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Schlechte Testergebnisse für Kinderwägen

Die deutsche Stiftung Warentest hat 14 Kinderwägen getestet. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus, wie das in Kürze erscheinende Magazin "Konsument" berichtet. Nur ein Kinderwagen wurde mit "gut" bewertet, drei mit "durchschnittlich", der Rest mit "weniger zufriedenstellend" oder "nicht zufriedenstellend".

Sicherheit

Einen Kinderwagen vom Säuglings- bis zum Kleinkindalter bieten mittlerweile viele Hersteller an. Zuerst wird der Tragetaschen-Aufsatz verwendet, danach der Sitz. In ihrem Test hat die Stiftung Warentest Modelle in einer Preisspanne von 350 bis 1350 Euro untersucht.

Gefährliche Schadstoffe

Ausgerechnet der teuerste Kinderwagen, der "Trailz" von Stokke, hat mit 14 von 100 Prozentpunkten am schlechtesten abgeschnitten, denn im Griff entdeckten die Tester hohe Schadstoffbelastungen. "Es wurden kurzkettige Chlorparaffine festgestellt und die können über die Haut aufgenommen und über die Muttermilch an das Kind weitergegeben werden", sagt Christian Undeutsch vom Verein für Konsumenteninformation, der mit der deutschen Stiftung Warentest kooperiert. In der EU ist die Substanz seit 2012 verboten, weil sie im Verdacht steht, krebserregend zu sein. "Eigentlich hätte dieser Kinderwagen gar nicht in Verkehr gebracht werden dürfen", so Undeutsch. Die Stiftung Warentest hat den Hersteller Stokke mit ihren Testergebnissen konfrontiert, woraufhin der Hersteller den Kinderwagen zurückgerufen hat - mit der offiziellen Begründung, es habe einen technischen Mangel gegeben.

Geringe Mengen Chlorparaffin wurden auch in den Griffen der getesteten Kinderwägen von Bugaboo und Maxi Cosi gefunden. Ihr Testergebnis fiel "wenig zufriedenstellend" aus. Im Bezugsstoff des Joolz-Modells konnten die Konsumentenschützer polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe nachweisen, darunter eine krebserregende Substanz - daher die Note "nicht zufriedenstellend".

Oft nicht genug Platz

Ein weiteres Qualitätskriterium im Test war die Größe der Liegefläche. "Es hat sich herausgestellt, dass die Tragetaschen entweder zu eng oder zu kurz sind, oder im schlimmsten Fall beides. Man geht hier von einem Richtwert von zirka 35 mal 78 Zentimetern aus, so dass das Kind bequem liegt, auf der Seite die Arme ablegen kann und nicht mit den Füßen anstößt, um nicht im Schlaf gestört zu werden", so Undeutsch. Hier konnte das Testsiegermodell "GO" des Herstellers Britax punkten.

Kinderwagen sollte "mitwachsen"

Sobald die Tragetasche zu klein wird, kann auf allen getesteten Modellen ein Sitz montiert werden. Für den Fall, dass das Baby zu diesem Zeitpunkt noch nicht sitzen kann, sollte der verstellbar sein. "Da muss man darauf achten, dass sich der Sitz sehr flach einstellen lässt, dass das Kind noch liegt, solange es nicht aufrecht sitzen kann. Bei einigen Modellen lässt sich das nicht einstellen", erläutert der Konsumentenschützer. Nachdem die meisten der getesteten Kinderwägen bis zum Alter von dreieinhalb Jahren geeignet sind, sollten sie auch mitwachsen. Gemeint sind etwa höhenverstellbare Fußstützen. "Nur bei vier Modellen lassen sich die Fußstützen einstellen, bei den Modellen von Gesslein, Hartan, Joolz und Stokke. Alle anderen lassen sich nicht verstellen", sagt Undeutsch.

Komfort für Eltern

Nicht nur der Nachwuchs sollte bequem liegen und sitzen, auch die Eltern wollen sich beim ausgedehnten Spaziergang mit dem Kinderwagen wohlfühlen. Dazu gehört, dass man nicht bei jedem Schritt mit dem Fuß am Wagen anstößt und der Griff je nach Körpergröße höhenverstellbar ist. Bei sehr vielen Modellen ist das laut Test nicht der Fall. "Entweder sie lassen sich nur wenige Zentimeter höher verstellen oder sie lassen sich gar nicht verstellen. Gerade für großgewachsene Eltern ist es schwierig, einen guten Kinderwagen zu finden, den sie wirklich bequem schieben können", sagt Undeutsch. Nur die Wagen der Hersteller Gesslein und Stokke eignen sich für klein- und großgewachsene Eltern. Für die Wahl des Kinderwagens sind letztlich die persönlichen Prioritäten entscheidend. Wer ein kleines Auto hat, wählt den Kinderwagen, der sich klein zusammenlegen lässt und in den Kofferraum passt. Wer im vierten Stock ohne Lift wohnt, wählt ein Modell, bei dem sich die Tragetasche einfach rausklippen und komfortabel tragen lässt.

21.02.2015