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Energie-Label, Energieklasse "B"

Elektrogeräte brauchen mehr Strom als angegeben

Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Leuchten und Fernseher verbrauchen oft deutlich mehr Strom als von den Herstellern angegeben. Dies ergab eine Untersuchung europäischer Verbraucherverbände. Der tatsächliche Bedarf übersteige die gesetzlichen Vorgaben um bis zu 30 Prozent.

Energie

"18 von 100 Geräten hielten die EU-Effizienzvorgaben nicht ein. Einige benötigten bis zu 30 Prozent mehr Strom als angegeben", so Energieexpertin Johanna Kardel vom deutschen Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), der an der Untersuchung beteiligt war. Getestet wurden Stichproben aus 20 Gerätegruppen, berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

WLAN-Vernetzung als Stromfresser

Erhebliche Mängel wurden etwa bei modernen Haushaltsgeräten mit WLAN-Funktion und beim Standby-Verbrauch festgestellt. Eines von drei Produkten hatte die WLAN-Funktion standardmäßig aktiviert. Bei einem vernetzten Wasserkocher konnte diese Funktion trotz Herstellerangaben nicht ausgeschaltet werden. Ein vernetzter Kühlschrank verbrauchte bis zu 12 Prozent mehr Energie als angegeben.

"Die Stichprobe macht deutlich, dass viele Hersteller gesetzliche Vorgaben missachten und umgehen“, so Kardel weiter. Durch die falsche Kennzeichnung gehen den Haushalten nach Angaben der Verbraucherschützer europaweit jedes Jahr mehr als zehn Mrd. Euro an möglichen Einsparungen verloren.

Hersteller schöpfen Fehlertoleranzen aus

Erst im Dezember war bekanntgeworden, dass der Stromverbrauch und die Leistung von Lampen häufig von den Angaben auf der Verpackung abweichen. Die EU-Kommission führte das darauf zurück, dass Hersteller teils erlaubte Fehlertoleranzen ausschöpfen, und kündigte eine Überarbeitung der entsprechenden Richtlinie an.

Bis zu 25 Prozent falsch deklariert

Die Ökodesignrichtlinie schreibt grundsätzlich vor, wie bestimmte Produkte zu gestalten sind, damit die Umwelt entlastet wird. Die letzte Überarbeitung trat im September 2015 in Kraft, allerdings ohne das Problem mit den Messtoleranzen zu beseitigen. Auch in anderen Produktkategorien gibt es nach wie vor hohe Messtoleranzen, die angesichts moderner Messtechnik nicht mehr zeitgemäß sind. Die EU-Kommission schätzt, dass zehn bis 25 Prozent der Geräte im Haushalt nicht ihrer angegebenen Effizienzklasse entsprechen. Dazu zählen etwa Klimaalangen, TV-Geräte, Waschmaschinen, Staubsauger und Geschirrspüler.

Energiekennzeichnung wird einfacher

Bereits in Überarbeitung ist das für Konsumenten teils verwirrende Energielabel verschiedener Haushaltsgeräte. Denn der tatsächliche Energiebedarf von Haushaltsgeräten ist mit der derzeitigen Kennzeichnungspraxis nur noch schwer einzuschätzen. Eine Vereinfachung ist dringend nötig.

Die Einteilung in die Effizienzklassen „A+++“ bis „G“ sei nicht so eindeutig, wie es die verwendete Farbskala nahelege, so die Kritik. Die Vielzahl der Kategorien stellt die Käufer vor Rätsel. Galt früher Klasse „A“ als sehr gut, ist diese Kennzeichnung heute nicht mehr viel wert. Inzwischen gibt es die Zusatznoten „A+++“, „A++“ und „A+“ für die sparsamsten Modelle.

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22.03.2016