Standort: help.ORF.at / Meldung: "Obst, Gemüse und der ökologische Fußabdruck "

Obst- und Gemüsestand am Wiener Naschmarkt

Obst, Gemüse und der ökologische Fußabdruck

Möglichst regional, möglichst saisonal, am besten bio: Für bewusste Konsumenten dürften diese Grundregeln für den nachhaltigen Einkauf nichts Neues sein. In welchem Ausmaß der eigene ökologische Fußabdruck durch die richtige Obst- und Gemüsewahl beeinflusst wird, dass der gelegentliche Verzicht auf Fleisch der Umwelt mehr dient als der Verzicht auf eingeflogene Weintrauben, und dass Produkte aus Glashäusern nicht per se abzulehnen sind, dürfte weniger bekannt sein.

Nachhaltigkeit

Obst, Gemüse, und der ökologische Fußabdruck: Um kein anderes Nachhaltigkeits-Thema ranken sich so viele Mythen, sagt Claudia Sprinz von Greenpeace. Zum Beispiel beim Vergleich der Energiebilanz von europäischen Lageräpfeln und frischen Äpfeln von der Südhalbkugel: "Die Universität Bonn hat in einer Studie frische Äpfel aus Südafrika oder Neuseeland mit regional produzierten Lageräpfeln aus Deutschland verglichen. Wenn man sich da die Energiebilanz anschaut, dann schneiden die regional produzierten Lageräpfel trotz des Energieaufwands für die Lagerung der Äpfel in der Wintersaison immer noch besser ab als die frischen Äpfel aus Neuseeland oder Südafrika."

Transportaufwand manchmal überschätzt

Bei Obst, das einmal um die halbe Welt gereist ist, lässt der lange Transportweg den ökologischen Fußabdruck wachsen. So weit, so logisch. Muss das Gemüse dagegen lediglich innerhalb eines Kontinents von A nach B gelangen, muss die Angelegenheit differenzierter betrachtet werden, sagt Claudia Sprinz: "Es wird der Transportaufwand, wenn das innerhalb Europas ist, weitestgehend überschätzt. Das heißt, der Transportaufwand macht am ökologischen Fußabdruck eines Produktes nur einen vergleichsweise geringen Anteil aus." Das wiederum heißt: eine heimische Tomate aus konventionellem Anbau ist einer spanischen aus biologischer Produktion unter Umständen unterlegen.

Link:

"In der biologischen Produktion werden weniger Mineraldünger eingesetzt, da werden weniger Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt, die auch mittels großer Energiemenge hergestellt werden müssen", sagt Sprinz. Weniger Pestizide und Herbizide wirken sich wiederum positiv auf die Artenvielfalt aus, was den ökologischen Fußabdruck noch ein wenig schrumpfen lässt.
Die Rechnung ist natürlich eine ganz andere, wenn der Transport per Flugzeug geschieht, dadurch verschlechtert sich die Ökobilanz der Produkte. Eine besondere Kennzeichnung für sogenanntes „Flug-Obst“ wird man im Supermarkt vergeblich suchen, hier hilft nur ein wenig Allgemeinbildung, sagt Greenpeace-Expertin Sprinz. Erdbeeren, Weintrauben und anderes Sommerobst können mitten im Winter nicht von unserer Hemisphäre stammen.

Am Wirkungsvollsten: Weniger Fleisch

Außer vielleicht, es handelt sich um Produkte aus dem Glashaus: Wenn diese mit erneuerbarer Energie, oder mit Abwärme, zum Beispiel aus einem Rechenzentrum geheizt werden, spricht nichts gegen sie. Stammt die Heizungsenergie dagegen aus fossilen Brennstoffen sind die Produkte aus Umweltschützerperspektive nicht empfehlenswert.

Wenn es darum geht den eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, ist die Vermeidung von weit gereistem oder konventionell angebautem Gemüse jedoch längst nicht die wirkungsvollste Maßnahme, sagt Claudia Sprinz. "Wenn man beispielsweise, so wie unsere Großeltern, nur noch einmal pro Woche Fleisch isst, oder vielleicht nur zwei- bis dreimal, kann man seinen ökologischen Fußabdruck generell bei der Ernährung reduzieren. Und wenn man dann ab und zu eine Mango isst, dann braucht man nicht sofort ein schlechtes Gewissen haben."

Mehr zum Thema:

11.08.2012