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Silvester-Feuerwerkskörper werden zum Verkauf angeboten

Silvesterfeuerwerk: Unfallfrei ins Neue Jahr

Der Jahreswechsel naht und damit das traditionelle Feuerwerk. Doch Sorglosigkeit und nicht sachgerechter Umgang mit Knallern, Böllern und Raketen führen oft zu lebensgefährlichen Verletzungen. Jedes Jahr sind rund 600 Personen betroffen. Die Opfer sind meist männlich und in vielen Fällen jünger als 15 Jahre.

Es kracht, ist bunt und schön anzusehen, und obwohl das Silvesterfeuerwerk auch wegen der Arbeitsbedingungen in der Produktion in der Kritik steht, gehört es für viele Menschen zum Jahreswechsel wie Bleigießen und Walzertanzen. Doch aus dem Spaß wird allzu oft bitterer Ernst. Rund 600 Menschen müssen jedes Jahr wegen Verbrennungen, Hörschäden oder schwerer Verletzungen in einem Krankenhaus behandelt werden.

Fehlendes Gefahrenbewusstsein

Bei Testkäufen schickte das Kuratorium für Verkehrssicherheit Kinder und Jugendliche zwischen elf und 15 Jahren los, um Silvesterraketen zu kaufen. Jeder dritte Einkauf im Fachhandel gelang, die Kinder bekamen ohne einen Ausweis herzeigen zu müssen Produkte, die sie eigentlich nicht bekommen dürften. Othmar Thann, Direktor des KfV fordert mehr Kontrolle: "Wir haben sehr gute Regelungen etwa im Raucherbereich, im Tabakbereich. Hier gibt’s Automaten, die alle Stückerln spielen, damit verhindert wird, dass ein Jugendlicher oder ein Kind an Zigaretten kommt. Wenn wir im Pyrotechnikbereich nur die Hälfte davon hätten, dann hätten wir einen Rückgang bei den Verletzten um 50%."

Es gehe aber auch um Bewusstseinsbildung: "Ein verlorener Arm, Blindheit, Taubheit, verlorene Finger – das bedeutet für einen 12-Jährigen eine große Benachteiligung in der Gesellschaft."

Wer darf was kaufen?

Der Besitz und Verkauf von Feuerwerk und Böllern ist in Österreich streng geregelt, sagt der Pyrotechnikexperte der Cobra, Thomas Csengel, wer sich nicht dran hält, der zahlt: "Das Pyrotechnikgesetz sieht Verwaltungsstrafen, also Geldstrafen, für Verbraucher bis zu 3.600 Euro vor bzw. für Händler bis zu 10.000 Euro im Zusammenhang mit dem Verkauf."

Im Stadtgebiet ist eigentlich so gut wie gar nichts erlaubt, außer Produkte der Klasse F1, das sind zum Beispiel Tischfeuerwerke. Das wars dann aber auch: "Die Silvesterfeuerwerkskörper fallen in die Kategorie F2, das Mindestalter ist hier bei 16 Jahren angesetzt, darunter fallen eben Silvesterraketen, Feuerwerksbatterien und dergleichen."

Versicherung zahlt nicht immer

Wer dafür haftet, wenn sich jemand mit Böllern oder Silvesterkrachern verletzt, ist nicht immer ganz klar, sagt Peter Thirring vom Versicherungsverband: "Wenn ein Sachschaden entsteht, der durch einen Dritten verursacht wird, dann ist das natürlich durch die jeweilige Versicherung (Haushaltsversicherung, Eigenheimversicherung, etc.) gedeckt, allerdings wird die Versicherung, wenn es einen Schuldigen gibt, versuchen zu regressieren. Bei den Unfällen, wenn sich sozusagen jemand selbst verletzt durch grobe Fahrlässigkeit, dann würde die Versicherung nicht bezahlen."

Feuerwerk ist Männersache

Gefährdet sind jedenfalls vor allem Männer, rund 97 % der Verletzten sind männlich. Warum ist das so? Othmar Thann vom KfV: "Wir sind offensichtlich noch sehr archaisch geprägt, wir mögen alles was laut ist und was Feuer bedeutet, wollen Aufmerksamkeit auf uns ziehen, das ist offensichtlich ein männliches Gen, das wir sehr stark in uns haben. Und wir vergessen dabei, das Risiko abzuschätzen, wir sind fast blindlings unterwegs. Offensichtlich haben wir hier noch einen gewissen Aufholbedarf und es hat sich auch in den letzten zehn Jahren nichts geändert."

Sicherheit geht vor

Ein Großteil der Unfälle könne jedenfalls vermieden werden, und zwar mit ganz einfachen Maßnahmen, sagt Thomas Csengel: "Wir empfehlen grundsätzlich, pyrotechnische Erzeugnisse nur im Fachhandel zu kaufen, achten Sie auf die entsprechenden Prüf und Zulassungszeichen, das sind zum Beispiel ein CE-Kennzeichen oder eine BAM-Nummer (Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung Berlin), das sind anerkannte Zulassungszeichen hier in Österreich."

Außerdem den Sicherheitsabstand einhalten, eine gute Halterung für die Raketen bauen, Blindgänger kein zweites Mal anzünden, Kinder nur unter Aufsicht mit Böllern und Krachern hantieren lassen, und auch nur mit solchen, die auch für dieses Alter zugelassen sind. Oder einfach aufs Feuerwerk verzichten und den Jahreswechsel zwar nicht ganz so spektakulär, aber dafür unfallfrei genießen.

28.12.2013