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Ein Airbnb Apartement in Berlin

Airbnb startet Beschwerdefunktion für Nachbarn

Verärgerte Nachbarn können sich künftig direkt beim Bettenvermittler Airbnb über Nutzer beschweren, die ihre Wohnungen über das Urlaubsimmobilienportal vermieten - vorerst allerdings nur in den USA.

Wirtschaft

Seit Anfang Juni bietet das Unternehmen aus San Francisco eine entsprechende Funktion auf seiner Internetplattform an. Das Service gilt zunächst allerdings nur in den USA. „Wir arbeiten daran, das Tool weltweit verfügbar zu machen“, sagte ein Sprecher auf Nachfrage.

Klagen über kommerzielle und rücksichtslose Nutzer, die Lärm und Stress für Nachbarn bedeuten, begleiten den rasanten Aufstieg von Airbnb schon lange. Nun will das Unternehmen helfen, schwarze Schafe auszusortieren, betont aber im Firmen-Blog: „Die überwältigende Mehrheit der Gäste sind respektvolle Reisende, sodass Beschwerden und Probleme rar sind.“

Stadt Wien verschärfte Regeln

Über die neue Funktion können anonym Hinweise gegeben werden, die Airbnb dann prüfen und wenn nötig auch Nutzer suspendieren oder ausschließen will. Das Geschäftsmodell des 2008 gegründeten Unternehmens aus dem Silicon Valley erfreut sich zwar hoher Beliebtheit, ist aber umstritten, da es im rechtlichen Graubereich im Hinblick auf Hotellerie und Mietrechtsvorschriften agiert und allfällige Rechtsverstöße dezentral von den Usern begangen werden.

Auch die heimische Tourismuswirtschaft und Finanzbehörden haben mit der zunehmenden Konkurrenz und säumigen Steuerzahlern keine Freude. Airbnb und andere internationale Vermittlungsplattformen müssen nun künftig melden, wer bei ihnen Unterkünfte vermietet. Diese Privatvermieter werden dann darauf aufmerksam gemacht, was sie an Steuer entrichten müssen. Auch Ortstaxe (3,2 Prozent in Wien) wird fällig.

Zustimmung aller Eigentümer im Haus benötigt

Auch darf nicht jede Wohnung einfach vermietet werden. Der Oberste Gerichtshof (OGH) legte 2014 in einem Urteil fest, dass die laufende kurzfristige Vermietung auch nur einer Wohnung, etwa über Airbnb, nicht ohne Zustimmung aller anderen Eigentümer eines Wohnhauses möglich ist. Bei Mietwohnungen darf nur mit Zustimmung des Vermieters weitervermietet werden. Vom Urlaubsgast darf zudem nicht mehr Geld verlangt werden, als man selbst an Miete zahlt.

Schon zwei Millionen Betten weltweit

Das rasante Wachstum von Airbnb stellt eine Bedrohung für die etablierte Tourismusindustrie dar. Das von Investoren mit etwa 25,5 Milliarden Dollar (knapp 23 Mrd. Euro) bewertete Unternehmen führt nach eigenen Angaben mehr als zwei Millionen Zimmer und Ferienwohnungen rund um den Globus. Zum Vergleich: Die beiden vor der Fusion zum Branchenprimus stehenden Hotelkonzerne Marriott International und Starwood hätten gemeinsam gut eine Million Betten.

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02.06.2016