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Menschenleerer Strand in Antalya

Reisewarnung: Gratisstorno nicht immer möglich

Eine Naturkatastrophe, der Ausbruch einer Epidemie, politische Unruhen oder ein Terroranschlag - immer dann, wenn es an einem Urlaubsort ungemütlich wird, wollen viele Touristen ihre Reisen oder Flüge stornieren. Kostenfrei ist das nur unter bestimmten Bedingungen möglich.

Reisen

Zu schrecklichen Ereignissen, die Reisende verängstigen können, kommt es regelmäßig. Ändert sich die Sicherheitslage in einem Land, reagiert das österreichische Außenministerium in Normalfall darauf, indem es die Sicherheitsstufe erhöht. Insgesamt gibt es sechs solcher Stufen. Bei Stufe eins handelt es sich um einen guten, mit Österreich vergleichbaren Sicherheitsstandard. Ab Stufe fünf gibt es eine offizielle Reisewarnung, die noch auf Regionen beschränkt ist. Ab Stufe sechs gilt die Warnung dann für das ganze Land.

Reisewarnung nicht notwendig

Um eine Reise kostenlos stornieren oder umbuchen zu können, müsse es aber nicht gleich eine Reisewarnung geben, sagt Barbara Forster vom Europäischen Verbraucherzentrum.

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Dieses Recht gebe es bei Pauschalreisen auch dann, wenn sich die Sicherheitslage am Zielort kurz vor der geplanten Abreise dramatisch verschlechtert. Ein kostenfreier Rücktritt vom Vertrag oder eine kostenlose Umbuchung sind dann auch ohne Reisewarnung möglich. "Hier reicht es aus, wenn sich die Lage von Stufe eins auf Stufe drei oder vier verschlechtert", so Forster.

Flüge schwieriger zu stornieren

Generell gilt, dass ein kostenloses Storno bei Pauschalreisen wesentlich einfacher ist als bei Flügen. Denn wenn man eine Pauschalreise bucht, dann ist der Aufenthalt Teil des Vertrages. Geht dadurch ein unerwartetes Sicherheitsrisiko für die Reisenden aus, kann man von diesem Vertrag zurücktreten.

Hat man jedoch nur einen Flug gebucht, sieht die rechtliche Situation anders aus. Denn dabei handelt es sich nur um einen Beförderungsvertrag, vom Heimatflughafen zum Zielort. "Was ich dort mache, ob ich dort bleibe oder weiterfliege, ist nicht mehr Teil des Vertrages", so Forster.

Hat man nur einen Flug gebucht, ist man entweder auf die Kulanz der Fluglinie angewiesen oder ein Gericht muss über die Vertragsauflösung entscheiden. Anders ist das nur, wenn der Grund für das Sicherheitsrisiko der Flughafen selbst ist - so wie in Brüssel wegen des Terroranschlags im März.

Keine Reisewarnung für die Türkei

Dass Fluglinien immer wieder kulant agieren, zeigt sich momentan auch bei Flügen in die Türkei. Wegen der politisch angespannten Situation ermöglicht die Aua beispielsweise, alle Türkeiflüge, die zwischen dem 16. und 24. Juli stattfinden, kostenlos zu stornieren. Flüge, die in der Woche danach angetreten werden sollten, bis zum 31. Juli, können kostenlos umegbucht werden - das neue Ticket muss allerdings bis zum 31. Oktober genützt werden.

Da das österreichische Außenministerium aktuell keine Reisewarnung für die Türkei ausgesprochen hat, ist es momentan auch unwahrscheinlich, dass Pauschalreisende kostenfrei stornieren oder umbuchen können. Entsprechende Angebote hat es kurz nach den Ausschreitungen in Istanbul und Ankara gegeben. Mittlerweile sind die Reiseveranstalter aber wirder zum Normalbetrieb zurückgekehrt.

Kostenloses Storno nur kurzfristig möglich

Allgemein gilt: Wer kostenlosen von einem Vertrag mit einem Reiseveranstalter zurücktreten möchte, sollte immer abwarten. Denn das ist, wenn überhaupt, frühestens zwei Wochen vor Abreise möglich. Die Lage könne sich verschlechtern, sie könne sich aber auch verbessern, erläutert Forster.

Das trifft auf Naturkatstrophen genauso wie politische Unruhen zu. Wer kostenlos stornieren will, muss abwarten. "Es zwingt mich niemand, die Reise anzutreten, je früher ich stornier, desto niedriger sind die Stornokosten", betont die Juristin.

Zeitpunkt der Buchung kann wichtig sein

Gibt es in einem Land bereits seit Längerem Sicherheitsprobleme, ist der Zeitpunkt der Buchung entscheidend. Für Urlaubsbuchungen in der Türkei, die vor dem 12. Jänner 2016 gemacht wurden, gibt es ein kostenloses Rücktrittsrecht. Wurde danach gebucht, könnten die Gerichte davon ausgehen, dass das in Kenntnis der zahlreichen Anschläge passiert sei.

Voraussetzung ist allerdings auch hier, dass die Reise kurz bevorsteht und der Zielflughafen Istanbul ist. Wer in zwei Monaten nach Antalya fliegt und sich deswegen Sorgen macht, hat schlechte Karten.

Generelle Angst ist kein Grund

Dass sich einige Menschen derzeit vorm Fliegen fürchten, sei verständlich, sagt Barbara Forster. Aber daraus lasse sich nicht ableiten, dass jeder Flug kostenfrei stornierbar sein muss. "Weil die theoretische Gefahr, dass ein Flugzeug abgeschossen, entführt oder was auch immer wird, die besteht dann auf jeder Strecke mit jeder Airline", ergänzt die Juristin.

Das Europäische Verbrauchzentrum rät Konsumenten deswegen Kosten und Nutzen abzuwägen: Wer nicht abwarten möchte, wie sich die Sicherheitslage entwickelt, sollte möglichst früh stornieren. Dann sind die Kosten noch gering. Wer abwarten möchte, sollte seriöse Medienberichterstattung zur Situation am Reiseziel verfolgen und etwaige Artikel aufbewahren. Die können dann kurz vor der Abreise hilfreich sein, wenn man doch ein kostenloses Storno erreichen möchte.

Marlene Nowotny, help.ORF.at

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09.07.2016