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Ferkel in einem Stall

D: Empörung über Antibiotika in Bioställen

Die Gabe von Antibiotika in der Tiermast ist umstritten. In der konventionellen Tierzucht üblich, bevorzugen viele Konsumenten Biofleisch - gerade wegen strikterer Vorgaben beim Medikamenteneinsatz. In Deutschland sorgt nun ein Bericht für Empörung, wonach auch in der Biolandwirtschaft Antibiotika eingesetzt werden.

Gesundheit

Konkret hat der deutsche Verband Bioland offenbar gegen seine eigenen Richtlinien verstoßen und einzelnen Bauern Antibiotika erlaubt, die sie grundsätzlich nicht verwenden dürfen. Dies berichten taz.de und FAZ. Allein im Jahr 2014 hat der Verband demnach einzelnen Landwirten 35 Mal eine Ausnahme erteilt, Tiere mit Antibiotika zu behandeln. Darunter waren laut dem Bericht auch sogenannte Reserveantibiotika.

Der Einsatz dieser Medikamentengruppe im Tierbereich wird besonders kritsiert, da so leichter Resistenzen entstehen können. Reserveantibiotika sind auch zur Behandlung von Menschen bedeutsam, wenn andere Antibiotika nicht mehr wirken.

Strengere Regeln selbst gesetzt

Bioland galt bisher als Ökoverband mit besonders strengen Regeln, die über die EU-Vorgaben hinausgehen. So setzte sich der Verband etwa auch das strenge Antibiotikaverbot freiwillig selbst. Die EU erlaubt den Einsatz von Antibiotika im Biobereich, wenn dieser vom Tierarzt ausdrücklich verordnet und eine Behandlung nicht anders möglich ist.

Die jetzige Aufweichung der eigenen Ökoverband-Richtlinien durch Ausnahmen mag zwar erklärbar und durchaus auch marktüblich sein, für die 6.200 Ökoverband-Mitglieder mit ihren insgesamt 1,6 Millionen Tieren bedeutet es jedoch vor allem eine Vertrauensverlust und einen Imageschaden.

AMA: Mit Antibiotika kein Biofleisch mehr

Auch hierzulande richten sich die Standards in Biobetrieben nach Auskunft der AMA nach der EU-Ökoverordnung. Antibiotika dürfen demnach in Einzelfällen unter strengen Bedingungen zur Krankheitsbehandlung eingesetzt werden. "Das Fleisch darf dann aber nur noch als konventionelles Fleisch verkauft werden, " so AMA-Sprecherin Christine Rodinger gegenüber help.ORF.at.

Umwelt- und Tierschutzverbände wie Greenpeace fordern seit langem eine massive Reduktion des Antibiotikaeinsatzes. Pro Jahr werden in Österreich etwa 55 Tonnen allein in der Tierhaltung eingesetzt, so die Umweltorganisation in einer Aussendung. Vor allem Reserveantibiotika hätten in der Tieraufzucht nichts zu suchen. Wichtig sei es auch, gezielt einzelne, kranke Tiere zu behandeln, so Greenpeace. Die Behandlung ganzer Herden darf nur in begründeten Einzelfällen angewendet werden und keinesfalls als günstige Alternative zu guten, tiergerechten Haltungsbedingungen dienen.

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10.02.2016