Standort: help.ORF.at / Meldung: "Mahnungen trotz gekündigten Vertrags"

Handy liegt auf Papierrechnung

Mahnungen trotz gekündigten Vertrags

Kündigt man seinen Handyvertrag, dann erwartet man sich eigentlich, dass die Firma nichts mehr vom eigenen Konto abbuchen kann. Was tut man also, wenn der Mobilfunkbetreiber trotzdem weiter Rechnungen schickt? Einem Kunden des Mobilfunk- und Internetanbieters bob ist genau das passiert. Als sich nach dem Inkassobüro auch noch die Rechtsanwälte von bob gemeldet haben, hat er die Help-Redaktion kontaktiert.

Mobilfunk

9,90 Euro im Monat, diesen Tarif hatte Herr W. mit dem Mobilfunkbetreiber bob, der Billigmarke der A1 Telekom, vertraglich vereinbart. Doch dem Kunden wurden immer wieder zusätzliche Beträge vom Konto abgebucht, schreibt er an die Help-Redaktion. Als er bei bob nachfragte, erklärte ihm eine Mitarbeiterin, dass er öfter in Frankreich anrufen würde - das verursache die Mehrkosten. Herr W. bestreitet das jedoch. Da bob seinen Einspruch nicht akzeptierte, kündigte er seinen Vertrag, zunächst per Email. Bob antwortete mit einer standardisierten Email: „Alles was wir für die Kündigung noch benötigen ist Ihre persönliche Unterschrift“

Kündigung mit eingeschriebenem Brief

Also schickte Herr W. die Mailvorlage unterschrieben und eingeschrieben per Post an die Telekom. Einige Tage später erhielt Herr W. erneut eine Nachricht von bob: „Alles was wir für die Kündigung noch benötigen ist die betroffene Rufnummer/Kundennummer“. Auch diese Nachricht beantwortete Herr W., schickte seine Rufnummer und erhielt folgende Antwort: „Lieber bob Kunde, danke für Ihr E-Mail. Nachrichten über diese E-Mail Adresse erreichen uns nicht mehr."

Bank kann Abbuchung nicht verhindern

Da Herr W. seinen Vertrag ordnungsgemäß beendet hatte, wollte er sich nicht weiter mit der Kündigung befassen, wie er weiter schreibt. Vorsorglich hatte er zur gleichen Zeit seinen bob-Abbuchungsauftrag bei der Raiffeisenbank storniert. Das war im April 2014.
Im Juni stellte Herr W. fest, dass die Telekom weiter von seinen Konto abgebucht hatte. Die Raiffeisenbank veranlasste eine Rückbuchung wegen Kundeneinspruchs. Dieser Einspruch hielt bis zum September, dann buchte die Telekom erneut ab. Die Bank teilte Herrn W. mit, dass sie dies leider nicht verhindern könnte und er kontrollieren müsse, ob diese Abbuchungen gerechtfertigt seien oder nicht.

Im Oktober meldete sich dann das Inkassobüro „infoscore austria gmbh“ bei Herrn W., das im Namen der A1 Telekom die ausgebliebenen Abbuchungsbeiträge forderte, inklusive Mahngebühren. Doch die im Betreff des Schreibens angeführte Rufnummer war Herrn W. unbekannt. Er kontaktierte also die Telekom. Dort erfuhr er von einem Mitarbeiter, dass es sich bei der unbekannten Nummer um einer Wertkarte handle. Herr W. hatte jedoch nie eine Wertkarte bei der Telekom beantragt.

Einspruch ignoriert

Der Einspruch des Kunden blieb unbeachtet. Stattdessen erhielt er weitere Mahnungen des Inkassobüros, mit dem Hinweis, dass eine sofortige Einzahlung des offenen Betrages von knapp 75 Euro die letzte Möglichkeit für eine außergerichtliche Lösung sei. Herr W. kontaktiere die Telekom erneut mit einem eingeschriebenen Brief.

Als Antwort erhielt der Kunde einen Kontoauszug und ein weiteres Schreiben, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass die Kündigung nicht mit seiner persönlichen Unterschrift versehen und deswegen ungültig sei. Aber man habe seine Rufnummer mittlerweile wegen der vielen offenen Rechnungen gekündigt.

Erst Inkassobüro, dann Rechtsanwälte

Im Februar dieses Jahres meldete sich dann ein Rechtsanwaltsbüro im Auftrag der Telekom. Darin wurde Herr W. darüber informiert, dass die Telekom seine Daten zwecks Bonitätsauskünften an eine Kreditauskunftei weitergibt. Dort könnten andere Telekommunikationsunternehmen Auskunft erhalten. "Ich könne dies nur vermeiden wenn ich der Zahlungsaufforderung vollständig und fristgerecht nachkomme. Das kommt einer Erpressung gleich", schreibt der Kunde weiter.

Herr W. kontaktierte daraufhin die Help-Redaktion und wir baten die Telekom um eine Stellungnahme in diesem Fall. Dort bedauert man die Fehler, die in der Kundenkommunikation passiert sind. Der Fall hätte nach dem Beschwerdeschreiben des Kunden "tatsächlich" intensiver überprüft werden müssen. Selbstverständlich kündige man den Anschluss - wie ursprünglich gewünscht - rückwirkend mit Mai 2014. Alle Rechnungen würden korrigiert, das gesamte Inkasso inklusive Spesen storniert. In der Stellungnahme heißt es weiter: "Das heißt Herr W. erhält alle Kosten, die wir falsch verrechnet haben, natürlich zurück. Wir möchten uns für die Unannehmlichkeiten und den Ärger mit einer Gutschrift von 30,- Euro auf sein Konto entschuldigen."

Probleme mit der Rufnummer

Als mögliche Erklärung führt die Telekom die Portierung der Rufnummer des Kunden an. Herr W. hat seine bob-Rufnummer zu einem anderen Netzbetreiber mitgenommen. Das war gleichzeitig mit der Kündigung des bob-Vertrags passiert. Da Herr W. bei der Kündigung seine "alte" Rufnummer angegeben hatte, haben die Mitarbeiter der Telekom seine Kündigung nicht durchgeführt. Einen Abbuchungsstopp durch die Bank konnte die Telekom in ihren Unterlagen nicht finden.

Herrn W. reicht diese Erklärung nicht aus: "Alte Menschen, Arbeiter, Emigranten, mehr als 50 Prozent der Bevölkerung können sich hier nicht zur Wehr setzen und bezahlen bevor sie geklagt werden". Herr W. hat angekündigt, eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft einzubringen.

28.02.2015