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Weggeworfene Plastiksackerl hängen in einem Zaun

Plastiksackerl: Auch die Alternativen haben Tücken

Wer einkaufen geht, hat nicht immer eine Tasche oder einen Korb mit, um die Waren nach Hause zu bringen. Also nimmt man im Geschäft ein Sackerl. Aber welches? Ein Plastiksackerl soll es nicht sein, weil das die Umwelt verschmutzt. Aber auch die Alternativen aus Biomaterial, Papier oder Stoff haben ihre Schönheitsfehler bei der Ökobilanz.

Umwelt

Viele große Handelsketten haben sich diese Woche freiwillig dazu verpflichtet, ab 1. Juli zum Schutz der Umwelt auf Gratisplastiksackerl zu verzichten. Damit soll die Flut an Einwegtaschen eingedämmt werden. Konsumenten in Österreich verbrauchen schon jetzt weniger Tragetaschen aus Plastik als andere EU-Länder. 51 Stück pro Kopf und Jahr sind es bei uns derzeit, 2019 soll es nur noch die Hälfte sein.

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"Help", das Ö1-Konsumenten- magazin, jeden Samstag um 11.40 Uhr in Radio Österreich 1

Die beste Tragetasche ist die alte

Die Experten sind sich einig: Wer die Umwelt schonen will, kauft am besten möglichst wenige neue Tragetaschen und verwendet die bereits vorhandenen öfter. "Die schlechteste Variante ist, auf Papiersackerl oder Stofftaschen auszuweichen und diese nur einmal zu benützen", sagt Bernhard Wohner, Experte für nachhaltiges Wirtschaften bei Global 2000. Zu Plastiksackerln gebe es keine ökologische Alternative. Egal ob Papier oder ein Bioplastik: Für die Umwelt zähle nur die Reduktion.

Ein weggeworfener Plastiksack liegt auf der Straße
Achtlos weggeworfen, das häufige Ende eine Plastiksackerls

Papiersackerl: Die Energiefresser

Im Vergleich zum Plastiksackerl verbraucht die Herstellung von Papiertragetaschen Unmengen an Strom. Zehn Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Europa entfallen laut Global 2000 auf die Papierindustrie. Papier habe damit keine bessere Ökobilanz als Plastik. "Erst wenn man das Papiersackerl fünf- bis zehnmal verwendet hat, ist die Ökobilanz einer Tragetasche aus Recyclingplastik erreicht", sagt Bernhard Wehner.

Bioplastik: Rohstoffe drücken die Ökobilanz

Sackerl aus "Bioplastik" schneiden ebenfalls nicht besser ab. Die Rohstoffe, die dafür verwendet werden - Kartoffelstärke, Mais und Zuckerrohr - verschlechtern die Ökobilanz. Zuckerrohrplantagen statt Regenwälder, gentechnisch veränderter Mais sowie Pestizide und Düngemittel schädigen die Umwelt. "Nur damit wir ein Plastiksackerl erzeugen, das dann auch noch in Konkurrenz steht mit der Nahrungsmittelproduktion", kritisiert Global 2000.

Ein Bio-Plastiksackerl
Auch nicht besser: Ein Einkaufssack aus "Bioplastik"

Stoffsackerl: Nur bei langem Gebrauch

Ist also eine Stofftasche die umweltschonende Alternative? Nur dann, wenn sie wirklich oft verwendet wird, hat eine Schweizer Studie ergeben. Bis die Ökobilanz einer Stofftasche im Vergleich zu einer Plastiktasche hereinkommt, muss sie ungefähr 80-mal in Gebrauch sein. Das muss man sich schon gut überlegen, bevor man sich zehn verschiedene Stofftaschen kauft.
Hergestellt werden die meisten Stoffsackerl in Niedriglohnländern. Wer Lohndumping nicht unterstützen will, sollte daher auf Biobaumwolle und ein Fair-Trade-Gütesiegel achten.

Eine EInkaufstasche aus Stoff
Nur bei häufiger Verwendung gut: Die Stofftasche

Die Tücken bei der Entsorgung

Auch bei der Entsorgung ist die Plastiktragetasche besser als ihr Ruf. Wird sie nicht ohnehin getrennt gesammelt und wiederverwertet, kommt sie in Verbrennungsanlage. Der Kunststoff im Plastiksackerl verbrennt laut Experten sehr gut und erzeugt zumindest Energie. "Es ist nicht die beste Wahl, Müll zu verbrennen, aber noch die unproblematischste" , sagt Bernhard Wohner.

Problematischer ist die Entsorgung von "Bioplastik"-Sackerln. Diese sind nicht immer biologisch abbaubar. Kompostieranlagen filtern automatisch Sackerl heraus, ohne zu unterscheiden, ob sie aus Kunststoff oder Bio-Kunststoff sind. Diese Sackerl werden verbrannt , der ökologische Vorteil geht verloren.

Das Fazit

Am schonendsten für die Umwelt ist es, möglichst oft den Griff zu einem neuen Sackerl überhaupt zu vermeiden. Wer trotzdem eine Tragetasche braucht, kauft am besten eine Plastiktasche aus Recycling-Kunststoff - erkennbar am Umweltzeichen "Blauer Engel" - und benützt sie möglichst lange, rät Global 2000. Fair gehandelte Biobaumwolltaschen sind eine gute Alternative, aber nur, wenn man sie nicht daheim hortet, sondern verwendet, so oft es geht.

Karin Fischer, help.ORF.at

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07.05.2016