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Frau beim Versicherungsvertreter

Carsharing-Problem Haftpflichtbonus

Carsharing ist gut für die Umwelt und schont, unter Umständen, auch den Geldbeutel. Doch: Was passiert, wenn ein Autofahrer ein paar Jahre lang ein Carsharing-System nutzt und sich danach wieder selbst ein Fahrzeug zulegt? Darf er seinen Schadensfreiheitsbonus in der Kfz-Haftpflichtversicherung behalten? ORF.at hat nachgefragt.

Versicherung

"Der Bonus im Versicherungspaket ist personenbezogen, nicht fahrzeugbezogen", so Christof Fuchs, Sprecher der Wiener Mobility CarSharing GmbH auf Nachfrage von ORF.at, "Daher bleibt er nach der Periode der Carsharing-Nutzung auf derselben Bonus- oder Malusstufe der Kfz-Haftpflichtversicherung, auf der er vorher auch schon gewesen ist."

Die Uniqa-Versicherung sieht hier keinen Automatismus, sie möchte es genauer wissen. In Uniqa-Verträgen verfällt der Bonus-Malus-Wert einer Kfz-Haftpflichtversicherung nach einem Jahr, in dem der Nutzer kein Auto angemeldet hat. Der Bonus soll schließlich routinierte Autolenker belohnen, die umsichtig unterwegs sind und nicht an Unfällen beteiligt sind.

Handeln um die Bonusstufe

Daher möchte die Uniqa bei Abschluss einer neuen Kfz-Haftpflichtversicherung von einem ehemaligen Carsharing-Teilnehmer einen Nachweis darüber haben, ob er sich aktiv am Carsharing beteiligt und auch keinen Schaden verursacht hat. Diese Bestätigung sei vom Versicherer des Carsharing-Betreibers einzuholen, wenn der Nutzer seine niedrige Bonusstufe behalten wolle, so das Unternehmen gegenüber ORF.at.

Auch Robert Stütz, bei Wüstenrot zuständig für das Thema Kfz-Haftpflicht, betont, dass der Fahrer nach einem Jahr seine Bonusstufe verliert, wenn kein Fahrzeug auf ihn angemeldet ist. "Es ist wichtig, dass die Versicherung das Risiko einschätzen kann", so Stütz, "Dann kann man bei der Beratung zu einer individuellen Vereinbarung kommen." So sei es hilfreich, wenn der Kunde nachweisen könne, wie häufig er im Carsharing mit dem Auto unterwegs gewesen ist.

Ähnlich handhabt es auch die Allianz-Versicherung. "Die Bonusstufe bleibt 12 Monate erhalten, auch wenn kein Auto versichert ist. Danach würde man wieder mit Stufe 9 einsteigen", so Allianz-Sprecherin Elisabeth Rashid, "Für die Zeit, in der Car Sharing oder Leasing genutzt wurde, kann dann eine Bestätigung über die Schadenfreiheit gebracht werden, dann werden diese schadenfreien Zeiten angerechnet und der Kunde bekommt die verbesserte Bonus-Stufe."

Die Zurich-Versicherung bietet laut Auskunft gegenüber ORF.at nach Abmeldung des eigenen Fahrzeugs an, die Bonus-Stufe bis zu 18 Monate aufrechtzuerhalten. Mit Carsharing habe man allerdings bisher noch keine Erfahrungen gesammelt, so eine Sprecherin des Unternehmens. Auch sie empfiehlt, bei Abschluss einer neuen Versicherung nach einer Carsharing-Periode Unterlagen beizubringen, mit denen sich beweisen lässt, dass regelmäßig und unfallfrei gefahren wurde.

Es könnte sich bei intensiverer unfallfreier Carsharing-Nutzung also lohnen, die Rechnungen aufzuheben, denn sie sind in Verhandlungen mit der Versicherung ein gutes Argument für eine günstige Einstufung.

Einvernehmliche Lösung

Die Versicherer haben bei der Gestaltung ihrer Bonus-/Malus-Systeme Spielraum. "Bis 1994 war das gesetzlich geregelt", so Günter Albrecht, Geschäftsführer Schadenversicherung und Kfz-Versicherung beim Versicherungsverband. Heute gelte es, mit dem Versicherer eine einvernehmliche Lösung zu finden, allerdings gebe es beim Carsharing noch zu wenige Erfahrungswerte. "Man könnte es so behandeln wie im Fall eines höheren Angestellten, der eine Zeitlang einen Firmenwagen genutzt hat und danach wieder ein eigenes Fahrzeug anschafft", so Albrecht.

Noch ist der Umgang der Versicherungen mit Carsharing-Aussteigern ein Randthema. Allerdings nimmt die Zahl der Carsharing-Nutzer auch in Österreich zu, der heimische Anbieter Mobility peilt für dieses Jahr ein Umsatzwachstum von 20 Prozent an.

Günter Hack, ORF.at

25.02.2011