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Radieschenbrot

Palmöldiät für Figur und Umwelt

Palmöl steckt in jedem zweiten Supermarktprodukt wie zum Beispiel in Margarine. Um Palmöl zu gewinnen, werden riesige Flächen Regenwald gerodet. Zurück bleiben irreparable Schäden im Ökosystem und Menschen, die oft brutal ihres Landes beraubt wurden. Michaela Knieli, Ernährungswissenschaftlerin bei der Umweltberatung, hat eine Woche die Palmöldiät ausprobiert.

Nachhaltigkeit

Kein Palmöl zu essen war nicht einfach. Schon beim Frühstück musste etwas umgestellt werden, denn das Müsli, das Michaela Knieli normalerweise isst, enthält Palmöl. "Ich habe stattdessen Haselnüsse gehackt und mit Haferflocken trocken in einer Pfanne geröstet. Das war wunderbar knusprig", erzählt die Ernährungswissenschaftlerin.

Essen "to go" kaum ohne Palmöl

Die Falle für Palmfett sei aber das Essen für unterwegs. Es sei schwierig gewesen, eine palmölfreie Jause zu kaufen. "Mir war bewusst, dass sehr viel Palmfett in Blätterteiggebäck und Plundergebäck ist, aber Margarine steckt auch in meinem Lieblingskipferl, dem mürben Kipferl", resümiert Kniele ihre Pleite in der Bäckerei.

Verzicht aus gesundheitlicher Sicht sinnvoll

Generell sei es nicht nur für den Schutz des Regenwaldes sinnvoll auf Palmöl zu verzichten, sondern auch für die Bikinifigur und aus gesundheitlicher Sicht, sagt Kniele. "Palmfett ist nicht empfehlenswert, denn es hat viele gesättigte Fettsäuren und die wirken sich nicht gut auf unseren Cholesterinspiegel und auf unsere Gesundheit aus."

Die Lebensmittelindustrie hingegen propagiert Palmöl. Sie argumentiert, dass sich Palmfett gut für die Lebensmittelproduktion eignet, weil dabei keine Transfettsäuren entstehen. "Palmfett hat bei Zimmertemperatur eine feste Konsistenz. Für die Produktion eines Nussaufstrichs muss es zum Beispiel nicht künstlich gehärtet werden", erklärt Knieli. Andere Öle müssten künstlich gehärtet werden und dabei entstehen die Transfettsäuren, die sich auch schlecht auf den Cholesterinspiegel auswirken.

Butter statt Margarine?

Stellt sich die Frage, ob Butter statt Margarine am Brot die Lösung ist. Palmfett durch Butter, Olivenöl oder Rapsöl zu ersetzen, mache keinen Sinn, meint Knieli. Vielmehr gehe es darum, weniger und bewusster Fett zu genießen. "Ich denke, es macht sehr viel Sinn auf fette Snacks zwischendurch zu verzichten." Manchmal muss aber auch ein Snack erlaubt sein.

Für den gemütlichen Fernsehabend auf der Couch war palmölfreies Knabbergebäck kaum zu finden, denn Palmfett ist in Salzstangen, -brezen, Keksen und Knusperflips. Knieli hat stattdessen selbst Grissini gebacken. Weniger aufwendig wären Chips, die in anderen Pflanzenölen gebacken wurden oder selbstgemachte Popcorn aus dem Topf.

Kaum Fertiggerichte ohne Palmöl

Das Kochen ohne Palmöl sei ihr leicht gefallen, sagt Knieli, denn sie hat keine Margarine im Haus. Doch so manche Idee für ein schnelles Essen in der Arbeit musste sie verwerfen. Besonders bei Fertig- und Tiefkühlprodukten sind selten palmölfrei. Eine Röstgemüsemischung aus dem Tiefkühlfach musste Knieli zurücklegen, denn in der Gewürzmischung steckt Palmfett als Geschmacksträger. Eine Bio-Tiefkühlpizza ohne Palmöl habe sie dann aber doch gefunden.

Kennzeichnung seit Ende 2014

Ob Palmöl in Produkten ist, können Konsumentinnen und Konsumenten seit Dezember 2014 gut prüfen. Denn seitdem gilt eine EU-weite Kennzeichnungspflicht. Demnach muss Palmöl namentlich auf den Produkten angeführt werden. Somit konnte Michaela Knieli ihre Einkäufe genau überprüfen. In der Kantine oder im Restaurant essen war während der Diät aber nicht möglich: "Das Fett, das in Großküchen in Kochcremes verwendet wird oder auf Bleche gespritzt wird, enthält Palmfett. Man kann auswärts nicht garantieren, dass man palmfettfrei isst."

Fazit: Zu Hause Palmölfrei

Nach einer Woche strenger Palmöldiät zieht die Ernährungswissenschaftlerin der Umweltberatung ein eindeutiges Fazit: Zu Hause wird sie weiterhin palmfettfrei essen, auswärts wird sie sich aber plagen. "Da werde ich in Zukunft auch noch umknicken, aber im eigenen Haushalt schaffe ich es ganz gut."

Veronika Mauler, help.ORF.at

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05.09.2015