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Bett mit Polster und Decke

Träumen von der idealen Matratze

Ob Kaltschaum-, Federkern-, Latex- oder Naturmatratze: Die Suche nach der idealen Schlafunterlage gleicht einer Wissenschaft. Nach dem dritten Probeliegen spürt man meist ohnehin keinen Unterschied mehr und die Verunsicherung steigt. Kein anderes Testergebnis wird bei der deutschen Stiftung Warentest öfter abgerufen. Für guten Schlaf seien aber andere Faktoren wichtiger, so Schlafforscher.

Gesundheit

Rund 50.000 Mal luden Konsumenten den Matratzentest der deutschen Stiftung Warentest allein im vergangenen Jahr herunter. Die richtige Matratze zu finden, ist sichtlich kein einfaches Unterfangen.

Günstige Matratzen oft gute Qualität

Der Preis einer Matratze sagt jedenfalls grundsätzlich nichts über die Schlafqualität aus. "Die beste von uns je getestete Matratze kostet 199 Euro", so Hans Peter Brix, seit mehr als 20 Jahren "Projektleiter Matratzen" bei der Stiftung Warentest, gegenüber help.ORF.at. Es handelt sich um das Modell mit dem klingenden Namen Bodyguard H3. Auch Rollmatratzen vom Diskonter schnitten bei den Tests teilweise besser ab als teure Modelle jenseits der 1.500 Euro.

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Matratze kein Wundermittel

Besonders Menschen mit Schlafproblemen setzen Hoffnungen in eine neue Matratze, der oft allerhand schlaffördernde Eigenschaften zugeschrieben werden. In der Schlafmedizin spielt die Matratze allerdings keine große Rolle. "Es gibt kaum Studien, die die verschiedenen Matratzentypen verglichen haben und in diese Bresche springen die Bettenverkäufer", sagt Gerhard Klösch, Schlafforscher an der Medizinischen Universität Wien. Matratzen seien jedenfalls kein Allheilmittel. "Einige unserer Patienten haben viel Geld für die optimale Schlafstätte ausgegeben und trotzdem schlafen sie nicht gut", so Klösch.

"Memory Effekt" nur für Bettlägrige

Besonders von den viel beworbenen Schaummatratzen mit "Memory Effect" hält der Schlafforscher wenig. Das Material, das sich durch die Körperwärme an die Körperform anpasst, eigne sich für bettlägrige Intensivpatienten in Krankenhäusern, die sich nicht wundliegen sollen. Für gesunde Menschen sei sie hingegen kontraproduktiv. "Manche dieser Matratzen lassen einen wie einbetoniert liegen", so Klösch.

Das dazugehörige Verkaufsargument, dass Bewegung in der Nacht ein Zeichen von Schlafstörungen sei, sei schlicht falsch. "Wir sollen uns im Schlaf bewegen und tun das auch häufig, um die Muskulatur zu entspannen", sagt der Schlafforscher. Die Memory-Matratze verhindere genau diese Muskelbewegungen.

Elektronik aus Schlafzimmer verbannen

Entgegen den Versprechen der Bettenindustrie sei eine teure Matratze nicht der Weisheit letzter Schluss. Der Schlafforscher empfiehlt vielmehr eine ruhige Gestaltung des Schlafzimmers. Haushalts- und Arbeitsgeräte wie Schreibtisch oder Bügelbrett sollten demnach nicht im Schlafraum untergebracht werden. Wenn in den eigenen vier Wänden nicht genug Platz für ein eigenes Schlafzimmer ist, sollten diese zumindest optisch vom Bett abgeschirmt werden, so Experte Klösch.

Licht, Lärm und Temperatur spielen laut dem Schlafforscher genauso eine Rolle, wie das Sicherheitsgefühl, das man etwa durch das Umstellen des Bettes in eine Ecke erhöhen kann. Außerdem sollte man den Schlafraum elektronisch abrüsten. "Viele haben im Schlafzimmer Fernseher, Handys, Tablets und Computer und beschäftigen sich bis spät in die Nacht damit. Das raubt mehr Schlaf als die Matratze", sagt Klösch.

Illustration zum Thema "Weltschlaftag am 15.03.2013": Zwei Paar Füße ragen am 19. März 2008 unter einer Bettdecke hervor

Die Experten raten, die Matratze selbst zu testen.

Sich beim Kauf einer Matratze aber allein auf Testergebnisse zu verlassen, sei keine gute Idee, räumt Produkttester Brix ein. So könne man jemanden, der stark schwitzt, auf einer Latexmatratze nicht gut betten. "Da staut sich die Wärme und es entsteht das Gefühl, im eigenen Körpersaft zu schlafen", so Brix. Diejenigen, die wiederum leicht frieren, würden sich nicht auf einer Taschenfederkernmatratze wohlfühlen, weil sie die Wärme sehr schnell ableitet. Deshalb plädiert Brix für das Probeliegen.

Probeliegen im Minutentakt wenig hilfreich

Probeliegen im Möbelhaus ist aber so eine Sache. Binnen zehn Minuten wälzt man sich auf mehreren Matratzen, immer beäugt von dem Verkaufspersonal, das einen mit Vokabeln wie Punktelastizität, Schlafsystem, Härtegrad oder Schlafklima beeindrucken will und ständig fragt, wie es sich so liegt. "Besser ist es natürlich, die Matratze mit nach Hause zu nehmen und ein paar Nächte auszuprobieren", räumt Brix ein. Auch Schlafforscher Klösch weiß von seinen Patienten, dass das Probeliegen im Geschäft wenig bringt.

Tipp: Manche Händler bieten Testschlafen zu Hause

Manche Händler bieten schon die Möglichkeit, Matratzen bei Nichtgefallen binnen einer gewissen Frist zu retournieren. Beim Möbelhaus Ikea kann man etwa 90 Nächte testschlafen, der Öko-Ausstatter Grüne Erde bietet eine 30-tägige Rückgabefrist. Die zurückgegebenen Matratzen würden an Hilfsorganisationen gespendet, heißt es gegenüber help.ORF.at. Das Dänische Bettenlager nimmt Matratzen nach einer Woche, aber nur original in Plastikfolie verschweißt, zurück. Bei Betten Reiter, Matratzen Concord, Leiner, Kika und Lutz gibt es in der Regel kein Testschlafen zu Hause.

Drehen, wenden, lüften, waschen

Wer die richtige Matratze gefunden hat, solle sie aus hygienischen Gründen gut belüften, sind sich Brix und Kläsch einig. "Immerhin schwitzen wir pro Nacht im Schnitt einen halben Liter", so der Schlafforscher. Damit die Feuchtigkeit entweichen kann, rät Brix, regelmäßig die Bettdecke aufzuschlagen und nicht gleich das Bett machen. "Wenn man einen Bettkasten hat, sollte man die Matratze alle paar Monate aufrecht hinstellen, dass auch an die Unterseite Luft kommt", so der Matratzenexperte der Stiftung Warentest.

Die Matratze von unten zu belüften sei auch die wichtigste Eigenschaft des Lattenrostes. Deshalb seien Matratzenschoner, die zwischen Lattenrost und Matratze platziert werden, kontraproduktiv. "Sie können sogar zu Schimmelbildung führen", so Brix. Für eine lange Lebensdauer sorgt regelmäßiges Drehen und Wenden, denn so nutzt sich die Matratze gleichmäßiger ab. Wichtig ist auch, die Matratzenbezüge regelmäßig zu waschen, denn sonst überlässt man den Hausstaubmilben das Feld.

Veronika Mauler, help.ORF.at

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12.03.2016