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Ein Strauß roter Rosen

Parship: Zwei Wochen zum Preis von neun Monaten

Wie bei anderen Onlinegeschäften kann man bei Parship innerhalb der ersten 14 Tage vom Vertrag zurückzutreten. Allerdings will der Partnervermittler dafür bis zu drei Viertel der gesamten Jahresgebühr einbehalten – als so genannter Wertersatz für zustande gekommene Kontakte. Verbraucherschützer halten diese Praxis für unzulässig und gehen gerichtlich dagegen vor.

Vertrag

Ein Jahr lang Premium-Mitglied um 335 Euro – darüber hatte Friederike N. einen Vertrag mit dem Online-Partnervermittler Parship abgeschlossen. Nach zwölf Tagen nahm sie ihr Kündigungsrecht in Anspruch, weil ihr das System der Singlebörse nicht gefiel. Daraufhin Parship drei Viertel der Jahresgebühr einbehalten. Diese 251 Euro seien ein "Wertersatz" für bereits in Anspruch genommene Leistungen, sagt Parship. Während der Laufzeit waren elf so genannte Kontakte zustande gekommen, weil Frau N. die Partnervermittlung ja ausprobieren wollte, schildert sie: "Das heißt, ich schreibe jemanden an und der antwortet mir einmal. Damit ist ein Kontakt entstanden - egal, was der schreibt und ob es dann wirklich ein Treffen oder ein weiteres Hin- und Herschreiben gibt. Wenn ich jetzt nicht nur zwei Wochen zur Verfügung hab, sondern ein ganzes Jahr, dann kommen eben entsprechend mehr Kontakte zustande. Das ist Parship aber gleichgültig."

Was ist angemessen?

Sieben solcher Kontakte garantiert Parship seinen Premium-Mitgliedern im ersten Jahr. Laut Vertragsdetails hat man bei Widerruf wörtlich einen "angemessenen Betrag" zu zahlen, der den bereits erbrachten Dienstleistungen entspricht. Doch was angemessen ist, darüber herrscht Uneinigkeit. Friederike N. sieht zwar ein, dass Parship eine Gebühr für genutzte Leistungen verlangt - drei Viertel der Jahresgebühr sind ihr aber zu viel.

Verbraucherschützer sehen das ähnlich. Frau N. sei nicht die einzige, die sich über die Höhe des Parship-Wertersatzes beschwert, sagt Barbara Forster vom Europäischen Verbraucherzentrum. Dass ein Entgelt verrechnet werden darf, ist unbestritten, so Forster: "Die knifflige Frage dabei ist, wie sich dieses anteilige Entgelt berechnet. Parship richtet sich nach der Anzahl der bereits vermittelten Kontakte. Dadurch kommt man sehr schnell auf einen sehr hohen Betrag. Die andere Variante wäre, ich berechne das anteilige Entgelt nach der Dauer, in der ich die Dienstleistung genutzt habe. Denn wenn ich einen Vertrag auf ein Jahr abschließe und nach drei Tagen erkläre ich wieder den Rücktritt, habe ich das ja nur sehr kurz genutzt."

Verfahren anhängig

Deutsche Verbraucherschützer sind schon im vergangenen Jahr gerichtlich gegen Parship vorgegangen und haben in erster Instanz gewonnen. Parship hat Berufung eingelegt. Wann es ein rechtskräftiges Urteil geben wird, ist noch nicht absehbar. Bis dahin sollten betroffene Konsumenten einen zu hoch berechneten Wertersatz schriftlich beeinspruchen, rät Juristin Barbara Forster. Das Europäische Verbraucherzentrum bietet auch Hilfe an, wenn man gegen eine solche Rückerstattung intervenieren will, aber Forster meint auch: "Die Wahrscheinlichkeit, dass sich solche Fälle im Moment außergerichtlich klären lassen, ist nicht sehr hoch, weil Parship sich nicht ins eigene Fleisch schneiden möchte, solang dieses Verfahren anhängig ist." Ähnliche Probleme gebe es auch mit dem Online-Partnervermittler ElitePartner, so Forster.

Rückerstattung "aus Kulanz"

Auch gegenüber der Help-Redaktion bleibt Parship dabei: Man berechne den Wertersatz je nach den zustande gekommenen Kontakten. Hätte Frau N. keine Kontakte geknüpft, wäre selbstverständlich der volle Betrag retourniert worden. Aus Kulanz habe man Frau N. nun dennoch den kompletten Mitgliedsbeitrag rückerstattet.

Kristina Singer, help.ORF.at

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03.10.2015