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Palmen am Sandstrand

Reisen verkaufen statt teuer stornieren

Viele buchen derzeit ihren Sommerurlaub. Bis zum Reiseantritt kann aber noch einiges passieren. Die wenigsten wissen, dass man eine Reise nicht stornieren muss, sondern das Recht hat, Ersatzreisende zu nennen. Einige Onlineportale haben sich auf den Weiterverkauf von Secondhandreisen spezialisiert.

Urlaub

Die Möglichkeit, Pauschalreisen an Dritte zu übertragen, besteht bereits seit 1994. Damals wurde die europäische Pauschalreiserichtlinie umgesetzt. Dass viele Konsumenten nicht über ihr Recht Bescheid wissen, liegt wahrscheinlich auch daran, dass Reiseveranstalter nicht dazu verpflichtet sind, sie darauf hinzuweisen. "Die Reisebüros sagen das oft nicht dazu, aber man kann die Reise jeder Person übertragen, die die nötigen Voraussetzungen, wie etwa ein Visum, erfüllt", sagt Maria Semrad vom Europäischen Verbraucherzentrum Österreich (EVZ).

Für die notwendige Namensänderung dürfen die Reiseveranstalter nur eine geringe Gebühr verlangen. Sollten aber Mehrkosten anfallen, können auch diese übertragen werden. Solche Mehrkosten können etwa beim Weiterverkauf einer Pauschalreise anfallen, wenn sie Flüge inkludiert, denn die Fluggesellschaften fordern je nach Tarif und Bedingungen saftige Gebühren für Namensänderungen. Bei günstigen Flügen fallen sie manchmal höher als der Ticketpreis aus.

Geschäftsmodell Secondhandreise

Portale wie Stornopool.de, Jumpflight.de und Tradeyourtrip.de sehen im Weiterverkauf von stornierungsgefährdeten Pauschalreisen ihr Geschäftsmodell. Sie verlangen entweder Provision für die Vermittlung oder eine Gebühr für das Veröffentlichen einer Reise. Noch scheint das Geschäftsmodell wenige User anzuziehen, denn einige Portale, wie das Start-up Retravel.de, sind mittlerweile wieder offline. "Solange diese Plattformen nicht wirklich bekannt sind, würde ich zur Vorsicht raten", so die Reiserechtsexpertin. Sie rät Konsumenten, gut abzuwägen, da es keine Garantie dafür gebe, dass die Reise tatsächlich verkauft wird. Wer bis kurz vor Reiseantritt auf einen Verkauf hoffe, nehme das Risiko, letztlich die maximale Stornogebühr zu zahlen, in Kauf.

Gegen Eigeninitiative spricht aber nichts. Solange die Stornogebühr noch gering ist, kann man mit wenig Risiko versuchen, die Reise in Kleinanzeigen anzubieten oder sie seinen Freunden via Social Media anzupreisen.

Storno nur bei Schaden für Reisebüro gerechtfertigt

Rund 2,35 Milliarden Euro setzen die heimischen Reiseveranstalter jährlich mit Pauschalreisen um, heißt es beim österreichischen Reiseverband. Man schätze, dass fünf Prozent aller Reisen storniert werden, genaue Zahlen habe man nicht. Die Secondhandreiseportale im Internet argumentieren, dass die Reiseveranstalter mit Stornos derzeit ein gutes Geschäft machen, indem sie stornierte Reisen noch einmal verkaufen und ein zweites Mal daran verdienen.

Dabei sei die Stornogebühr nur gerechtfertigt, wenn der Reiseveranstalter die Reise nicht mehr anbringt, sagt Semrad. "Eine Stornogebühr ist ein pauschalierter Schadenersatz, der nur zu leisten ist, wenn dem Unternehmer tatsächlich ein Schaden entsteht." Das nachzuweisen, ist für Konsumenten aber nicht einfach.

Manche würden zufällig davon erfahren, dass ihre Reise weiterverkauft wurde, weiß die Expertin aus der Beratung. So habe eine Konsumentin, die wegen einer Krebserkrankung erst eine Hotelbuchung storniert hatte, später doch ein Zimmer in dem Hotel buchen wollen. Doch bei der erneuten Buchungsanfrage sei der Frau mitgeteilt worden, dass kein Zimmer frei sei. Das Zimmer war inzwischen also erneut vergeben worden. "Die Konsumentin sollte aber trotzdem die Stornogebühr bezahlen, und das ist nicht rechtens", so Semrad.

Tipp: Testbuchen und Storno zurückholen

Je früher man storniert, desto wahrscheinlicher ist es in der Regel, dass der Reiseveranstalter die Reise noch verkaufen kann. Um das heraufzufinden, rät Semrad, kurz vor dem Reisedatum eine Testbuchung zu machen. Ist die Reise nicht mehr erhältlich, sollte man diese Information sichern, zum Beispiel mit einem Screenshot. In einem eingeschriebenen Brief könne man sich dann an den Reiseveranstalter wenden und darin das zu viel bezahlte Geld zurückfordern. Rechtlich liegt die Beweispflicht dann beim Reiseveranstalter. Er müsste also beweisen, dass die Reise nicht verkauft werden konnte.

Veronika Mauler, help.ORF.at

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19.03.2016