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Ein Mann, der ein TV-Gerät repariert

Akkus und die geplante Obsoleszenz

Neue Geräte halten oft nur einige wenige Jahre, sei es wegen eingeplanter Schwachstellen in Gehäusen oder Scharnieren oder durch die entsprechende Programmierung elektronischer Bauteile. Eine Verschwendung, die Umwelt und Verbraucher belastet und ausschließlich den Unternehmensbilanzen dient, sagen Aktivisten wie der deutsche Verschwendungsgegner Stefan Schridde. Ein sicheres Zeichen für geplante Obsoleszenz sind fest eingebaute Akkus. Mit einer neuen Aktion macht Schridde auf das Problem aufmerksam.

Nachhaltigkeit

Das Phänomen dürfte bekannt sein: Akku kaputt, Gerät kaputt. "Wir erleben, dass immer mehr Produkte so hergestellt werden, dass das Akku fest verbaut ist. Das ist offensichtlich geplante Obsoleszenz, denn hier führt die Lebenszeit des Akkus zur Begrenzung der Nutzungszeit des Produktes selber", kritisiert Stefan Schridde. Zum Beispiel Smartphones. Der Ausbau des Akkus stellte bei älteren Handys für kaum jemanden ein Problem dar, bei neueren Modellen ist das oft gar nicht, oder nur mit viel Mut und Spezialwerkzeug zu bewerkstelligen. Und selbst das nicht immer zerstörungsfrei, nicht einmal von Fachleuten.

Wenn der Akku den Geist aufgibt ist das Gerät selbst zwangsläufig ebenfalls reif fürs Recycling, eine Wiederbelebung ist oft ausgeschlossen, ein neues Produkt wird gekauft. Das, sagt Stefan Schridde, ist alleine dem Renditedruck der Unternehmen geschuldet. "Wenn Akkus dauerhaft halten, dann wäre das ja kein Thema. Aber Akkus halten eben nicht dauerhaft, die sind einem physischem Verschleiß ausgesetzt, das hat mit chemischen Dingen zu tun, und so gibt es erstens den normalen Akkuverschleiß und dann gibt es einen zweiten: es gibt technische Möglichkeiten sie in ihrer Nutzungsdauer zu begrenzen."

Zählchips legen Akkus lahm

Chips, die über Ladezyklen Buch führen sind bei den meisten akkubetriebenen Geräten üblich. Diese Chips können aber mehr als lediglich zählen, sagt Stefan Schridde, zum Beispiel können sie Akkus nach einer bestimmten Anzahl Ladezyklen für tot erklären. Auch, wenn dem Akkumulator nichts fehlt. Das klingt ein bisschen nach Verschwörungstheorie und ist gegenwärtig hauptsächlich Vermutung. Allerdings eine, die sich bald beweisen lassen wird, sagt Schridde, daran werde gearbeitet: "Ich habe gestern gerade mit einem sehr technisch versierten Unternehmen gesprochen, die sind in der Lage Chips auszulesen, und da muss man sehen, ob man dem auf die Spur kommen kann."

Forderungen an die Politik

Schridde hat der geplanten Obsoleszenz im Allgemeinen bereits mit seiner Plattform "Murks, nein Danke" den Kampf angesagt, jetzt widmet er dem Thema Akku einen eigenen Auftritt: Akkuskandal.de. User finden dort unter anderem eine Liste von Geräten mit fix eingebautem Akku, haben die Möglichkeit, und selbst solche Produkte zu melden. Akkuskandal.de stellt auch konkreter Forderungen an die Politik, die neue Seite startet rechtzeitig zum deutschen Bundestagswahlkampf.

In Deutschland ist die problemlose Entnehmbarkeit von Batterien und Akkus sogar gesetzlich vorgeschrieben. Mit dem deutschen Elektro- und Elektronikgeräte-Gesetz wurde europäisches Gemeinschaftsrecht umgesetzt. Im österreichischen Pendent dazu (kein Gesetz, sondern eine Verordnung) ist von Akkumulatoren oder Batterien kein Wort zu finden.

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27.10.2012