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Ein Zuschauer präsentiert eine Karte für das U2-Konzert im Ernts-Happel-Stadion in Wien 2010

Kartenbüros dürfen bei Absagen Gebühren behalten

Kartenbüros schlagen beim Verkauf von Veranstaltungstickets oft beträchtliche Gebühren auf. Ausgewiesen werden diese je nach Anbieter als Vorverkaufs-, Vermittlungs- oder Bearbeitungsgebühren. Wenn die Abwicklung einwandfrei klappt, sind solche Gebühren noch nachvollziehbar. Was aber, wenn die Veranstaltung abgesagt wird – dürfen dann trotzdem Gebühren für nicht in Anspruch nehmbare Leistungen verrechnet werden?

Herr H. wollte sich im Internet zwei Karten für Andre Hellers Pferdeshow "Magnifico" kaufen. Dafür wurde er von der Website des Veranstalters direkt auf die Homepage des Kartenbüros Oeticket weitergeleitet, wo er Karten um 209 Euro - inklusive Bearbeitungsgebühren - erstand. Wenig später wurde Herrn H. per Mail mitgeteilt, dass die gebuchte Veranstaltung abgesagt wurde. Die angebotenen Ersatztermine lagen für den Wiener zeitlich ungünstig, und so fragte er bei Oeticket nach, ob ihm bei Rückgabe nur der reine Kartenwert überwiesen werde oder auch die bezahlten Gebühren von immerhin fast 17 Euro.

Eine Mitarbeiterin von Oeticket sagte ihm daraufhin zu, dass der "komplette Betrag" zurückgezahlt werde - ein Fehler der Mitarbeiterin, wie sich herausstellte. Durch ihre schriftliche Zusage musste Oeticket letztlich nach längerem Hin und Her die Gebühren zwar ebenfalls retournieren, üblich ist das allerdings nicht, wie Oeticket in einer Stellungnahme an help betont. Man bedauere zwar das Missverständnis, aber, so heißt es weiter: "Prinzipiell ist es richtig, dass Oeticket als reiner Kartenvermittler im Falle von Absagen nur den reinen Kartenwert ersetzt. Oeticket ist ein Dienstleistungs-unternehmen und hat seine Dienstleistung mit der Buchung, dem Versand usw. erfüllt."

Ticketbuchung ist eigenständiges Geschäft

Dieses Vorgehen ist rechtlich auch in Ordnung, sagt Robert Mödlhammer von der konsumentenpolitischen Abteilung der AK: "Es ist ausreichend, wenn der reine Ticketpreis zurücküberwiesen wird. Für das Einbehalten der Bearbeitungsgebühr besteht ein eigener Rechtsgrund, nämlich dass Kartenbüros, die den Verkauf, die Verteilung, zum Teil auch das Bewerben von Veranstaltungen erledigen. Und das ist eine Handlung, die eigenständig mit einem Geschäft zwischen Kartenbüro und Kunden verrechnet wird."

Auch die Höhe der Gebühren von weniger als zehn Prozent des Ticketpreises sei nach Erfahrung der AK vertretbar, so Mödlhammer.

Selbst über Absage informieren

Dass Kunden im Fall einer Absage trotzdem Gebühren an das Kartenbüro zahlen, auch wenn sie im Endeffekt nichts dafür in Händen halten, ist zwar enttäuschend, lässt sich aber nicht vermeiden. Für Mödlhammer zeigt dieser Fall, dass der Kauf eines Tickets für eine Veranstaltung immer ein gewisses Restrisiko birgt: "Wenn die Veranstaltung abgesagt wird, dann ist das primär mein Problem. Die zeitliche Verschiebung braucht mir nicht einmal explizit mitgeteilt zu werden. Das bedeutet, es kann passieren, dass ich, wenn ich die Absage übersehe, vor geschlossenen Toren stehe."

Deshalb rät der Konsumentenschützer auch dazu, sich am Tag der Anreise bzw. der Veranstaltung selbst über Tageszeitungen oder Internet über eine mögliche Absage zu informieren. Außerdem ist es sinnvoll, sich den Kartenpreis und die anfallenden Gebühren genau anzusehen, um böse Überraschungen bei der Bezahlung zu vermeiden.

28.05.2011