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Zahlschein mit IBAN und BIC

Kritik an hohen Stornospesen bei falscher IBAN

Bei Verwendung einer falschen IBAN, der seit August geltenden neuen und längeren Kontonummer, verlangen Banken laut Arbeiterkammer (AK) Stornospesen von bis zu 30 Euro. Kritik an diesen Spesen für Schreibfehler kommt nun auch vonseiten des österreichischen Pensionistenverbandes PVÖ.

Banken

"Die Banken müssen auf diese unverhältnismäßig hohen Zusatzgebühren verzichten", fordert Harald Glatz, Konsumentensprecher des PVÖ, am Montag in einer Aussendung. Besonders ältere Menschen hätten gerade jetzt in der Anfangsphase noch Schwierigkeiten mit der Umstellung von den bisherigen kurzen Kontonummern auf die deutlich längere IBAN. "Hier kann es durchaus passieren, dass es zu dem einen oder anderen 'Verschreiber' kommt", so Glatz.

"Bearbeitungsgebühr" statt Stornospesen

Offiziell ist es den Banken verboten, für Rückbuchungen aufgrund von nicht korrekt eingetragenen Kontodaten Spesen zu verlangen. Rechtlich gedeckt sind lediglich Kosten für eine schriftliche Mitteilung, dass die Einzahlung nicht durchgeführt werden konnte. "Hier haben sich einige Geldinstitute unter dem Deckmantel der 'Stornospesen' aber ein Schlupfloch gesucht. Diese angebliche 'Bearbeitungsgebühr' von bis zu 30 Euro ist aber absolut unverhältnismäßig hoch", kritisiert Glatz und fordert eine gesetzliche Regelung, falls die Stornospesen gängige Praxis werden sollten.

Die AK Wien hat bereits anlässlich der offiziellen Umstellung auf die neuen IBAN-Kontonummern per August dieses Jahres darauf hingewiesen, dass Banken bei Rückbuchungen und Überweisungen immer wieder teilweise hohe Spesen verrechnen. Und das, obwohl Rückbuchungen selbst nichts kosten dürfen. Nur für die Mitteilung oder die Wiedererlangung eines verloren gegangenen Geldbetrages dürfe ein kostenbasiertes Entgelt verlangt werden. Eine Bank verlangte laut AK 30 Euro "Stornospesen", weil das Empfängerkonto nicht mehr existierte.

Noch kostspieliger sind nicht durchgeführte Überweisungen im Nicht-Euro-Raum. Von 100 Euro, die eine Kundin laut AK für die Hochwasserhilfe nach Bosnien spenden wollte, blieben ihr nur 17,01 Euro übrig, weil die Überweisung trotz der richtigen IBAN- und BIC-Angabe schiefging und zurückkam: Der Name des Empfängers bei der Empfängerbank war nicht korrekt gewesen. Die Aufstellung der Bankspesen war zudem lückenhaft.

Spesen müssen im Vertrag stehen

Für Spesen bei nicht durchgeführten oder fehlgeschlagenen Überweisungen gilt, dass sie nur verrechnet werden dürfen, wenn sie im Kontovertrag im Detail vereinbart wurden und wenn es sich um einen Kundenfehler handelte, zum Beispiel, wenn das Konto nicht gedeckt war, so die Arbeiterkammer.

Laut Zahlungsdienstegesetz dürfen Spesen nur für die Mitteilung der Nichtdurchführung oder für die Wiedererlangung eines verlorenen Geldbetrages anfallen. Beliebige Bearbeitungsspesen ohne Aufschlüsselung dürfte es eigentlich gar nicht geben. Die Höhe der Spesen muss sich am tatsächlichen Aufwand ausrichten. "Bei automatisierten Prozessen ist höchst zweifelhaft, ob die Spesenhöhe dem Aufwand angemessen ist", so die AK.

Banken: Fehlerquote "verschwindend gering"

Die Bank Austria erklärte help gegenüber, für Tippfehler keine Spesen zu verrechnen. Sowohl beim Online-Banking als auch bei Überweisungen im Foyer könne man falsche IBANs identifizieren. In diesem Fall führe man keine Überweisung durch und informiere die Kunden, Spesen würden aber keine verrechnet. Die Häufigkeit solcher Tippfehler sei im Verhältnis zum gesamten Zahlungsverkehrsaufkommen verschwindend gering und habe sich seit Einführung von IBAN und BIC nicht erhöht.

Auch das elektronische Bankingsystem und die Überweisungsautomaten der Raiffeisen Landesbank NÖ-Wien erkennen laut Angaben der Bank eine falsche IBAN und akzeptieren den Überweisungsauftrag gar nicht. Bei Rückbuchungen aufgrund von Tippfehlern oder Verwechslungen würden jedenfalls keine Spesen verrechnet. Die Zahl der Belege mit falscher IBAN sei "in Relation zum Gesamtbelegaufkommen marginal". Anders sei die Lage bei Nachforschungsaufträgen durch Kunden, ob der Betrag beim Empfänger angekommen ist. In so einem Fall verrechne Raiffeisen für in Auftrag gegebene Nachforschung "selbstverständlich" Spesen, da hier mehrere Banken, oft auch Auslandsbanken, involviert seien und "umfangreiche Kommunikationsprozesse zwischen den Banken einsetzen, die erhebliche Ressourcen binden".

Laut Auskunft der Erste Group fallen ebenfalls keine Spesen an, wenn wegen falschem (d.h. nicht prüfrichtigem) IBAN eine Überweisung nicht durchgeführt werden kann. Bei Überweisungsaufträgen im Netbanking könne ein Auftrag mit einem falschen Empfänger-IBAN gar nicht durchgeführt werden. Dabei fallen für den Auftraggeber keine Spesen an, eine entsprechenden Info ergehe dabei auch kostenlos an den Auftraggeber.

Bei der Bawag PSK werden "derzeit aus Kulanz" keine Spesen für IBAN-Schreibfehler oder "alte" Kontonummer anstelle IBAN eingehoben, um Kunden eine Eingewöhnungszeit zu ermöglichen. Es gibt laut eigenen Angaben weder ein Entgelt für die manuelle Nachbearbeitung von durchgeführten Überweisungen, noch Spesen für die Verständigung über einen nicht durchgeführten Auftrag.

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15.09.2014