junge Leute tappten oft in die Verbrauchsfallen. So sah sich schließlich die Telekom Regulierungs GmbH. gezwungen, per Verordnung für Warnungen an die Nutzer und eine Obergrenze für die Kosten zu sorgen. Ab 1. Mai 2012 war es so weit. Probleme kann es aber nach wie vor geben.

Internet

Böse Überraschung

Mit Videotelefoniediensten wie Skype kann man mit seinen Freunden zum Nulltarif in Kontakt bleiben, sogar von Angesicht zu Angesicht. Sandra C. hat das ausgiebig genutzt. Dann kam eine böse Überraschung, wie sie uns schrieb: "Mein Handytarif inkludiert ein Datenvolumen von einem Gigabyte pro Monat. Ich führte ein längeres Skype-Videotelefongespräch und bekam um 19.02 Uhr ein SMS, dass mein Datenvolumen überschritten worden sei. Um 19.22 habe ich die Skype-Verbindung beendet und auf die Gebührenanzeige geschaut. Sie lautete auf 582 Euro.

Nachdem sie diese hohe Summe in ihrer Online-Gebührenaufstellung gesehen hatte, fürchtete sich Sandra C. vor der nächsten Telefonrechnung und fragt sich, ob ihr eine solche Summe überhaupt verrechnet werden dürfe. Es gebe doch eine gesetzliche Obergrenze. "Ich habe einer Weiternutzung des Internets weder ausdrücklich noch aktiv zugestimmt, noch habe ich ein SMS über den Gebührenstand von 30 Euro bekommen. Ist es dem Mobilfunkbetreiber Telering nun erlaubt, eine so hohe Rechnung zu stellen?"

Spielraum bei Warnungen

Grundsätzlich ist es so: Die Kostenbeschränkungsverordnung gilt erstens nur für Mobilfunkverträge von Verbrauchern, nicht von Geschäftskunden, und zweitens nur für mobile Datendienste im Inland – egal ob die Dienste am Handy, Smartphone oder über das mobile Internet in Anspruch genommen werden. Bei Mobilfunk-Sprachverbindungen und SMS-Diensten gibt es also keine verordnete Kostenbeschränkung.

Die Verordnung sieht nun zwei Möglichkeiten vor, wie Nutzer vor dem Erreichen ihres Limits gewarnt werden müssen, erläutert Gregor Goldbacher von der Telekom Regulierungsbehörde RTR: "Entweder es wird vor Verbrauch des inkludierten Volumens gewarnt – das wird wahrscheinlich heißen, unmittelbar davor - oder der Nutzer, die Nutzerin muss bei Erreichen eines Entgeltstandes von nicht mehr als 30 Euro gewarnt werden." Die Warnung hat per SMS zu erfolgen und kann durch andere geeignete Maßnahmen, wie zum Beispiel durch das Umleiten auf eine Warn-Website verstärkt werden. Die aktuelle Datenverbindung wird im Regelfall nicht berücksichtigt, sagt der RTR Jurist: "Es ist nicht Voraussetzung, dass das auch in Echtzeit erfolgen muss. Das bedeutet, dass ich z. B. surfe, eine Verbindung aufrecht ist und es eine gewisse Zeit benötigt, bis der Betreiber in den eigenen Billing-Systemen errechnet, dass jetzt 30 Euro überschritten sind. D.h. die tatsächliche Warnung kann dann auch etwas später kommen.

60 Euro fix

Keinen Spielraum gibt es hingegen für den Mobilfunkbetreiber, wenn ein Limit von 60 Euro an „Überschreitungsentgelten“, wie es in der Verordnung heißt, erreicht wurde. Goldbacher: "Das Limit von 60 Euro ist ein scharfes Limit. Da kann sich der Betreiber auch nicht damit rechtfertigen, dass die Billing-Systeme zu langsam, zu träge sind und er das erst später mitbekommt, dass 60 Euro überschritten wurden. Da muss er wirklich scharf ein Limit setzen.

Wie er das macht, ist seine Sache. Er kann den Anschluss für die weitere Datennutzung sperren, die Bandbreite beschränken oder die Kunden ohne zusätzliche Kosten weitersurfen lassen. Die dritte Version hat Telering/T-Mobile im Fall von Sandra C. gewählt. Ihre Rechnung macht wegen der Überschreitung des Datenvolumens zwar mehr als 400 Euro aus, wird aber durch eine gleichzeitige automatische Gutschrift auf 60 Euro reduziert. Wobei 60 Euro Mehrkosten ja auch nicht so wenig sind.

13.09.2014