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Ausschnitt eines Autos

Hund überfahren – wer zahlt?

Ein Hund wird von einem Auto angefahren, der Tierarzt kann ihn nicht mehr retten und das Tier erliegt kurze Zeit später seinen Verletzungen. Auf den ersten Blick haben die Hundehalter einen traurigen Verlust erlitten, ideell wie finanziell. Doch haben die Besitzer auch Anspruch auf Schadenersatz?

Haustiere

Ob der Fahrzeuglenker bzw. seine Versicherung zahlen muss, hängt von den genauen Umständen des Unfalls ab. War der Hund nicht entsprechend "verwahrt", haben Herrchen und Frauchen schlechte Karten.

Unfall vor der Haustüre

Der neun Monate alte Beagle von Frau P. holte ihren Sohn wie jeden Tag vom Schulbus ab. Die Bushaltestelle ist nur wenige Meter vom Bauernhof der Familie entfernt und liegt an einer Straße mit wenig Verkehr. Dann kam es zu einem Unfall. Die Briefträgerin kam zur selben Zeit wie der Bus und übersah den Hund, schreibt Frau P. an die Help-Redaktion: "Sie wich angeblich dem Bus aus und beim anschließenden Zurückschieben hat sie dann unseren Hund überfahren."

Der Tierarzt konnte dem Hund nicht mehr helfen. Die Postbeamtin hatte zunächst zugesichert, die Kosten für das Tier selbst zu übernehmen, hat den Fall dann aber doch ihrer Versicherung übergeben, schildert Frau P. weiter. Diese Haftpflichtversicherung lehnt es jedoch ab, den Kaufpreis des Tieres zu erstatten, denn der Hund sei nicht "entsprechend verwahrt" gewesen.

Schwierige Schuldfrage

Der Versicherer bietet an, als Zeichen guten Willens, die Tierarztkosten zu übernehmen. Ein Angebot, mit dem Frau P. nicht zufrieden ist. Denn abgesehen vom ideellen Wert, den der Hund für die Familie hatte, gibt es auch einen finanziellen Verlust. Bei dem Tier handelte es sich um einen reinrassigen Beagle mit einem Kaufpreis von 480 Euro. "Wir vermuten jetzt einmal, dieser Betrag hat die Versicherung abgeschreckt. Und auch vom großzügigen Angebot, den Hund zu zahlen, ist dementsprechend nichts geblieben", schreibt Frau P. weiter.

Wie sieht die Rechtslage in diesem Fall also aus? Nicht so eindeutig, wie es sich Familie P. wünschen würde. Denn Hundehalter haben die Pflicht, ihre Haustiere ordnungsgemäß zu verwahren, um zu verhindern, dass Dritte geschädigt werden, sagt der Jurist Martin Hoffer vom ÖAMTC: "Tierbesitzer haben dafür zu sorgen, dass die Tiere keinen Schaden anrichten bzw. selbst nach Möglichkeit keinen Schaden erleiden". Umgekehrt muss jemand, der ein Tier schädigt, Schadenersatz leisten. Hat der Tierhalter aber seine Sorgfaltspflichten verletzt, kann auch für ihn ein Haftungsanspruch entstehen.

Geteilte Verantwortung

In dem konkreten Fall von Familie P. steht die Sorgfaltspflicht der Hundebesitzer der grundsätzlichen Betriebsgefahr des KFZs gegenüber. In solchen Fällen, bei denen die Schuld nicht zweifelsfrei geklärt werden kann, sieht der Gesetzgeber vor, die Verantwortung zu teilen. Das Angebot der Versicherung, ausschließlich die Tierarztkosten übernehmen zu wollen, könnte dementsprechend durchaus gerechtfertigt sein, sagt Martin Hoffer: " Ich verstehe natürlich die Betroffenheit der Tierbesitzerin. Auf der anderen Seite muss man auch anerkennen, dass eben die Versicherung hier ein Angebot gemacht hat, dass durchaus geeignet erscheint, einen gewissen Interessenausgleich herbeizuführen."

07.02.2015