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Hunde im Galopp

Hund beißt Hund: Muss die Versicherung zahlen?

Hundebesitzer sind gut beraten, eine Haftpflichtversicherung fürs Tier abzuschließen. Mancherorts, zum Beispiel in Wien, ist sie sogar vorgeschrieben. Eine solche Versicherung deckt jedoch nicht alle Schäden ab, die rund um den Vierbeiner entstehen können. Diese Erfahrung machte ein Help-Hörer, nachdem sein Hund einen anderen schwer verletzte.

Haftung

"Bei uns waren Freunde zu Besuch mit ihrem kleinen Hund, das ist so ein 5, 6 Monate altes Findelkind aus Rumänien", erzählt Herr G. "Wir haben einen Schäferhund. Wir haben uns noch kurz drüber unterhalten, ob der Schäferhund friedlich ist und ob man die Hunde miteinander alleine spielen lassen kann. Ich hab das bejaht und wir sind ins Haus gegangen."

Weder Herr G. noch seine Freunde haben irgendwelche Bedenken, als sie die beiden Hunden im Garten alleine lassen. Doch nach kurzer Zeit bemerkt die Tochter, dass der Welpe stark am Kopf blutet. Was zunächst wie eine kleine Wunde aussieht, stellt sich später als schwere Schädelverletzung heraus, Operation und Tierspitalsaufenthalt inklusive. Der Schäfer hatte den Welpen offensichtlich mit seinem Eckzahn verletzt. Kostenpunkt: 4.000 Euro.

4.000 Euro Tierarztkosten

"Wir haben den Schaden der Uniqa-Versicherung gemeldet und sind davon ausgegangen, dass die Kosten durch die Hundehaftpflichtversicherung gedeckt sind. Der Tierarzt hat das genauso gesehen", erinnert sich Herr G. Eine Schadensreferentin der Uniqa stimmte dem zuerst zu. Sie sagte Herrn G., dass sie davon ausgehe, dass die Versicherung die Kosten übernehmen werde. Er solle die Schadensmeldung und alle Rechnungen einreichen. Kurz darauf erhielt Herr G. allerdings folgendes Schreiben eines anderen Uniqa-Mitarbeiters:

"Wir können in diesem Schadenfall kein schuldhaftes Verhalten bei der Verwahrung des Hundes unseres Versicherungsnehmers feststellen.
Wir bitten daher um Verständnis, dass wir in diesem Fall keinen Schadenersatz leisten können."

Aufsichtspflicht endet im eigenen Garten

Auf Nachfrage erklärte man Herrn G., dass er in seinem eigenen Garten keine Aufsichtspflicht für seinen Hund hätte. Jeder Hundebesitzer, der zu Besuch kommt, müsse das Risiko eines Unfalls selbst tragen. Sollte der Hundebesitzer allerdings auf die Tierarztkosten verklagt werden, dann würde die Uniqa die Kosten für den Gerichtstreit und einen etwaigen Schuldspruch übernehmen.

"Die Ansicht der Uniqa ist, dass sie nur zahlen müssen, wenn ich meine Aufsichtspflicht über meinen Hund verletze", wundert sich Herr G. "Wenn ich also zum Beispiel ohne Leine und Beißkorb auf der Straße gehe und er beißt jemanden, dann würde die Versicherung zahlen. Wenn ein unglücklicher Unfall passiert, zahlt die Versicherung nichts."

"Keine Schuld im Sinne der Haftungsbestimmungen"

Die Haltung der Uniqa ist laut Verein für Konsumenteninformation rechtlich nachvollziehbar. Laut Gesetz liegt kein eindeutiges Verschulden Herrn Gs vor, also besteht auch keine Haftung für den Konsumenten und dementsprechend auch nicht für die Versicherung. "In diesem Sinn ist niemand Schuld im Sinn dieser Haftungsbestimmung", sagt Thomas Hirmke vom VKI. Der Rechtsexperte betont jedoch, dass es für die Versicherung keine absolute Sicherheit gebe, dass ihr Kunde auch aus einem möglichen Rechtsstreit absolut schuldfrei aussteigen würde: "Weil dann auch der konkrete Sachverhalt ganz genau erhoben wird und auf der Basis erfolgt dann die Entscheidung. Also allenfalls wäre es schon sachgerecht, wenn die Versicherung hier einen Teil des Schadens schon übernehmen würde."

Wir haben auch die Uniqa um eine Stellungnahme zu dem Fall gebeten. Dort bedauert man zwar, dass der Kunde zunächst eine missverständliche Auskunft erhalten habe. Die Versicherung hält aber an der Absage fest. Die Uniqa hat sich jedoch bereit erklärt, alle Details des Falles nochmals zu prüfen.

25.07.2015