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Das Innere eines PCs

Einfach aufrüsten: lahmen Rechnern Beine machen

Zwischen Einschalten und Hochfahren geht sich mehr als nur ein Kaffee aus? Das neue Lieblingsspiel ruckelt über den Bildschirm? Programme frieren ständig ein? Wenn der Computer schon etwas älter ist ("etwas älter" heißt in diesem Fall: drei bis fünf Jahre), könnte die Hardware überfordert sein. Deswegen muss der Rechner nicht gleich ein Fall fürs Recycling sein: manche Hardwarekomponenten können leicht gegen leistungsfähigere Teile getauscht werden.

Computer

Man kennt das ja. Nach dem Einschalten geschieht erst einmal – nichts. Auf dem Bildschirm die Sanduhr, die Festplatte knarrt vor sich hin. Bis zur Einsatzbereitschaft des Rechners ist der Kaffee kalt oder längst ausgetrunken.

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Ruckelt dann das Spiel, oder bleiben Programme immer öfter unter Protest wegen ungenügenden Arbeitsspeichers stehen, lohnt sich Ursachenforschung, sagt Christian Hirsch, Redakteut der Fachzeitschrift c't: "Nicht immer ist die Hardware Schuld. Es kann auch ein Treiberproblem sein, es kann ein Virenscanner sein, der Amok läuft, oder es kann eine Fehlkonfiguration sein. Dass sollte man immer ausschließen, bevor man Geld in den Rechner steckt."

Erster Schritt: SSD statt Festplatte

Ob der Computer von einer Software gebremst wird, lässt sich bei Windowssystemen mit einem Blick auf den Taskmanager klären. Nimmt ein Programm dort auffällig viel Speicher oder Prozessorkapazität in Anspruch, könnte es mit einer Aktualisierung oder einer Deaktivierung des Störenfrieds getan sein. Wenn nicht, ist ein Blick unter die Haube empfehlenswert. "Man kann auf alle Fälle sagen, wenn man einen Rechner hat, der nur eine Festplatte hat, eine SSD einbauen", empfiehlt Hirsch. "Damit bootet der Rechner deutlich schneller, die Programme starten schneller und gefühlt bringt das einen enormen Leistungsschub."

Das Innere eines PCs
Stand-PCs sind leicht zu öffnen und unkompliziert aufzurüsten

SSD steht für Solid State Disk. Das sind große Speicherchips mit geringer Reaktionszeit. Anders als bei Festplatten haben sie weder rotierende Magnetscheiben noch Lese- und Schreibarme. SSD-Platten gibt es ab rund 100 Euro. Vieles geht damit schneller, manche Probleme haben ihre Wurzel jedoch woanders. "Wenn jetzt das Spiel ruckelt, dann bringt eine SSD jetzt nichts, sondern da muss man eher bei der Grafikkarte ein bisschen Geld reinstecken", rät der IT-Fachredakteur. "Wenn man zu wenig RAM hat, und der die ganze Zeit voll ist und die Programme ihre Daten auf die Festplatte auslagern müssen, dann müsste man da ein bisschen nachstecken."

Mut zum Schraubenzieher

RAM (Random Access Memory) ist der Arbeitsspeicher. Er lässt sich leicht erweitern und das für wenig Geld. Zwei Gigabyte kosten weniger als zehn Euro. Grafikarten sind teurer, mit rund 150 Euro sollte kalkuliert werden. Ohne Beratung wird die Auswahl aus rund 1.200 Modellen für Durchschnittsuser allerdings schwierig.

Von wegen schwierig oder nicht: Leicht gelingt eine Hardwareaufrüstung vor allem bei herkömmlichen Stand-PCs, deren Gehäuse sich einfach öffnen lassen. Die Komponenten sind Standardbauteile und in der Regel nicht fix verlötet. Grafikkarten, Festplatten, Arbeitsspeicher und sogar die Prozessoren sind in ihre Sockel gesteckt oder verschraubt. Sie lassen sich meist leicht ausbauen und austauschen. Anders sieht es bei Notebooks und sogenannten All-in-One-Rechnern aus, bei denen Bildschirm und Computer eine Einheit bilden. Sie sind komplizierter zu öffnen – und manchmal ohne einschlägiges Fachwissen gar nicht.

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Stecker ziehen, Statik vermeiden

Wer sich selbst an das innerste des Computers wagt, sollte wissen, wie man einen Schraubenzieher richtig hält, sagt c’t-Redakteur Christian Hirsch, viel mehr ist nicht notwendig. Ein paar Dinge gibt es zu beachten: "Zuerst das Netzkabel ziehen, damit der Rechner nicht automatisch startet, während man darin herumschraubt. Beim Schrauben außerdem vorsichtig sein, dass sich man am PC-Gehäuse erdet. Das heißt, das Metallgehäuse anfassen, damit da keine elektrostatischen Entladungen stattfinden. Und nie die Kontakte anfassen, das gilt vor allem für den Prozessor, weil die am empfindlichsten sind."

Ein Prozessorupgrade in dem man den zentralen Rechnerchip, auch CPU genannt, austauscht, ist manchmal möglich, aber am kompliziertesten, weil sich die Technik hier besonders schnell fortentwickelt und für ältere Systeme nicht immer kompatible CPUs zu finden sind. "Älter" heißt bei Computern und Notebooks: drei bis fünf Jahre. Bei Rechnern aus diesem Zeitraum kann sich ein Upgrade noch lohnen: ein paar hundert Euro schenken dem PC durchschnittlich weitere drei Jahre, bevor ein Fall fürs Recycling wird. Als Faustregel gilt: Stammt das Gerät aus dem vergangenen Jahrzehnt, lohnt sich ein Hardware-Upgrade höchstwahrscheinlich nicht mehr.

Matthias Däuble, help.ORF.at

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16.07.2016