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Ein Mann zückt seine Kreditkarte zum Einkaufen im Internet.

Online-Flugbuchung wird zur Farce

Online-Flugportale locken Kunden gerne mit den billigsten Tickets. Ein Versprechen, das nicht immer der Wahrheit entspricht. Neben versteckten Gebühren lauert eine weitere Teuerungsfalle: Den Internet-Reisebüros gelingt es oft nicht, die Flüge zum ausgeschriebenen Preis bei der Airline zu buchen. In der Folge können die Tickets sehr viel mehr kosten. In einem Fall mit dem Anbieter fluege.de wurde eine solche Buchung nicht nur teurer, plötzlich war auch ein Storno unmöglich.

Flugreisen

Das Problem mit Internet-Reisebüros liegt auf der Hand: Wer dort nach günstigen Flügen sucht, kann die Tickets nicht direkt buchen. Die Online-Plattformen müssen den Preis zunächst bei der Fluglinie bestätigen. Kommt ihnen jemand anderer zuvor, ist das Angebot dahin und das Ticket kann dementsprechend teurer werden.

Erste Preiserhöhung akzeptiert

Genau diese Erfahrung hat die Studentin Mirjam U. gemacht. Da sie zuvor mit Buchungen bei solchen Reiseplattformen immer zufrieden gewesen war, hat sie auf fluege.de nach einem Tickt nach Brüssel gesucht. Prompt fand sie ein passendes Angebot. Doch kurz darauf erhielt sie eine Nachricht des Unternehmens, dass der Flug für sie teurer wird und zwar um 20 Euro.

Die 22-jährige Studentin ärgerte sich zwar, stimmte der Preiserhöhung dann aber zu. Einige Tage später erhielt sie erneut eine automatisierte Nachricht von fluege.de: "Das war die gleiche Email noch einmal, nur diesmal hatte sich der Preis um 50 Euro erhöht", sagt Mirjam U.

Beim zweiten Mal abgelehnt

Die Kundin wollte den Flug unter diesen Konditionen nicht buchen. Wie fluege.de in der Nachricht angegeben hatte, antwortete sie nicht. Auf diese Weise würde es zu keiner Buchung kommen.Aber, sie wollte wissen ob das Vorgehen des online-Anbieters zulässig war.

Deswegen kontaktierte sie die help-Redaktion. Rein rechtlich gab es kein Fehlverhalten von fluege. de. Wir baten das Unternehmen dennoch um eine Stellungnahme, da die tagelange Verzögerung der Buchung für die Kundin sehr unangenehm war. Die Pressestelle hat geantwortet: "Allein unser Portal vergleicht Flüge von über 750 Airlines weltweit und in Echtzeit. […] Leider kann es in Einzelfällen wie diesem auch zu nachträglichen Preiserhöhungen zwischen Buchungsanfrage und Ticketausstellung kommen, die jedoch immer die Zustimmung des Kunden bedürfen."

Vorgehen rechtlich zulässig

Da fluege.de selbst nur Angebote von Fluglinien einholt und man auf der Internetseite Flüge nicht direkt buchen kann, ist zwischen Reisebüro und Kundin kein Vertrag entstanden. Durch die verzögerte Preiserhöhung die Kundin allerdings Zeit verloren, um sich nach einem anderen günstigen Angebot umzusehen. Das wollte fluege.de nach der Anfrage der help-Redaktion wiedergutmachen und schickte Mirjam U. erneut ein Email.

"Sie haben geschrieben, dass sie sich kulant zeigen und nur die erste Teuerung verrechnen, die zweite Preissteigerung würde fluege.de übernehmen", schildert Mirjam U. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Studentin ihre Reisepläne jedoch längst geändert und einen anderen Flug gebucht. "Deswegen habe ich ihnen geschrieben, dass ich ihr Angebot sehr nett finde, aber nicht mehr benötige und sie mir mein Geld zurück überweisen sollen".

Fragwürdige Kulanz von fluege.de

Fluege.de hatte nämlich nicht gewartet, bis der Kundenservice Mirjam U. kontaktiert hatte. Sie haben den "kulanten" Preis für das nun fix gebuchte Ticket sofort von der Kreditkarte der Studentin abgebucht. Als die sich beschwerte, erhielt sie folgende Antwort von fluege.de: "Eine Rücknahme der Tickets sowie eine kostenfreie Stornierung sind auf Grund der zeitnahen Bearbeitung und Ihrer Anfrage an den ORF daher nicht mehr möglich."

Help bat fluege.de ihr ausgesprochen "kulantes" Verhalten zu erklären. Wir haben keine Erklärung dafür erhalten. Alles weitere wolle man direkt mit der Kundin klären.

Bis jetzt keine Stornierung

Das Unternehmen hat Mirjam U. bis jetzt keine kostenfreie Stornierung in Aussicht gestellt und beharrt auf der Buchung. Ein Verhalten, das wiederrum rechtlich nicht zulässig ist, erläutert die Juristin Barbara Forster vom Europäischen Verbraucherzentrum Österreich: "Es gibt keinen Buchungsauftrag. Dieser ersten Erhöhung hat die Kundin vor mehreren Wochen zugestimmt. Das Reisebüro muss davon ausgehen, dass die Dame den Flug mittlerweile woanders gebucht hat."

Mirjam U. hat fluege.de nun erneut eine Aufforderung geschickt, das Ticket kostenfrei zu stornieren und ihr den Betrag schnellstmöglich rück zu überweisen. Sollte das nicht passieren, wird sie rechtliche Schritte ergreifen: "Alles was ich mir wünsche, ist, dass mir das Geld zurücküberwiesen wird. Ich will diesen Flug nicht. Ich will nur das Geld zurück und das war's".

30.05.2015