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Braune Hühnereier im Karton

Käfig oder Freiland: Welche Eier stecken im Gebäck?

Käfig, Boden- oder Freilandhaltung: Immer mehr Verbraucher interessieren sich dafür, woher die Eier stammen, die sie essen. Der Eierkarton im Kühlregal gibt auf den ersten Blick Auskunft darüber, in welcher Tierhaltung die enthaltenen Eier produziert wurden. Doch man erkennt meist schwer, welche Eier in gekauften Kuchen, Keksen und Co. stecken.

Tierhaltung

Seit 2012 sind in der Europäischen Union nur mehr ausgestaltete Käfige für Legehennen erlaubt – diese sind etwas größer als bisher und es gibt Sitzstangen und Nestflächen mit Einstreu. Immer noch zu wenig Platz, sagen Tierschützer. Bei der Bodenhaltung tummeln sich bis zu 9 Hennen auf einem Quadratmeter Stallboden. Freilandhaltung bedeutet, die Hühner haben untertags Auslauf im Freien. Bio-Legehennen haben am meisten Platz und bekommen ökologisch erzeugtes Futter.

Trockenei aus Übersee

Rund 233 Eier isst jede Österreicherin und jeder Österreicher im Jahr, das sagen Zahlen des Vereins für Konsumenteninformation. Ungefähr die Hälfte davon steckt in verarbeiteten Produkten wie in Keksen, Nudeln und Mayonnaise. Die Herkunft der Eier in solchen Lebensmitteln ist allerdings kaum zu durchschauen, sagt die VKI-Fachfrau für Ernährung Birgit Beck: "Hier hab ich als Verbraucher meist keine Möglichkeit festzustellen, wie die Henne gehalten wurde. Dazu kommt, dass Eier importiert werden, und dass vor allem günstige Eiprodukte importiert werden, also das heißt entweder Flüssigei oder Trockenei, und insbesondere das Trockenei, das in die Lebensmittelindustrie geht, kommt meist aus Übersee, wo Käfighaltung Standard ist, und ist so das Billigste vom Billigen im Zusammenhang mit Eiern."

Könnte man nicht einfach zu Produkten greifen, die die Bezeichnung "Hergestellt in Österreich" tragen? Schließlich ist die konventionelle Käfighaltung hierzulande verboten. Leider nein, sagt Birgit Beck: "Das ‚Hergestellt in Österreich‘ hilft überhaupt nichts, weil es eben nur heißt, es ist in Österreich produziert worden. Das sagt aber nichts über die Rohstoffe aus. Das heißt, das Trockenei kann genauso aus Übersee kommen."

Keine Kennzeichnungspflicht

Bei verarbeiteten Produkten ist keine Kennzeichnung der Herkunft vorgeschrieben. Jegliche Angaben des Herstellers sind freiwillig. Der VKI hat bei den großen Supermarktketten nachgeforscht, sagt Beck: "Und da ist herausgekommen, dass es ein Problembewusstsein gibt, und dass die meisten Supermärkte zumindest bei den Handelsmarken, also sprich bei den eigenen Marken versuchen, umzustellen oder überhaupt schon umgestellt haben. Ausgelobt ist meist nur die Freilandhaltung, aber sie versuchen eben die Eier aus ausgestalteten Käfigen komplett rauszukriegen. Auskünfte über andere Marken haben wir nicht bekommen, hier zahlt es sich aber aus für Konsumenten, entweder die Etiketten genau zu lesen, ob es eine freiwillige Kennzeichnung gibt, oder halt dann wirklich die Hersteller zu fragen, woher die Eier stammen."

Auch sieben heimische Großbäckereien haben die Verbraucherschützer angeschrieben. Alle gaben an, nur Eier aus Bodenhaltung und keine Käfigeier zu verwenden. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte sich im Bioregal bedienen, sagt die VKI-Projektleiterin Birgit Beck: "Über den Umweg des Bioproduktes hab ich die einzig gesetzlich verpflichtende Kennzeichnung von der Haltungsform, weil ich weiß, jedes Produkt aus biologischer Landwirtschaft enthält Eier von Hennen aus biologischer Haltung inklusive Freilandhaltung."

Gütesiegel und Eier-App

Es gibt auch einige Gütesiegel, die eine Orientierung bieten können: Das AMA-Gütesiegel, auch das für Gastro- und Handwerksbetriebe, steht für Eier aus Österreich. Zunehmend findet sich auch das AgroVet-Siegel auf Verpackungen, das die gesicherte Herkunft von Eiern garantiert. Und die Tierschutzorganisation Vier Pfoten bietet eine App für Smartphones an, mit der man den Barcode von Produkten einscannen kann. Damit erhält man Auskunft, aus welcher Haltungsform die verarbeiteten Eier stammen.

16.11.2013