Standort: help.ORF.at / Meldung: "Strategien gegen Waren mit geplanter Obsoleszenz"

Waschmaschine mit Buntwäsche

Strategien gegen Waren mit geplanter Obsoleszenz

An Produkte, die schon wenige Jahre nach dem Kauf den Geist aufgeben, hat man sich schon fast gewöhnt. Dahinter stecke reine Absicht, wie es Verbraucheraktivisten wie Stefan Schridde kritisieren. "Geplante Obsoleszenz" nennt sich das im Jargon. Völlig hilflos sei man dem als Verbraucher aber nicht ausgeliefert, so Schridde, der in einem neuen Buch Tipps gibt, um Produkte mit eingebautem Ablaufdatum schon vor dem Kauf zu erkennen.

Buch

Kaum einer kennt es nicht: die Waschmaschine, die prompt nach Ablauf der Garantie nicht mehr schleudert, der Drucker, der, gerade noch einwandfrei, plötzlich streikt, der Fernseher, der nur wenige Jahre alt ist, aber dunkel bleibt. Solcher "Murks", wie es Schridde auch im Titel seines Buches "Murks? Nein Danke! Was wir tun können, damit die Dinge besser werden" nennt, lauert ihm zufolge überall.

"Das fängt bei Schuhen an, mit Sohlen, die sich vorzeitig lösen, bei Textilien mit schlechten Zwirnen in den Nähten, und geht weiter bei Haushaltsgeräten, Unterhaltungselektronik, Computern, Handys, Trafos (Transformatoren, Anm.), ebenso bei Dingen, die wir im Auto haben, wie Navigationsgeräten. Wir finden Schrottprodukte im ganzen Sortiment. Nicht bloß bei billigen, sondern auch bei teuren Produkten", so der Betriebswirt und Konsumentenaktivist.

Ingenieure bestätigen absichtliche Kurzlebigkeit

Ingenieure hätten ihm bestätigt, dass sie den Begriff der "geplanten Verbrauchsdauer" kennen würden und beispielsweise Computerbauteile bewusst so planen könnten, dass diese in etwa zeitgleich den Dienst versagen, so Schridde. "Ingenieure wurden schon im Bewerbungsgespräch darauf hingewiesen, dass der Hersteller bewusst seine Produkte nicht haltbar plant, weil man ja seinen hohen Umsatz halten wolle." Man könnte also durchaus Bauteile produzieren, die 30 Jahre oder länger halten.

Eine häufige Schwachstelle sind Elektrolytkondensatoren (Elkos), die in den meisten elektronischen Geräten verbaut sind. Diese vertragen keine Hitze, zehn Grad mehr Wärme verkürzen die Lebensdauer eines Kondensators laut dem Autor um etwa die Hälfte: "Wenn dann ein solcher Elko auf einer Platine neben einem hitzeabgebenden Bauteil, zum Beispiel einer passiven Kühlung, die die Hitze von anderen Teilen abgibt, positioniert wird, also genau dort, wo es eben nicht hingehört - dann erkennt man, dass in der Produktentwicklung offensichtlich gewollt unterlassen wurde, sich hier die Frage zu stellen, warum man den Bauteil gerade hier und nicht an einer besseren Stelle platziert hat."

Beschränkte Haltbarkeit werde also mutwillig in Kauf genommen. Der Grund sei reine Profitgier. Investoren erwarten heutzutage Schridde zufolge eine Rendite von 40 bis 60 Prozent. Standorte, die 20 Prozent oder weniger liefern, würden geschlossen: "Diese Gewinngier sorgt dann eben dafür, dass Produkte immer mehr in einen Markt drängen, der sich zu einer regelrechten Innovationsschlacht im Regal entfaltet hat und dafür sorgt, dass die Produkte möglichst kurzlebig sind. Neue, angeblich innovative Produkte sind letztendlich nur eine Variation im Design, um Neukäufe auszulösen.“

Langlebige Produkte fördern Regionalwirtschaft

Die Argumentation, es müsse produziert werden und der Konsum am Laufen gehalten werden, langlebige Produkte würden außerdem Arbeitsplätze gefährden, lässt Schridde nicht gelten: "Das ist eine typische Nebelkerze. Wir haben das im vergangenen Jahr mittels einer Studie für die Grünen im Bundestag gezeigt, was passiert, wenn Produkte länger halten. Da bleibt ja Geld übrig, weil wir nicht schon wieder etwas neu kaufen müssen. Was machen wir mit dem Geld, das übrig bleibt? Das schmeißen wir ja nicht weg, sondern entscheiden uns dann vielleicht dafür, uns regionale Mahlzeiten zu leisten oder das Kind in den Geigenunterricht zu schicken."

Buchhinweis

Stefan Schridde: Murks? Nein Danke! Was wir tun können, damit die Dinge besser werden, oekom verlag, 256 Seiten, 19,95 Euro.

So gesehen sei Haltbarkeit vielmehr ein regionaler Konjunkturimpuls als ein Arbeitsplatzvernichter: "Derjenige, der sagt, 'wenn alles lange hält, kauft keiner mehr was', meint sich selbst - nämlich, 'bei mir kauft keiner mehr was'", so Schridde weiter.

"Schrottprodukte" erkennen und vermeiden

In seinem Buch gibt Schridde zahlreiche Tipps, wie der Konsument kurzlebige Produkten schon vor dem Kauf erkennen und deren Erwerb vermeiden kann: "Zunächst sollte man sich beim Einkauf immer alles zeigen lassen, zeigen lassen, wie man etwas öffnen kann. Man sollte fragen, ob Ersatzteile verfügbar sind oder wie man den Akku tauschen kann."

Die wichtigste Frage, die sich ein mündiger Bürger jedoch stellen sollte, sei: "Warum kaufe ich schon wieder etwas neu? Gebrauchte Produkte, die repariert oder in Stand gesetzt worden sind, halten oft länger als neue Produkte. Gerade im Haushaltsgerätebereich. Hier müssen wir uns auch kritisch fragen: Warum nehmen wir unsere Zeit nicht dafür, mit dem Geld mehr Freizeitfreuden mit unseren Kindern zu erleben, als schon wieder Dinge neu zu kaufen, die wir vielleicht schon längst zu Hause haben."

27.09.2014