Standort: help.ORF.at / Meldung: "Betrüger geben sich als Airbnb-Mitarbeiter aus"

Ein Mann zückt seine Kreditkarte zum Einkaufen im Internet.

Betrüger geben sich als Airbnb-Mitarbeiter aus

Im Urlaub nicht in einem Hotel oder einer Pension abzusteigen, sondern sich stattdessen eine Privatunterkunft zu suchen, liegt im Trend. Vermittlungsplattformen wie Airbnb erfreuen sich großer Beliebtheit. Dieser Erfolg zieht auch Betrüger an, wie ein aktueller Fall zeigt: Einer Person, die sich als Mitarbeiter von Airbnb ausgegeben hat, ist es gelungen, sowohl die Vermieterin als auch die Kundin zu täuschen. Die Folge: Die Miete, mehr als 1.000 Euro, ist weg.

Urlaub

Hotels in Venedig sind nicht günstig, deswegen hatte sich Frau P. dort nach einer Privatunterkunft umgesehen. Auf der Internetplattform Airbnb wurde sie fündig: eine großzügige Wohnung mit drei Schlafzimmern. Kostenpunkt: 1260 Euro für sechs Personen und drei Nächte. Einen Monat vor der Anreise erhält sie plötzlich eine automatisierte Nachricht von Airbnb. Die Reservierung wurde storniert. "Ich habe daraufhin die Vermieterin kontaktiert, die nichts von der Stornierung wusste", schreibt Frau P. an die Help-Redaktion. "Zwanzig Minuten später hat sie mir dann eine Nachricht von einem gewissen Antonio weitergeleitet, der sie im Namen von Airbnb kontaktiert hatte."

Angeblicher Fehler im Computersystem

Die Erklärung von "Antonio" klang durchaus plausibel: Eine Fehler im Computersystem habe dazu geführt, dass alle Reservierung storniert wurden. Die Kreditkartenzahlung über Airbnb würde dementsprechend auch nicht funktionieren und der bereits abgebuchte Betrag zurücküberwiesen. Aber, die Kunden hätten die Möglichkeit, ihre Reservierung dennoch wahrzunehmen. Sie müssten die Miete nur stattdessen so schnell wie möglich auf ein anderes Bankkonto überweisen. Für die Unannehmlichkeiten würde Airbnb einen Nachlass von zehn Prozent gewähren. Die Vermieterin solle diese Information an alle Betroffenen weiterleiten.

Statt Kreditkarte: Konto in England

Am selben Tag kontaktierte "Antonio" Frau P. dann direkt per Mail. Sie erhielt zwei Nachrichten: In der ersten wurde sie gefragt, ob sie die Reservierung aufrechterhalten und den Betrag auf ein Bankkonto überweisen wolle. Frau P. stimmte zu. In der zweiten Email erhielt sie dann sämtliche Daten zu einem Konto bei der englischen Bank Barclays. "Ich habe die 1134 Euro sofort via online-Banking überwiesen", schreibt sie weiter.

Kurz danach kamen Frau P. Zweifel. Zwar zeigten alle Emails von "Antonio" das Logo von Airbnb, doch die Adresse endete auf eu-airbnb.com und nicht wie sonst nur auf airbnb.com. Frau P. kontaktierte das Unternehmen, das ihr zwar die Stornierung bestätigte, jedoch sofort darauf hinwies, dass es Zahlungen immer nur über Kreditkarte abwickle. Sie solle versuchen, die Überweisung zu stoppen.

Meldung bei Bank und Polizei

Frau P. erstattete daraufhin Anzeige bei der Polizei, kontaktierte ihre Bank in Wien und Barclays in London. "Mein Bankberater hat mir keine große Hoffnung gemacht, dass sie das Geld zurückholen könnten", schreibt Frau P. Doch Barclays habe den Fall an ihre Betrugsabteilung weitergeleitet und um alle Details zu dem Fall gebeten. Sollten sich der Betrug bestätigen, dann würden sie das Konto einfrieren und die Zahlung erstatten. Ob die Banken den Betrag von mehr als 1.000 Euro sicherstellen können, ist bis dato unklar.

Airbnb erstattet den Schaden

Wir haben bei Airbnb nachgefragt, wie es zu diesem Betrug kommen konnte. Die Internetplattform schickte uns daraufhin eine Stellungnahme: Die Kundin bekommt die betrügerisch erwirkte Zahlung voll rückerstattet. Die ursprüngliche Reservierung ist wieder aufrecht. Und man hat Frau P. eindrücklich daraufhin gewiesen, zukünftig jede Kommunikation mit Vermietern, Airbnb selbst und alle Zahlung nur über die Plattform abzuwickeln. Zur Frage, wie es überhaupt zu der Stornierung und damit zu diesem Betrug kommen konnte, wollte Airbnb nicht Stellung beziehen.

Wie man solchen Betrügern aus dem Weg geht

Den genauen Tathergang kann sich auch Bernhard Jungwirth vom Internetombudsmann nicht erklären. Vergleichbare Betrugsfälle im Zusammenhang mit Airbnb sind in Österreich bis dato nicht bekannt. Auch er spricht die Empfehlung aus, alle Vorgänge im Zusammenhang mit einer solchen Buchung ausschließlich über die online-Plattform abzuwickeln. Sich also wirklich immer selbst in die Plattform einzuloggen und selbst die Webadresse in den Browser einzugeben. "Man sollte tunlichst nicht auf irgendwelche Links in Emails klicken, nur dann ist man wirklich auf der sicheren Seite", erläutert Bernhard Jungwirth weiter.

Wenn man personalisierte Emails erhält, die in Zusammenhang mit einer solchen Buchung stehen, dann sollte man immer auch die Adresse genau kontrollieren. Oft handelt es sich nur um kleine Abweichungen von der offiziellen Domain. Das kann aber ein wichtiger Hinweis auf einen Betrugsversuch sein, sagt Jungiwrth: "Und da heißt es dann schon hellhörig werden und diese Emails am besten ignorieren."

20.04.2015