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Aktenstapel auf dem Richtertisch im Landesgericht Innsbruck

Rechtsschutzversicherungen: Was zu beachten ist

Wer Recht hat, muss nicht immer auch Recht bekommen. Mitunter muss man sich dieses erst vor Gericht erstreiten, doch davor schrecken viele aus Angst vor möglichen finanziellen Konsequenzen zurück. In so einem Fall kann eine Rechtsschutzversicherung hilfreich sein, doch bei der Wahl des richtigen Versicherungsvertrages ist einiges zu beachten.

Recht

Für den help-Juristen Sebastian Schumacher ist der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung durchaus überlegenswert. Oft gebe es etwa kleinere Schadensfälle, wo sich aufgrund des geringen Streitwertes und der relativ hohen Prozesskosten für Konsumenten die Betreibung nicht rentieren würde. Hier könnte man natürlich auch überlegen, keine Versicherung abzuschließen, sich die Prämien zu sparen und bei etwaigen kleineren Schadensfällen das sozusagen "gegenzurechnen".

Schutz bei "existenziellen" Schäden

Anders ist es laut Schumacher bei tatsächlich existenziellen Schäden, etwa bei falscher Finanzanlageberatung, Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen oder ärztlichen Kunstfehlern: "Da geht es oft um sehr hohe Streitwerte und um sehr komplexe Beweisfragen. Man braucht Sachverständige. Das ist tatsächlich ein so hohes Prozesskostenrisiko, dass ein Konsument hier ohne Rechtsschutzversicherung bereit sein muss, auch zehn-, zwanzig-, dreißigtausend Euro Risiko auf sich zu nehmen. Das muss er bezahlen, wenn der Prozess dann verloren wird."

Bausteine auswählen

Vor Abschluss der Versicherung sollte man sich laut Schumacher jedenfalls genau überlegen, welche Bereiche man auch tatsächlich absichern will: "Was Konsumenten jedenfalls anzuraten ist, ist ein Vertragsrechtschutz. Überlegenswert sind auch Streitigkeiten aus Familienrecht, Erbrecht, Strafrecht, Arbeitsrecht, Wohnrecht usw. Es gibt da auch ganz verschiedene Bündelversicherungen und Bausteinangebote von den Versicherungen zu verschiedenen Preisen."

Ausschlüsse beachten

Und besonders beachten sollte man laut help-Jurist Schumacher, was inkludiert und was ausgeschlossen ist: "Da gibt es tatsächlich Unterschiede von Versicherung zu Versicherung. Was zunehmend ausgeschlossen wird, das sind Kapitalmarktschäden, weil die Versicherer hier in der Vergangenheit in Zusammenhang mit Massenschäden wie Meinl European Land, AMIS oder auch mit den Immobilienaktien wie Immofinanz, Immoeast und so weiter, sehr hohe Ausgaben hatten."

Und wer in absehbarer Zukunft ein Haus bauen will, sollte die Bauherrenklausel beachten: "In fast allen Rechtsschutzversicherungsverträgen ist Rechtsschutzdeckung aus Baustreitigkeiten heraus ausgeschlossen, weil das meistens sehr hohe Schadenssummen sind", so der Rechtsberater.

Gegebenenfalls sollte man sich rechtzeitig – also vor Baubeginn – eine entsprechende Versicherung ohne Ausschluss suchen.

Rechtsschutz bei anderem Versicherungsunternehmen

Zunehmend wichtig wird nach Ansicht des help-Rechtsberaters eine Absicherung für Streitigkeiten mit eigenen Versicherungen: "Da ist es dann aber wichtig, dass die Rechtsschutzversicherung nicht beim selben Institut ist. Das kann bei einem anderen Institut sein, das kann bei einem reinen Rechtsschutzversicherer sein. Man kann auch beim gleichen Institut bleiben und sich ausdrücklich versichern lassen, dass Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen gegen dasselbe Institut gedeckt sind."

Schließlich sollte man noch überprüfen, ob man für manche Bereiche etwa über einen Autofahrerclub nicht ohnehin schon eine Rechtsschutzversicherung hat.

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11.08.2012