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Liebesschlösser

Online-Singlebörse als Abofalle

Flirten per Mausklick, ein spontanes Date via Smartphone - laut Umfragen nutzt inzwischen jeder dritte Single Online-Partnerbörsen für die Suche nach der großen Liebe. Doch die Dienste der Internet-Kuppler können schnell zur Kostenfalle werden. So wie im Fall von Help-Hörerin Simone R., deren Abo von der Onlinepartnervermittlung Parship ungewollt verlängert wurde.

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Nach längerem Überlegen entschied Hörerin Simone R. (Name von der Redaktion geändert) sich auf das Abenteuer Online-Partnerbörse einzulassen. Sie schloss im Juli 2015 eine sechsmonatige Premium-Mitgliedschaft für über 300 Euro bei Parship, nach eigenen Angaben Österreichs größter Partnerbörse, ab.

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Am Anfang sei alles "wahnsinnig spannend" gewesen, so R. "Man wird ziemlich bombardiert mit E-Mails." Doch der anfängliche Reiz verflog schnell, zu sehr ähnelten sich die Kontaktanfragen. Simone R. verlor das Interesse am Fließbandflirten im Internet und öffnete die E-Mails schließlich nicht mehr. Im Glauben das Abo laufe ohnehin bald aus, kümmerte sie sich nicht weiter um ihr Parship-Profil.

Abo gleich um ganzes Jahr verlängert

Ende Dezember dann der Schock. Simone R. erhielt eine Zahlungsaufforderung über 700 Euro Jahresgebühr für ihre verlängerte Premium-Mitgliedschaft, die sie allerdings nie aktiv bestellt hatte. Parship hatte ihr Halbjahresabo automatisch verlängert, und das gleich um ein ganzes Jahr.

Simone R. fragte bei Parship nach, warum sie nicht an die Kündigungsfrist erinnert wurde. Denn Verträge stillschweigend zu verlängern, ist verboten. Unternehmen müssen laut österreichischem Konsumentenschutzgesetz zu Beginn der Frist an die Möglichkeit der Kündigung erinnern. Und daran, dass sich der Vertrag verlängert, wenn nicht gekündigt wird.

Erinnerung war als solche nicht erkennbar

Parship erklärte, die Erinnerung an die Kündigungsfrist sei fristgerecht erfolgt. Bei genauer Durchsicht ihres Parship-Kontos stieß R. dann tatsächlich auf ein E-Mail vom genannten Datum. Schnell wurde klar, warum sie es übersehen hatte: In der Nachricht werde weder das Wort Kündigungsfrist, noch Vertragsverlängerung erwähnt.

Stattdessen ein unverdächtiger Betreff "Nachricht auf ihrem Profil", der jenen der vielen Kontaktnachrichten zuvor glich. Auch im gesamten Text des Mails fanden sich keine Hinweise. "Das Mail sah genau so aus wie diese Hunderten E-Mails die ich bisher bekommen hatte und die ich einfach nicht mehr angeschaut hab," so Simone R. gegenüber help.ORF.at.

Information erst über Link und Log-in zugänglich

Um zu erfahren, dass das E-Mail in Zusammenhang mit dem Ablauf ihrer Mitgliedschaft und der Kündigungsfrist steht, hätte R. erst einen Link in der E-Mail anklicken und sich dann in ihr Parship-Profil einloggen müssen. Dort wären dann die Information über die Kündigungsfrist zu finden gewesen. Im Fall von R. hätte sie bis Ende September – drei Monate vor dem Aboende -  kündigen müssen.

Nutzer zahlen, weil ihnen Situation peinlich ist

Im weiteren Mailwechsel bot ihr Parship an, auf die Hälfte der Forderung von rund 700 Euro zu verzichten, wenn sie den Betrag innerhalb einer Woche zahlt. "Ich gehe davon aus, dass die damit spekulieren dass den Menschen die Angelegenheit peinlich ist, schließlich ist das schon ein sehr sensibler Bereich. Da will man mit niemanden darüber reden," so Simone R.

Auch die Help-Hörerin zahlte schlussendlich. "Ich hab mir gedacht, dann zahl ich die 50 Prozent, Hauptsache die Sache ist vom Tisch. Aber ich gehe davon aus dass es ganz vielen Kunden so geht und dass das eigentlich nicht OK ist, so R.

Rechtsanwalt: "Sicherlich nicht ausreichend"

Nach Ansicht von Help-Rechtskonsulent Sebastian Schumacher ein klarer Fall. "Die Verständigung, die die Hörerin in diesem Fall bekommen hat, ist sicherlich nicht ausreichend," so Schumacher. "Notwendig gewesen wäre, dass die Konsumentin hier ein E-Mail erhält, in dem klipp und klar steht: Wenn sie innerhalb dieser Frist nicht kündigen, dann verlängert sich ihre Mitgliedschaft bei Parship."

Auch die Konsumentenschützer des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) sind alarmiert. Für den VKI ist die Parship-Praxis ebenfalls rechtlich so nicht zulässig. "Die Konsumenten werden mit diesem E-Mail unserer Meinung nach nicht korrekt informiert", so Reinhold Schranz vom europäischen Verbraucherzentrum Österreich im Gespräch mit help.ORF.at. Der VKI beobachte die Thematik genau.

Parship sieht gesetzliche Vorgaben erfüllt

Parship sieht sich hingegen im Recht. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärt der Konzern mit Sitz in Hamburg gegenüber help.ORF.at: "Alle Kunden, deren Vertrag sich verlängern würde, erhalten 14 Tage vor Ablauf der Kündigungsfrist ein persönliches E-Mail mit einem Link, der (nach Login zum eigenen Profil) direkt zu einer Infoseite mit ausführlichen Informationen über die Länge der Kündigungsfrist sowie dem letztmöglichen Datum der Kündigung führt."

Ob damit jene Mitglieder, die Parship nicht mehr nutzen und ihren Vertrag daher auch nicht verlängern wollen, gut erreicht werden können, ist fraglich. Denn genau diese Gruppe wird - wie im Fall von Simone R. - vermutlich nicht mehr regelmäßig in ihr Profil einsteigen und die dortigen Nachrichten abrufen.

Vetraulichkeit als Begründung

Für die Partnerbörse, die wie auch ElitePartners im Vorjahr von dem britischen Finanzinvestor Oakley Capital übernommen wurde, ist allerdings damit dem Gesetz Genüge getan. Auf die Nachfrage, warum die Nachricht so versteckt wird, dass sie leicht übersehen werden kann, erklärte Parship: "Da es sich bei den Informationen zum Vertrag um vertrauliche Inhalte handelt, sind diese erst nach dem Login im geschützten Mitgliederbereich für den Kunden sichtbar." Ob diese Vertraulichkeit das schwere Zugänglichmachen der Information selbst vor dem Empfänger rechtfertigt, bleibt allerdings offen.

Jurist rät zu Kündigung per Einschreiben

Um zu verhindern, selbst in die Flirt-Abofalle zu geraten, rät Rechtsanwalt Schumacher: "Die sicherste Variante ist immer noch eine Kündigung mit einem Einschreibbrief zu verschicken. Oder zumindest ein Fax mit einer Faxbestätigung." Knackpunkt sei nämliche die Nachweisbarkeit der Kündigung. Wer komfortabel per E-Mail kündigen will, sollte daher auf jeden Fall eine Bestätigung einfordern, dass die Kündigung angekommen ist und dass sie auch so angenommen wird.

Für Simone R. ist das Abenteuer Partnerbörse jedenfalls erst einmal abgehakt. "Diese unsaubere Sache am Ende ist für mich natürlich entscheidend dafür, dass ich das ganz sicher nie wieder anschaue und nichts mehr damit zu tun haben möchte", so R.

Beate Macura, help.ORF.at

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12.03.2016