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Teure Pensionistenausweise aus dem Netz

Mit dem wohlverdienten Ruhestand öffnet sich für Pensionisten die Welt der Seniorenrabatte. Das macht sich ein Salzburger Geschäftsmann zunutze. Er verkauft via Internet kurzerhand eigene „Pensionistenausweise“ und lockt mit Ermäßigungen im In- und Ausland. "Reine Abzocke" so Seniorenvertreter gegenüber help.ORF.at. Der echte Pensonistenausweis sei ohnehin gratis.

Irreführung

Auf einer ganzen Reihe von Websites mit klingenden Namen wie Seniorenausweis.com und Pensionistenausweis.at bietet der Salzburger Peter Url seine selbst entworfenen Fantasieausweise zum Preis von 29 Euro pro Jahr an. Den Käufern werden vage „viele Vergünstigungen im In- und Ausland“ versprochen - ohne Details zu nennen. "Was da passiert ist eine Sauerei", so Harald Glatz, Konsumentenschutzsprecher des Pensionistenverband Österreichs (PVÖ). Interessenten könnten sich vor einem Kauf nicht informieren, was eigentlich die Vorteile des Ausweises seien.

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Wirre Rabattversprechen

Auch die Redaktion von help.ORF.at hat versucht den Salzburger Geschäftsmann persönlich zu kontaktieren, um zu erfahren, welche Leistung für die Kartengebühr von 29 Euro geboten wird. Geschäftsmann Url war für die Redaktion jedoch weder per Telefon noch per E-Mail zu erreichen. Also bleibt nur das genaue Durchforsten der verschiedenen Websites des Salzburgers. Dabei zeigt sich: Obwohl Url offenbar bemüht ist, bei dem Design der Internetseiten einen amtlichen Eindruck zu erwecken, wirken die Texte bei genauerem Hinsehen wirr und wahllos zusammenkopiert.

Die Pensionistenausweise des Salzburgers Peter Url
Die Pensionistenausweise des Salzburgers Peter Url

Auf einer Website ist schließlich von Fünf-Prozent-Gutscheinen die Rede, allerdings nur für zwei Onlineshops aus Salzburg: einen Onlineshop für gebrauchte Golfbälle und Urls eigener Online-Eintrittskartenverkauf. Überregionale oder, wie versprochen, gar europaweite Rabattangebote sucht man auf den Internetseiten vergeblich. "Die Vorteile sind faktisch null. Man bezahlt einen doch nicht unbeträchtlichen Beitrag und bekommt dafür nichts," so Seniorenvertreter Glatz.

Weitere Ausweise im Angebot

Der umtriebige Salzburger nutzt offenbar seit Jahren sehr geschickt eine rechtliche Grauzone und das nicht nur mit nachgemachten Pensionistenausweisen. Auch selbst gestaltete Presseausweise verkauft er über die Websites Presseausweis.ag und Presse.ag. "Presseausweis-Inhaber gehören zum elitären Kreis der Presse-Repräsentanten. Lassen Sie sich die vielen Vorteile nicht entgehen. Journalisten profitieren von vielen weiteren Vorteilen, welche sich kaum in Geld bemessen lassen, deswegen aber nicht minder interessant sind", so Url auf der Website. Welche Vorteile genau gemeint sind, verrät er nicht.

"Polizeivignetten": Polizei prüft rechtliche Schritte

Desweiteren finden sich offiziell aussehende Pickerl mit „Polizei“-Schriftzug (Url nennt sie "Polizeivignetten") im Ausweis-Portfolio des geschäftstüchtigen Salzburgers. Für den Verkauf dieser hat sich Url die seriös klingende Internetadresse Polizei.com gesichert. Auch auf Polizei.ag bietet er sie an. Mit dem Kauf werde man Mitglied im von Url selbst gegründeten Verein der "Freunde der Polizei" mit Sitz in Grödig (Bezirk Salzburg-Umgebung), und profitiere von den Vorteilen, steht es auf der Website. Wieder ist unklar, welche Vorteile genau gemeint sein könnten.

Man kenne die Geschäftstätigkeit von Url und prüfe derzeit rechtliche Schritte, so die Salzburger Polizei auf Nachfrage von help.ORF.at. Der in Wien ansässige Verein der „Freunde der Wiener Polizei“ erklärte, bisher nichts von den erfundenen Polizeipickerln gewusst zu haben. Man selbst habe keine derartigen Aufkleber als Erkennungszeichen, auch bringe die Mitgliedschaft im Verein keinerlei Vorteile mit sich, im Gegenteil die Vereinsmitglieder unterstützten verschiedene Polizeiprojekte und Polizisten in Not finanziell.

Screenshot der Website Polizei.com
Auf dieser Website bietet Url "Polizeivignetten" an

Tipp: Geld zurückholen

Obwohl das Geschäftsgebaren offensichtlich unseriös ist, fehlt die juristische Handhabe. Getäuschte Kunden können aber zumindest auf die Rückerstattung ihres Geldes hoffen, so der Experte für Online-Handel, Thorsten Behrens vom Internetombudsmann, einer kostenlosen Streitschlichtungs- und Beratungsstelle für Onlinegeschäfte. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man im Fall einer Beschwerde sein Geld zurück bekommt. Ich denke, der Betreiber weiß genau, dass er in soeiner Grauzone agiert und nicht wirklich eine Leistung erbringt. Wenn das vor Gericht gehen würde, dann wäre sein Geschäftsmodell wahrscheinlich kaputt, deswegen ist er da sehr kulant und gibt das Geld auch zurück",so Behrens gegenüber help.ORF.at.

Wie unterscheidet sich nun der nachgemachte vom echten Pensionistenausweis? Rein optisch haben die Ausweise bis auf den Namen nichts gemeinsam. Die Salzburger Eigenkreation ist aus Hartplastik und deutlich farbenfroher als das Original. Sie wird in zwei Varianten angeboten: dem vermeintlichen „österreichischen Pensionistenausweis“ in Rot und noch origineller, dem selbst erfundenen „Europäischen Pensionistenausweis“ in Blau.

Der offizielle Pensionistenausweis der Pensionsversicherungsanstalt
Der offizielle Pensionistenausweis ist kostenlos

Der offzielle Ausweis ist grau und gratis

Ganz anders der offizielle Pensionistenausweis der Pensionsversicherungsanstalt (PVA). Er ist grau mit dem Original-PVA-Logo in Blau links oben. Auf der Papierkarte sind Name, Geburtsdatum und der Vermerk der Gültigkeit, vermerkt. Anfordern oder gar bezahlen muss man den Ausweis nicht, erklärt Christina Ochsner, PVA-Pressesprecherin im Gespräch mit help.ORF.at. Er wird einem nach der Pensionierung automatisch zugeschickt.

"Mit der Zuerkennung der Pension bekommen Pensionisten zunächst einen vorläufigen Pensionistenausweis in Papierform. Bei der nächsten Pensionserhöhung, meistens Anfang Jänner, bekommen Pensionisten dann einen Pensionistenausweis in folierter Form. Der Pensionistenausweis kostet nichts, sie bekommen ihn automatisch und kostenlos zugesandt", stellt Ochsner klar. Wer seinen Ausweis verloren hat, könne einfach einen neuen anfordern - ebenfalls gratis.

Beate Macura, help.ORF.at

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16.04.2016