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Verbotene Stoffe in Naturkosmetik

Bei einem Test von mehr als 500 Kosmetikprodukten aus Reformhäusern, Biogeschäften und Naturkosmetikabteilungen in Drogerien ist die Umweltorganisation Global 2000 auf Stoffe gestoßen, die in der EU mittlerweile verboten sind. Man habe deshalb die zuständigen Behörden informiert.

Körperpflege

Im Großen und Ganzen sind die Tester zufrieden mit dem Ergebnis ihres Tests, denn 317 der getesteten Produkte enthielten keine hormonell wirksamen Stoffe und andere synthetische Konservierungs-, Duft- oder Farbstoffe.

Chemie im Reformhaus

"Doch leider ist nicht alles, was in diversen Naturkosmetikprospekten oder -regalen von Reformhäusern angeboten wird, auch wirklich Naturkosmetik", sagt Helmut Burtscher, Umweltchemiker bei Global 2000. So habe man auch in Reformhäusern Produkte gefunden, "bei denen sich die Liste der Inhaltsstoffe wie ein Chemielexikon liest".

Negative Spitzenreiter seien die beiden konventionellen Körperpflegemarken Rausch und Dr. Grandel. Beide Hersteller führten Produkte, die die in der EU mittlerweile verbotenen Parabene Isopropyl- und Isobutylparaben enthalten. Konkret handelt es sich um die Produkte "Aufbauhaarkur -Kamillen Intensiv Care" und "Silberglanzspülung - Schweizer Salbei für graues und weisses Haar" von Rausch und "Men matt IQ regulierende 24h-Pflege" von Dr. Grandel. Man habe deshalb das Gesundheitsministerium und die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) informiert.

Rausch: "Stoffe werden nicht mehr verwendet"

Bei Rausch heißt es, die genannten Stoffe würden seit Oktober 2014 nicht mehr in der Produktion verwendet. Wegen der langen Haltbarkeit von mehr als 30 Monaten könne es aber sein, dass vereinzelt noch ältere Produkte, die diese Stoffe enthalten, im Handel erhältlich sind. Kosmetika mit einer Haltbarkeit von mehr als 30 Monaten müssen zudem kein Haltbarkeitsdatum aufweisen. Insofern könnten die Kosmetika mit den verbotenen Parabene noch länger erhältlich sein.

In einer weiteren Stellungnahme betont Dr. Grandel Kosmetik, Isobutylparaben sei seit 2014 nicht mehr im Einsatz, Isopropylparaben habe man nie in Verwendung gehabt. Es sei allerdings möglich, dass "dass vereinzelt noch ältere Faltschachteln auf dem Markt zu finden sind", eine sofortige Umstellung der Verpackungen sei nie gefordert worden.

Naturkosmetik nicht gesetzlich geschützt

Global 2000 kritisiert, dass es kein einheitliches Naturkosmetiklabel gibt. "Diese unübersichtliche Kennzeichnungssituation dürfte dazu beitragen, dass nicht wenige KonsumentInnen Produkte, die ein grünes Image pflegen, im falschen Glauben kaufen, es handle sich hierbei um Naturkosmetik, obwohl die betreffenden Marken bei genauerem Hinsehen auf synthetisch chemische Inhaltsstoffe keinesfalls verzichten."

Natürliches Image täuscht oft

Nur weil eine Marke ein Image der Naturnähe aufgebaut hat, heißt das noch nicht, dass es sich bei den Produkten wirklich um Naturkosmetik handelt. Beispiele seien die boomenden Marken wie Lush, Bodyshop, L'Occitane und Yves Rocher, so Burtscher. "Tatsächlich enthalten die Stichproben dieser Marken eine Vielzahl hormonell wirksamer Parabene und chemischer UV-Filter. Mit Naturkosmetik hat das nichts zu tun."

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19.02.2016