Standort: help.ORF.at / Meldung: "Haft gegen Implantathersteller PIP bestätigt"

Haft gegen Implantathersteller PIP bestätigt

Im Skandal um minderwertige Brustimplantate der französischen Firma PIP (Poly Implant Prothese) hat ein Berufungsgericht in Aix-en-Provence Unternehmensgründer Jean-Claude Mas (76) zu vier Jahren Haft wegen schweren Betrugs und vorsätzlicher Täuschung verurteilt. Damit folgten die Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft und dem Urteil der Vorinstanz.

Urteil

PIP hatte jahrelang Brustimplantate mit billigerem Industriesilikon statt mit Spezialsilikon gefüllt. Diese Kissen reißen leichter und können Entzündungen auslösen. Weltweit wurden 300.000 Frauen Implantate der Firma eingesetzt. Europäische Behörden empfahlen Betroffenen, die Implantate vorsorglich entfernen zu lassen - allein in Frankreich kamen mehr als 18.000 Frauen dieser Empfehlung nach. In Österreich vertritt der Verein für Konsumenteninformation (VKI) 69 Betroffene.

VKI will Schadenersatz erkämpfen

Neben dem Firmengründer standen vier leitende Angestellte vor Gericht. Sie wurden nach VKI-Angaben zu teilweise bedingt ausgesprochenen Haftstrafen verurteilt. Die Entscheidungen sind nicht rechtskräftig. Der VKI kündigte in einer Aussendung an, nach Rechtskraft der Urteile Schadenersatzansprüche bei einem französischen Fonds für Verbrechensopfer anzumelden.

Mit der Anmeldung der Ansprüche könne zumindest bis zu einem Höchstbetrag von 3.000 Euro für die Österreicherinnen Entschädigung erlangt werden, so der VKI. Nach Angaben des VKI-Juristen Stefan Schreiner ist innerhalb von fünf Tagen ein Rekurs gegen die Entscheidungen des Berufungsgerichts möglich. Wird ein solches Rechtsmittel eingelegt, würde das Verfahren zum Höchstgericht gehen.

02.05.2016