Standort: help.ORF.at / Meldung: ""Bitterer Nachgeschmack": Schwarztees im Test "

"Bitterer Nachgeschmack": Schwarztees im Test

Das Magazin Ökotest hat für seine aktuelle Ausgabe Schwarztees getestet. Das Ergebnis ist bitter: 13 von 30 Tees sind durchgefallen. Etliche Produkte enthielten problematische Inhaltsstoffe und viele Hersteller konnten nicht nachweisen, dass auf den Teeplantagen faire Arbeitsbedingungen herrschen.

Nachhaltigkeit

Auf den steilen Teeplantagen in China, Sri Lanka, Indien oder Kenia arbeiten meistens Frauen als Pflückerinnen. Die Handarbeit ist anstrengend. "Am Tag verdienen die Pflückerinnen in manchen Anbauregionen weniger als einen US-Dollar und 25 Cent am Tag. Das ist von der Weltbank als unterste Grenze extremer Armut definiert", sagt Ökotest-Redakteurin Birgit Hinsch.

Zu wenig zum Leben

Löhne weit unterhalb des Existenzminimums haben ihre Folgen. Viele Arbeiterinnen und ihre Familien sind unterernährt. In den Teeanbaugebieten Malawis ist jedes zweite Kind körperlich unterentwickelt. Das hat eine aktuelle Studie des deutschen Hilfswerks Misereor ergeben. Demnach führt auch in Teilen Indiens und Kenias die Unterernährung zu erhöhter Kindersterblichkeit.

Arbeitsbedingungen auf Plantagen abgefragt

Die Tester wollten deshalb von den Teeherstellern wissen, was sie tun, um faire Löhne und menschenwürdige Verhältnisse zu ermöglichen. Alle 30 Anbieter bekamen einen Fragebogen. Vier antworteten gar nicht. Etliche Antworten genügten den Testern nicht, denn reine Bekenntnisse ohne Nachweise ließen sie nicht gelten. "Viele haben zwar gesagt, dass sie sich um gute Arbeitsbedingungen auf den Plantagen kümmern, aber sie konnten das nicht durch entsprechende Zertifikate belegen", erläutert Hinsch.

Gütesiegel als Orientierung

Gesetzliche Mindestlöhne, internationale Kernarbeitsnormen, Versammlungsfreiheit und die Abschaffung von Zwangs- und Kinderarbeit gewährleisteten dagegen Gütesiegel. "Fairtrade, Rainforest Alliance, UTZ Certified oder auch der Bioanbieter Naturland haben Standards und lassen die durch externe, unabhängige Zertifizierungsorganisationen überprüfen. Das haben wir positiv bewerten können", so Hinsch.

Sehr gut, gut und befriedigend

Mit "sehr gut" wurden der "Gepa Assam Tee" und der "Lebensbaum English Breakfast Tea" bewertet. "Aus dem konventionellen Bereich hatten wir zwei Tees, die gut abgeschnitten haben, den 'Lipton Yellow Label Tea' und die 'Indische Teemischung' von Teekanne", so Hinsch. Ein "befriedigend" bekamen die Anbieter Alnatura, Dennree, Unilever und Tee Gschwendner.

Was die problematischen Inhaltsstoffe angeht, so ist das Testergebnis bitter. Elf Tees fielen in diesem Punkt durch, etwa wegen erhöhter Pestizidrückstände und giftiger Pflanzenstoffe. Ein Problem war vor allem der Problemstoff Anthrachinon. Er steht im Verdacht krebserregend zu sein, ist aber im heißen Wasser schwer löslich. Trotzdem werteten die Tester erhöhte Werte streng. "Man weiß letztlich nicht, was auch sehr geringe Spuren machen. Bei einem Stoff, der unter Krebsverdacht steht, können und sollten die Hersteller nachbessern", fordert die Ökotest-Redakteurin.

Ein Testverlierer nicht verkehrsfähig

Insgesamt 13 Mal verteilte Ökotest ein "ungenügend" als Gesamtnote. "Im Biobereich trifft es den "Darjeeling First Flush" von der Teekampagne durch die Überschreitung des Anthrachinon-Grenzwertes. "Ein anderes Beispiel ist 'Meßmer Darjeeling', der sowohl von den Inhaltsstoffen ungenügend war als auch von der Anbauseite nur mangelhaft abgeschnitten hat", sagt Hinsch. "Den Vogel abgeschossen" habe aber das Produkt von Öztürk Tee, ein Tee aus einem türkischen Geschäft. "Darin wurden Rückstände von 20 verschiedenen Pestiziden gefunden und zweimal gesetzliche Grenzwerte überschritten. Einmal sogar soweit, dass das Produkt als nicht verkehrsfähig einzustufen ist."

Bei der Pestizidbelastung seien Bioprodukte hingegen völlig unbedenklich gewesen, so Hinsch. Beim Kauf solle man auch besser zu lose verpacktem Tee greifen statt zu Teebeuteln.

Veronika Mauler, help.ORF.at

Mehr zum Thema:

29.08.2015