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Nutzer mit Handy vor Notebook

Höhere Handytarife: Nur wenige wechseln Anbieter

Für 40 Prozent der Handynutzer haben sich die Preise in den letzten zwei Jahren erhöht. Nur 6,7 Prozent der Betroffenen wechselten jedoch deshalb den Anbieter, zeigt eine am Montag veröffentlichte Umfrage der Regulierungsbehörde RTR. Hauptgrund für fast 60 Prozent: Es gab keine günstigere Alternative.

Kommunikation

Gut ein Drittel der rund 2.000 Befragten empfand demnach die Preiserhöhung nicht als hoch genug, um sich einen anderen Anbieter zu suchen. Weitere Gründe für den Verzicht auf einen Anbieterwechsel waren hohe Wechselkosten und Schwierigkeiten bei der Mitnahme der Telefonnummer (je 16,1 Prozent), Vorteile des alten Kundenbindungsprogramms (13 Prozent) oder schlechte Netzanbindung anderer Anbieter (11,6 Prozent). "Vielleicht war den Kunden sehr bewusst, dass die Preise in Österreich nicht so hoch sind", kommentiert dies RTR-Geschäftsführer Johannes Gungl. Auch wenn es keinen aktuellen Preisvergleich gebe, könne man davon ausgehen, dass Österreich im internationalen Vergleich "im günstigen Bereich" liegt, so Gungl am Montag vor Journalisten.

Mehr Info für Wechselunwillige

Gegen die geringe Wechselrate wolle man Mobilfunkkunden künftig mehr Information bieten, kündigte die RTR an. Gungl verwies auch auf diverse Tarifrechner, die Mobilfunkkunden den Wechsel schmackhaft machen könnten.

Man sehe sich nun auch genauer an, wie Portierungen bei den einzelnen Anbietern ablaufen. Eine neue Regulierung sei hier denkbar.

VKI: Wechselaktion vorstellbar

Ähnlich wechselunwillig zeigten sich die Österreicher schon, was den Energieanbieter betrifft. Deshalb hatte der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hier zur Aktion "Energiekosten-Stop" aufgerufen, um Kunden beim Anbieterwechsel zu unterstützen. Eine ähnliche Wechselaktion für den Mobilfunkmarkt könne man sich grundsätzlich vorstellen, so der VKI auf Nachfrage. Konkret geplant sei derzeit aber nichts. Eine Umfrage unter den mehr als 260.000 Teilnehmern der ersten Energiekosten-Aktionsrunde (rund 22.800 Rückmeldungen) zeigte laut VKI zumindest grundsätzliches Interesse an Aktionen in anderen Bereichen auf. Am weitaus häufigsten sei der Wunsch geäußert worden, im Versicherungssektor eine Versteigerungsaktion durchzuführen. Mit deutlichem Abstand seien auch Telefongebühren und Treibstoffpreise genannt worden.

Festnetznutzung sinkt weiter

Die RTR-Erhebung belegt erneut die schwindende Bedeutung des Festnetzes fürs Telefonieren. Knapp 60 Prozent der Haushalte haben nur Handys zum Telefonieren, lediglich 2,8 Prozent haben ausschließlich Festnetz. 4,5 Prozent sind ohne Telefon, der Rest hat beides. Internetanschluss haben inzwischen 83,5 Prozent der Haushalte, wobei mehr als die Hälfte ADSL (also Kupferkabel), ein Drittel mobiles Breitband (ohne Smartphones) und ein knappes Viertel Kabelanschluss haben. Ein Drittel der Privatpersonen gab an, mobiles Breitbandinternet nur am Handy zu nutzen.

Ein Drittel surft, aber nicht zuhause

Wenn jemand jetzt zuhause keinen Internetzugang hat, dann will er auch keinen, gaben 78 Prozent der Befragten an. Als Grund für den Verzicht hieß es vor allem "brauche ich nicht" (41,7 Prozent) bzw. der Internetzugang wird woanders genutzt, etwa in der Arbeit (33,9 Prozent), man "habe keinen Computer" (23,5 Prozent) oder "kenne sich zu wenig damit aus" (16,1 Prozent). 12,5 Prozent gaben an, es sei ihnen zu teuer.

Anstieg von Social Media und Onlineshopping

Einen deutlichen Anstieg verzeichnet die Internetnutzung im Vergleich zu 2011 vor allem im Bereich der Sozialen Netzwerke sowie Twitter, Chats etc. Beliebter wurden auch Onlineshopping und -banking sowie Onlinespiele. Leicht gestiegen sind auch Teleworking und Internettelefonie.

"Roaming muss verschwinden"

Zu kürzlich bekannt gewordenen Gerüchten, die das geplante EU-weite Aus von Roaminggebühren wieder infrage stellen, wiederholte RTR-Chef Gungl: "Roaming wird und muss verschwinden." Die Regelung widerspreche dem freien EU-Binnenmarkt. Dass die Preise für Inlandskunden dann steigen werden, könne man nicht ausschließen, so Gungl weiter.

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01.06.2015