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Frau benutzt Lippenpflegestift

Weiter Kritik an Mineralöl in Lippenpflege

In Lippenpflegestiften und anderen Pflegeprodukten sind erneut Stoffe aus Mineralöl gefunden worden. Diese stehen im Verdacht krebserregend zu sein. Verbraucherschützer sind alarmiert, die Hersteller sehen keinen Grund zur Besorgnis.

Wirtschaft

Bei insgesamt neun von 31 untersuchten Produkten wurden aromatische Kohlenwasserstoffe aus Mineralöl (MOAH) nachgewiesen, wie das deutsche Verbraucherschutzministerium Nordrhein-Westfalens mitteilte. Es hatte die Studie in Auftrag gegeben. Fünf der belasteten Kosmetika sind demnach vor allem Lippenpflegeprodukte.

Studie: Jede Frau isst drei Kilogramm Lippenstift

Gerade weil diese Produkte über den Mund in den Körper gelangen, sind die Anforderungen an die Sicherheit bei Lippenpflege besondres hoch. Die Kosmetikfirma Raw Natural Beauty hat vor ein paar Jahren ausgerechnet, dass jede Frau in ihrem Leben rund drei Kilogramm Lippenstift isst. Der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der Europäischen Kommission geht davon aus, dass Konsumenten bei sechsmaligem Auftragen täglich 57 Milligramm des Lippenstifts pro Tag aufnehmen.

Bisher kein Grenzwert festgelegt

"Solche Stoffe gehören einfach nicht in Pflegemittel", so der zuständige Verbraucherschutzminister gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schließe nicht aus, dass in MOAH krebserregende Verbindungen enthalten seien. Einen MOAH-Grenzwert für Kosmetika gibt es nicht.

Die neuen Analysen decken sich mit Ergebnissen einer Untersuchung der Stiftung Warentest von Mai 2015. Das BfR hatte den Herstellern damals empfohlen, den MOAH-Gehalt zu minimieren, was technisch auch möglich sei. "Der Rücklauf, wie diese Empfehlung in der Praxis umgesetzt wird, steht noch aus", teilte das BfR mit.

Hersteller sehen kein Gesundheitsrisiko

Die Hersteller selber sehen keinen Grund für Änderungen. "Mineralöle in kosmetischen Mitteln sind sicher. Sämtliche in Kosmetika eingesetzten Mineralöle haben Pharmaqualität", so der deutsche Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW). Es gebe kein gesundheitliches Risiko. "Daher besteht auch kein Grund für eine Umformulierung der Produkte." Das BfR hatte im Mai allerdings mitgeteilt, dass bei Lippenstiften eine abschließende Risikobewertung durch fehlende Daten erschwert werde.

Durchgeführt wurde die jetzige Untersuchung vom chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Münster (Bundesland NRW). Geprüft wurden unter anderem 25 Lippenkosmetika, bei fünf von ihnen lag der MOAH-Wert über der Nachweisgrenze.

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21.03.2016