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Kreditkarten (MasterCard und VISA)

Kreditkarten-Diebstahl: Wer haftet?

Man sucht verzweifelt Auto und Wohnung ab, doch die Kreditkarte ist spurlos verschwunden. Jetzt ist Eile geboten, vor allem wenn ein Diebstahl in Betracht kommt. Die Bank beziehungsweise das Kreditkartenunternehmen haftet nämlich nur unter bestimmten Bedingungen für den entstandenen Schaden.

Kreditkarte

Wird einem die Geldbörse gestohlen, bemerkt man das meist ziemlich schnell. Wenn aber nur die Kreditkarte verschwindet, geht man wohl eher davon aus, sie nur verlegt zu haben. Genau das ist Herrn C. passiert. Laut Polizei ist er damit auf eine gängige Taktik von Betrügern hereingefallen. Denn so vergeht oft mehr Zeit, bis die Karte tatsächlich gesperrt wird.

Betrüger ließen Kreditkarte glühen

Am ersten April fand Herr C. seine Kreditkarte nicht mehr, zunächst glaubte er, sie in seinem Wochenendwohnsitz vergessen zu haben. Am fünften April bemerkte er, dass mit seiner Karte in verschiedenen Geschäften in Italien um mehr als 3.600 Euro eingekauft und sein Kreditrahmen vollkommen ausgeschöpft worden war. Also sperrte er seine Mastercard bei der Bank Austria. Die Haftung weist die Bank von sich. Herr C. habe "grob fahrlässig" gehandelt, so die Bank Austria in einer Stellungnahme: Der Kunde sei der ihn treffenden gesetzlichen Verpflichtung zur unverzüglichen Meldung des Verlustes der Karte nicht nachgekommen.

Bank: "Hätte verhindert werden können"

Die Bank Austria argumentiert, dass Herr C. die missbräuchliche Verwendung hätte verhindern können, deswegen habe nach umfassender Prüfung des Falles keine Basis für eine Refundierung gefunden werden können. Herr C. widerspricht dem Bescheid der Bank aber, denn er habe nicht grob fahrlässig gehandelt. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) gibt ihm Recht. "Hier liegt höchstens leichte Fahrlässigkeit vor und das würde bedeuten, dass der Schaden für den Kunden auf 150 Euro begrenzt wäre", sagt Klaus Schreiner, Finanzexperte des VKI. Ob grobe oder leichte Fahrlässigkeit vorliegt, sei allerdings eine gesetzliche Grauzone, denn die Banken beziehungsweise Kreditkartenunternehmen legten das zuständige Zahlungsdienstegesetz meist anders aus als die Konsumentenschützer.

VKI: "Nur leicht fahrlässig"

Schreiner schätzt das Verhalten leicht fahrlässig ein, weil Herr C. sich zum Zeitpunkt der Einkäufe nachweislich nicht in Italien befunden hat und seine Kreditkarte von ihm unterschrieben war. Die italienischen Geschäftsinhaber haben also eine gefälschte Unterschrift akzeptiert. Die Bank Austria beruft sich abermals auf den Fehler des Kunden, der seiner Verpflichtung, die Karte sperren zu lassen, nicht nachgekommen sei. Die Geschäfte, die die gestohlene Kreditkarte akzeptiert haben, treffe keine Schuld. "Der Händler hat gutgläubig auf die Gültigkeit der Kreditkarte vertraut und es ist nicht möglich zu prüfen, welche Unterschrift sich auf der Karte zur Prüfung für den Händler befunden hat", heißt es in der Stellungnahme.

Unterschrift kein Sicherheitsmerkmal?

Der Kunde hatte wiederum gutgläubig darauf vertraut, dass die Unterschrift auf seiner Kreditkarte ein Sicherheitsmerkmal darstellt. Diese Sicherheitsvorkehrung greift offensichtlich erst, wenn die Karte bereits gesperrt wurde und ohnehin nicht mehr akzeptiert wird, was die Unterschrift wiederum überflüssig macht. Im Fall von Herrn C. sieht die Bank jedenfalls keine Mitschuld der Händler, der VKI aber schon. Klaus Schreiner betont, dass die Händler entscheiden müssten, ob sie eine Kreditkarte prüfen und die Zahlung durchführen. "Der Kunde hat darauf keinen Einfluss und deswegen kann es nicht die Pflicht des Kunden sein. Damit kann man keine Haftung des Kunden argumentieren", erläutert Schreiner.

Auf Nummer sicher gehen

Um sich solche Probleme zu ersparen, empfiehlt der VKI den Verlust der Kreditkarte immer sofort zu melden, auch wenn die Möglichkeit besteht, dass die Karte nur verlegt wurde. Den Fall von Herrn C. wird ab jetzt die Rechtsabteilung des VKI übernehmen.
Eine Sicherheitsmaßnahme, die den Konsumenten einen Diebstahl schnell anzeigen kann, ist der SMS-Umsatzservice. Hier wird der Kreditkartenbesitzer über jeden Einkauf, im Geschäft oder im Internet, umgehend mit einer Nachricht informiert. Diesen Service bietet in Österreich derzeit allerdings nur die Erste Bank an. Bank Austria, Raiffeisen, PSK, Easybank und die Kreditkartenanbieter Card Complete und Paylife bieten an, die Kreditkartenumsätze jederzeit online aufrufen zu können. Aktiv informiert werden die Kreditkartenbesitzer bei diesem Service allerdings nicht.

Marlene Nowotny, help.ORF.at

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11.07.2015