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vegane Würste am Teller

Veggie-Würstel nicht gesünder als das Original

Immer mehr Menschen verzichten ab und zu auf Fleisch, um sich gesünder zu ernähren. Fleisch durch Fertigprodukte aus Soja oder Weizeneiweiß zu ersetzen bringt aber keine gesundheitlichen Vorteile, im Gegenteil: Einige dieser vegetarischen und veganen Würste und Schnitzel sind ungesünder als das tierische Original, weil sie Schadstoffe und unnötige Zutaten enthalten.

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Fertigprodukte, die ohne Fleisch auskommen, aber trotzdem aussehen wie Schnitzel, Steak und Burger, sind in den Supermarktregalen prominent platziert. Zwar wären die veganen und vegetarischen Alternativen vom Eiweißgehalt zu empfehlen, trotzdem sollten sie die Ausnahme bleiben, so Ernährungswissenschaftlerin Andrea Ficala gegenüber help.ORF.at. Denn die Ersatzprodukte sind nicht so gesund, wie sie vermarktet werden.

vegane und vegetarische Fleischersatzgerichte im Regal
Viele Supermärkte verkaufen vegetarische und vegane Alternativen zu Fleischprodukten

Wenig Inhaltsstoffe, viele Zusätze

In den fleischlosen Alternativen wird tierisches Eiweiß durch pflanzliches ersetzt, das von Sojabohnen, Erbsen, Weizen oder Lupinen, einer ebenfalls eiweißreichen Hülsenfrucht, stammt. Der Soja- oder Weizenbrei schmeckt zunächst langweilig und sieht auch nicht aus wie Fleisch. Damit die Grundmasse fleischähnlich wird, müssen die Ersatzprodukte stark verarbeitet werden.

"Das ist ein erheblicher Nachteil", so Ficala. Dadurch gingen viele wertvolle Inhaltsstoffe verloren, und umso mehr Zusatzstoffe seien notwendig, damit der Fleischersatz auch Menschen anspricht, denen es schwerfällt, auf das Original zu verzichten.

Zutatenliste vegetarischer Würste
Die Zutaten sind aufgelistet

Auch Veggie-Schnitzel sind Fertiggerichte

Auf der Zutatenliste dieser Fleischersatzprodukte finden sich Geschmacksverstärker wie Glutamat und Hefeextrakt, Aromen, Würze, Verdickungsmittel, Farbstoffe, Vitamine, Salz und Fette. Vieles davon sei unnötig, meint die Expertin, die den Konsumenten rät, auf Produkte zu verzichten, die eine lange Zutatenliste haben.

Wie bei vielen Fertiggerichten sei oft der Salzgehalt zu hoch, Geschmacksverstärker würden sich mitunter hinter E-Nummern verstecken. "Bei anderen Produkten wird das gar nicht mehr eingesetzt - bei diesen Wurstimitaten noch ganz viel“, so Ficala. Zum Abnehmen würden sich die vegetarischen Alternativen nur bedingt eignen, weil die Wurst- und Schnitzelimitate mitunter genauso fett wie die entsprechenden Fleischerzeugnisse seien. Beim Fett werde oft auf billiges Palmöl oder Kokosöl zurückgegriffen, was weder gesund noch gut für die Umwelt sei.

Verunreinigung durch Mineralöl

Die deutsche Zeitschrift "Öko-Test" hat in ihrer aktuellen Ausgabe untersucht, wie stark diese Ersatzprodukte mit unnötigen Zusätzen und Schadstoffen belastet sind. Bei dem Test ist knapp die Hälfte der 22 analysierten Proben durchgefallen. Bei den in Österreich erhältlichen Produkte dürfte es ähnliche Mängel geben, auch wenn diese nicht getestet wurden, meint Ficala.

Mehr als die Hälfte aller veganen und vegetarischen Schnitzel, Burger und Würste, die "Öko-Test" analysiert hat, enthielten Rückstände von Mineralöl. Diese Verunreinigung stamme vermutlich von einem Lösungsmittel, das für die Druckfarben auf den Verpackungen verwendet wird, schreibt die Österreichische Agentur für Lebensmittelsicherheit AGES auf Anfrage von help.ORF.at.

"Portionen klein und teuer"

Expertin Ficala rät, nur im Ausnahmefall - höchstens ein- bis zweimal pro Woche - auf die fleischlosen Burger und Nuggets zurückzugreifen und Bioprodukte zu bevorzugen. „Es sind oft kleine Portionen, die um sehr viel Geld verkauft werden", so Ficala. Wer nicht gut kochen könne, tue sich da schwer abzuschätzen, ob es das Geld eigentlich wert ist, das dafür verlangt wird. Selbermachen koste oft nur ein Drittel, und zum Grillen seien Gemüse und Halloumi ohnehin die bessere Wahl.

Karin Fischer, help.ORF.at

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11.06.2016