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Einkaufswagen gefüllt mit Lebensmitteln

Kritik an "gesundem Anstrich" für Lebensmittel

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert irreführende Werbung mit Vitaminen bei vielen Lebensmitteln. Für winzige Cent-Beträge würden Hunderten Produkten künstlich Vitamine zugesetzt, um ihnen einen gesunden Anstrich zu verpassen, so Foodwatch-Expertin Michaela Kruse.

Lebensmittel

Obwohl auf der Verpackung mit Vitaminen geworben wird, seien in einer eigenen Untersuchung 190 von 214 Produkten zu süß, zu salzig oder zu fett gewesen.

Das sei etwa bei Fruchtgummis, Energydrinks und Milchgetränken der Fall gewesen. Foodwatch bezieht sich in seiner Kritik auf Kriterien, die die Weltgesund-
heitsorganisation (WHO) in Europa Anfang 2015 für eine ausgewogene Ernährung vorgestellt hat. Dabei geht es etwa um Anteile von Fett, Zucker oder Salz. Die WHO-Grenzwerte gelten allerdings für Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet. Übergewicht und Adipositas sollten damit verhindert werden. Die Standards sind sehr streng. Danach darf zum Beispiel Saft gegenüber Kindern gar nicht beworben werden. Milchgetränke sollen einen Anteil von 2,5 Gramm Fett pro 100 Gramm nicht überschreiten.

Grenzwerte für Gesundheitsbotschaften gefordert

Seit 2012 gilt in der EU eine Liste mit erlaubten gesundheits-bezogenen Aussagen ("Health Claims"), die zugelassen und wissenschaftlich fundiert sein müssen. Foodwatch und Verbraucherschützer fordern darüber hinaus eine gesetzliche Regelungen, die sogenannte Nährwertprofile einführen. Damit würden Grenzwerte etwa für Fett, Zucker oder Salz festgelegt, die sich an den WHO-Kriterien orientieren. Nur Lebensmittel, die diese Werte nicht überschreiten, sollten demnach mit Gesundheits- botschaften beworben werden dürfen.

Verbraucherschützer kritisieren Übertreibungen

Lebensmittel mit versprochenem Extra-Nutzen für die Gesundheit stehen bei Verbraucherschützern schon seit längerem in der Kritik. Der deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) monierte 2015 nach einer Stichprobe, dass gesundheitsbezogene Aussagen teils über die EU-weit erlaubten Formulierungen hinaus verstärkt würden. Hinweise wie "ungesüßt" würden oft missverstanden. Produkte mit viel Zucker und Fett sollten nicht mit Gesundheitsbezug beworben werden dürfen.

Industrie weist Vorwürfe zurück

Der deutsche Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) wies den Vorwurf der Irreführung zurück. Verbraucher könnten die genaue Zusammensetzung eines Produkts stets in der Zutatenliste nachlesen, die auf der Verpackung aufgedruckt sei, teilte BLL-Chef Christoph Minhoff mit. Hersteller könnten deshalb gar nicht mit zugesetzten Vitaminen über den eigentlichen Inhalt hinwegtäuschen.

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05.04.2016