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Falsche Abbuchungen: Wie man sein Geld zurückholt

Wer mit Kredit- oder Bankomatkarte oder per Einziehungsauftrag zahlt, gibt die Kontrolle über das Konto bis zu einem gewissen Grad ab. Die Posten auf den Auszügen sind nicht immer nachvollziehbar - und manchmal tatsächlich unberechtigt. "Help" hat recherchiert, wie Überweisungen und Abbuchungen rückgängig gemacht werden können.

Geld

Bereits vom Konto abgebuchtes Geld zurückholen: Am einfachsten gehe das bei einem Lastschriftverfahren, sagt Bernd Lausecker, Bankexperte vom Verein für Konsumenteninformation (VKI): "Bei der Lastschrift habe ich, auch wenn ich eine Genehmigung erteilt habe, acht Wochen Zeit, eine Abbuchung zurückzuziehen - und zwar ohne Angabe von Gründen. Wenn die acht Wochen vorbei sind, dann ist es leider zu spät, dann muss ich mich an den Zahlungsempfänger wenden."

In jedem Fall Bank kontaktieren

Den Kontakt mit der Bank zu suchen sei aber auch vor Ablauf der achtwöchigen Frist eine gute Idee, so Lausecker. Zwar koste es an sich nichts, eine Lastschrift zurückzunehmen, waren die Ansprüche allerdings berechtigt, könnte es teuer werden: "Dann wird natürlich der Zahlungsempfänger wiederkommen und nicht nur den Lastschriftbetrag, sondern die ihm entstandenen Kosten für die Rückgabe in Rechnung stellen." Kosten entstehen übrigens auch, wenn ein Einziehungsauftrag nicht durchgeführt werden kann, weil zu wenig Geld am Konto ist.

Nicht möglich ist es außerdem, nur Teile der Abbuchung zurücknehmen. Man muss also die gesamte Abbuchung rückgängig machen, selbst wenn Teile davon gerechtfertigt sind. Lausecker empfiehlt daher unbedingt, sich mit dem Zahlungsempfänger in Verbindung zu setzen - wie auch bei allen anderen unklaren Abbuchungen vom Konto.

Überweisung & Co. schwierig

Bei Überweisungen gilt im Unterschied zu Einziehungsaufträgen keine achtwöchige Einspruchsfrist. Für Konsumentinnen und Konsumenten sei das allerdings nicht immer sofort erkennbar, so Lausecker: "Vieles erscheint auf den ersten Blick wie eine Lastschrift, zum Beispiel, wenn ich online kaufe oder mit der Bankomatkarte an einer Kasse zahle - das sind aber rein technisch gesehen keine Lastschriften."

Diese Erfahrung machte auch eine "Help"-Hörerin, der 62,62 Euro von einer Firma namens Adyen Client Management Foundation abgebucht wurden. Die Firma war Frau M. unbekannt, sie vermutete daher einen möglichen Missbrauch und wollte die Zahlung zurückziehen. Von der Bank hieß es aber, das Geld sei von M. selbst per Onlinebanking überwiesen worden.

In einem solchen Fall sei es sehr schwierig, eine Zahlung zurückzuziehen, sagte der VKI-Bankenexperte: "Für den Verbraucher gibt es da nur eins: sich sofort mit der Bank in Verbindung setzen. Wenn die Überweisung noch nicht gebucht ist, kann sie angehalten werden. Das ist die einzige Möglichkeit." Dadurch, dass der Zahlungsverkehr mittlerweile sehr schnell geworden sei, gehe es hier mitunter aber um ein paar Stunden, so Lausecker.

Kreditkarte: Einspruch bei Abrechnung möglich

Nachdem sich M. an "Help" gewendet hatte, kontaktierte sie noch einmal ihre Bank, und diese konnte die Angelegenheit aufklären. Frau M. hatte tatsächlich im Internet eingekaut, der Anbieter hatte den Onlinekauf dann über einen Zahlungsdienstleister abgewickelt - ebenjene Adyen Foundation, die von M.s Konto abgebucht hatte. Gerade wenn externe Dienstleister involviert sind, sei es für Konsumenten nicht immer einfach zu erkennen, wer vom Konto abbucht, sagte Lausecker. Hätte es sich bei der Überweisung tatsächlich um einen Betrug gehandelt, wäre es laut Lausecker schwierig gewesen, den abgebuchten Betrag zurückzuholen.

Etwas besser ist die Lage bei der Zahlung mit Kreditkarte: "Dort habe ich immer die Möglichkeit, sofort zu reagieren, sobald ich von einer Buchung Kenntnis habe - also mit der nächsten Abrechnung der Kreditkarte. Dann habe ich die Möglichkeit zu sagen: 'Nein, der Betrag stimmt nicht, der geht zurück.' Das kostet mich auch nichts." Dafür sind Kreditkartengebühren aber wesentlich höher als die Kosten einer Bankomatkarte.

Vorsicht bei Bargeldtransfer an Unbekannte

Von einer Zahlungsform rät Lausecker übrigens ganz besonders ab: Bargeldanweisungen, wie sie zum Beispiel Western Union durchführt. Sie kämen ausschließlich dann infrage, wenn man die Identität des Empfängers zweifelsfrei kennt, also bei Familienangehörigen und engen Freunden. Onlinekäufe sollte man keinesfalls mit Bargelddiensten durchführen: "Wenn das Geld einmal auf diesem Weg ist, ist es weg. Wenn man zum Beispiel online bei Ebay einkauft und Vorauskasse vereinbart und dann auf diesem Weg bezahlt, ist das gefährlich." Wird beim einem Onlinegeschäft ein Bargeldtransfer als Bezahlung verlangt, sollte man lieber die Finger davon lassen.

Alexandra Siebenhofer, help.ORF.at

09.05.2015