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Bett an weißer Wand mit Nachttischlampe

Hotelportale: Wer mehr zahlt, wird besser gereiht

Buchungsplattformen im Internet versprechen, schnell und einfach das günstigste Reiseangebot herauszufiltern. Mittlerweile sind solche Plattformen allerdings ins Fadenkreuz der Wettbewerbshüter geraten. Der Vorwurf: Zahlungen und intransparente Preisbindungen, die zwischen den Hoteliers und den Internetportalen vereinbart werden, verzerren den Wettbewerb und schränken Hoteliers in der freien Preisgestaltung ein.

Reisen

Die Reihung der Hotels auf den Buchungsplattformen erfolge nicht zwangsweise nach dem günstigsten Angebot, sondern nach der Höhe der Provision, die der Hotelier an die jeweilige Plattform bezahlt. Das sagt der Fachverbandsobmann der Hotellerie in der Wirtschaftskammer Siegfried Egger: "Das ist bei den verschiedenen Buchungsportalen natürlich so geregelt. Wenn sie mehr Provision bezahlen, werden sie besser gereiht. Das heißt, sie können das von der Buchungsprovision her steuern. Für den Kunden ist das natürlich nicht ideal. Aber bei 'Booking.com' werden sie als präferierter Teilnehmer vermutlich auch besser gereiht."

Wer mehr zahlt, wird besser gereiht

Will ein Unternehmer auf den Buchungsportalen gelistet werden, muss er eine Provision bezahlen. In der Regel sind das etwa zehn bis fünfzehn Prozent des Preises der über die Plattform erfolgten Buchung. Wenn ein Veranstalter aber im Ranking vorne mitspielen will, könne die Provision sprunghaft ansteigen und im Extremfall 30 bis 35 Prozent oder mehr betragen, sagt Hotelier Siegfried Egger: "Ich denke, dass Provisionen über 24 Prozent für den Hotelier problematisch sind. Darüber hinaus wird es für den kleinen Unternehmer sicher schwierig, aus diesem Geschäft noch Profit ziehen zu können."

Portale bleiben konkrete Antworten schuldig

Der Frage, ob die Provisionshöhe für die Reihenfolge der angezeigten Angebote eine Rolle spielt, weicht man beim Marktführer "Booking.com" aus. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: "Unsere Partner profitieren von unserem Online-Reservierungssystem rund um die Uhr, an sieben Tagen pro Woche. Wir stellen wirkungsvolle Online-Marketing-Werkzeuge zur Verfügung, um unsere Kunden einem globalen Publikum vorzustellen."

Auch bei der Plattform "Expedia" bleibt die Antwort unkonkret: "Welche Hotels im individuellen Fall angezeigt werden, entscheidet der Expedia-Algorithmus. Dieser berücksichtigt verschiedene Faktoren, darunter die Hotelbeschreibung, Kundenbewertungen, Verfügbarkeit oder Fotoqualität und Zusatzleistungen der Hotels."

Preisfilter mangelhaft

Bei "Expedia" weist man außerdem auf die Möglichkeit hin, die Angebote nach dem Preis sortieren zu lassen. Das geht auch bei "Booking.com", allerdings mit Einschränkungen. Der erstgelistete Preis ist zwar günstig – aber nicht der günstigste. Gabriele Zgubic, Leiterin der Abteilung Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Wien empfiehlt daher: "Es lohnt sich, wenn man mehrere Plattformen verwendet und schaut, ob nicht eine andere Plattform ein besseres Angebot für mich hat. Außerdem sollte man nicht nur die ersten zehn Angebote anschauen, sondern weiter nach unten scrollen, um zu überprüfen, ob nicht doch ein Angebot dabei ist, das meinen Bedürfnissen und Vorstellungen besser entspricht."

Bestpreisgarantien im Visier der Wettbewerbsbehörde

Neben den Provisionen stehen auch mögliche Preisbindungen, denen die Hoteliers zustimmen müssen, im Zentrum der Kritik - kommend sowohl von der Hotellerie als auch von der Wettbewerbsbehörde. So dürfen die einzelnen Hotels auf der eigenen Homepage die mit der Onlineplattform abgestimmten Preise nicht unterbieten. Theodor Thanner, Chef der Bundeswettbewerbsbehörde sieht diese Bestpreisklauseln auch aus Konsumentensicht kritisch: "Der Konsument erhält nach dem derzeitigen Stand nur den Preis, der gebunden ist zwischen der Buchungsplattform und dem Hotelier. Er kann keinen günstigeren Preis generieren, obwohl das Unternehmen, sprich der Hotelier dazu bereit wäre."

In Frankreich und Deutschland sind solche Bestpreisklauseln mittlerweile gesetzlich verboten. Wettbewerbshüter Thanner ist zuversichtlich, mit den Online-Plattformen auch für Österreich eine zufriedenstellende Lösung erreichen zu können. Bis es soweit ist, sollte man im gewünschten Hotel einfach anrufen. Sonderangebote dürfen zwar nicht auf der Homepage beworben, sehr wohl aber telefonisch vereinbart werden.

Paul Urban Blaha, help.ORF.at

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08.08.2015