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Frau mit vielen vollen Einkaufssackerln

VKI kritisiert "Reinigungsprozess" bei Lyoness

Geld bei Partnerunternehmen ausgeben und Prozente gut geschrieben bekommen. So funktioniert die sogenannte Cash Back Card der Einkaufsgemeinschaft Lyoness mit Sitz in Graz. In der Vergangenheit war Lyoness immer wieder mit Klagen von Mitgliedern konfrontiert. Sie hatten als Business- oder Premiummitglieder Geld für Warengutscheine angezahlt. Den Initiatoren zufolge sollten sie als Unternehmer in einem eigenen Strukturvertrieb tätig werden. Viele haben das nicht verstanden und wollten ihr angezahltes Geld zurück. Im vergangenen Jahr hat Lyoness angekündigt, mit Altlasten aufzuräumen und Geld zurück zu zahlen. Das sei nun Großteils abgeschlossen, heißt es von Unternehmensseite. Der Verein für Konsumenteninformation sieht das anders.

Einkauf

Ein 20.000-Euro-Gutschein für ein Möbelhaus, für den man nur 2.000 Euro anzahlen muss. Das klingt verlockend. So könnte man etwa eine neue Küche zum Bruchteil ihres Preises kaufen. "Der Restbetrag von 18.000 Euro soll aus Einkäufen Dritter lukriert werden. Jeder muss das System anderen empfehlen, weil man an den Rabatten, die Partnerunternehmen Dritten bei Einkäufen gewähren, mitpartizipieren kann, " erklärt der auf Lyoness spezialisierte Anwalt Eric Breiteneder.

Undurchschaubares System

Keiner seiner 313 Mandanten in der Causa Lyoness habe die versprochenen Vorteile bekommen, keiner habe das System verstanden. Juristin Ulrike Wolf vom Verein für Konsumenteninformation kann das nachvollziehen: "Auch ich durchschaue zum Teil nicht wie das funktioniert. Ich soll halt andere Leute anwerben, die auch wieder in dieses Businesssystem einsteigen und dann bekomme ich Positionen und kann aus den Nachrückenden, die ich anwerbe irgendwie Erträge erwirtschaften."

Mittlerweile hätten schon vier Gerichte in Österreich diese Lyoness Businessmitgliedschaft rechtskräftig als Schneeballsystem bewertet, so Breiteneder. Lyoness habe zwar Berufung angekündigt, letzten Endes den Weg in die zweite Instanz aber immer gescheut. Sogar eingebrachte Berufungen seien zurückgezogen worden, um ein richtungsweisendes, zweitinstanzliches Urteil zu vermeiden. Im Schnitt hätten seine Mandanten 5.000 bis 6.000 Euro bei Lyoness angezahlt. In Summe hätten sie bisher mehr als eine halbe Million Euro zurückbekommen, so Breiteneder.

Lyoness-Angebote "unbefriedigend"

Obwohl Lyoness angekündigt hat, mit Altlasten aufzuräumen, melden sich beim Verein für Konsumenteninformation nach wie vor Lyoness- Mitglieder, die sich geschädigt fühlen. Sie wollen aus dem komplexen System aussteigen. Wer die gesamte angezahlte Summe zurück will, werde dazu gedrängt, zu klagen. Das sei unbefriedigend, kritisiert VKI-Juristin Wolf. "Die erzählen mir, dass sie nur mit 50 Prozent abgespeist werden sollen, mit einer Verzichtserklärung. Das heißt, sie würden dann auf 50 Prozent verzichten. Es hat manche gegeben, denen 75 Prozent angeboten wurden, die auf 25 Prozent verzichten sollten und das kann ich nicht als Sanierung von Altlasten sehen."

Die unterschiedlichen Angebote an unzufriedene Mitglieder ergeben sich aus den individuellen Fällen, heißt es von Lyoness. "Hier gilt es dann natürlich individuell zu klären, wie ist die Situation, warum möchte jemand sein Geld zurückhaben, ist er nicht erfolgreich im Vertrieb, war er nicht erfolgreich im Vertrieb. Das sind alles Kriterien, die man dann natürlich auch zu Grunde legen muss und es eine kulante Lösung gibt und das tun wir", sagt Lyoness-Sprecher Mathias Vorbach.

Verbraucher oder Unternehmer?

Warum eine Kulanz überhaupt notwendig ist, ist für Wolf nicht nachvollziehbar: " Wir haben ja schon mehrere rechtskräftige Entscheidungen und dort wird überall, durchgängig von den Gerichten das Rücktrittsrecht zuerkannt. Wenn ich ein Rücktrittsrecht habe, dann kann und darf Lyoness keinen Abzug machen und schon gar nicht eine Kulanz." Die meisten Rechtsstreitigkeiten mit Lyoness haben sich darum gedreht, ob die Personen, die in das System eingezahlt haben, Verbraucher oder Unternehmer sind. Geht es nach dem VKI sind sie Konsumenten. "Wir sprechen hier nicht über Konsumenten, sondern über Unternehmer. Das sind Mitglieder, die im Strukturvertrieb bei uns aktiv sind, teilweise mit Firmen-ID," entgegnet Lyoness-Sprecher Vorbach.

Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt

Bei Lyoness will man grundsätzlich nicht kommentieren wie vielen ehemaligen Mitgliedern bisher Geld zurückgezahlt wurde und um welche Summe es sich dabei handelt. Ein Großteil der Altlasten sei aber erledigt. Der Abschluss mit dem Alten wird aber wohl noch etwas dauern. Der VKI hat vor gut einem Jahr eine Verbandsklage eingeleitet, mit der man gegen "intransparente, gesetzwidrige Klauseln von Lyoness vorgeht". Auf strafrechtlicher Seite ermittelt die Wirtschafts-und Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen Lyoness wegen des Verdachts auf Betrug und Pyramidenspiel. Vorwürfe, die Lyoness bisher stets vehement zurückgewiesen hat.

16.08.2014